Lautwasser
Zwischen Hochwald und Südwald, unweit jener Stelle, wo der Delimbiyr den Graufluss küsst, liegt Lautwasser, die Stadt in der ich meine Kindheit verbrachte. Sie unterscheidet sich stark von den anderen Städten mit deren drohenden Bollwerken, für die der raue Norden Faerûns bekannt ist. Dieses Städtchen fügt sich so nahtlos in die grünen Wiesen und lichten Wälder der Umgebung ein, dass man meinen könnte, es wäre nicht erbaut worden, sondern in die malerische Landschaft hineingewachsen. So, als währe sie von Elfenhand erbaut worden (was ja nicht ganz unrichtig ist). Es gibt vier Stadtteile: Das Brückenviertel, das Schlossviertel, das Akademieviertel und das Hafenviertel. An ihre Außenbezirke grenzen einige Bauernhöfe und der Friedhof
Geplauder aus der Stadtchronik:
Vor mehr als tausend Jahren baute der Zwerg Iirikos Steinschulter für die Elfen aus dem Reiche Earlann eine Brücke über den Delimbiyr-Fluss, um die herum im Laufe der Jahrhunderte eine Stadt entstand. Sie wurde in Erinnerung an die reißenden Stromschnellen, die einst den Fluss an jener Stelle so gut wie unschiffbar machten, „Lautwasser“ genannt.
Eine künstliche Erweiterung des Flussbettes verhalf der Stadt zu einem grossenn Frachthafen, der den Aufstieg Lautwassers zur wichtigsten Handelsstadt des Tals einleitete. Seit dem Fall Earlanns vor ungefähr 500 Jahren wurde Lautwasser immer mehr zu einer Stadt der Menschen, obwohl Elfen und Halbelfen noch heute ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Auch Halblinge, Gnome und Zwerge sind in Lautwasser keine Seltenheit.
Die Stadt wird seit jeher, zumeist in Erbfolge, von einem Fürsten oder einer Fürstin geführt, obwohl sich diese Regierungsform nicht immer bewährt hat.
In Jüngerer Zeit bestimmt die Göttin in jedem Schildtreff einen aus den Reihen der Stadtbewohner, der für ein Jahr zum Beschützer der Stadt und der sie umgebenden Wälder wird.
Die Regierungsgeschäfte werden aber immer noch von den Fürsten versehen, die seit jener Zeit die Geschicke der Stadt wieder besonnen lenken.
Die jüngere Geschichte Lautwassers ist dennoch von Entwicklungen und Ereignissen geprägt, die den Frieden und Wohlstand der Stadt gefährden: Flussaufwärts in Lorkh lagern die Zentiler und obwohl beide Seiten vom Karawanenhandel profitieren, ist zweifelhaft, ob die Zentiler das Friedensabkommen, den „Schwur von Orlbar“, einhalten werden. Außerdem ist Lautwasser den Feinden Mielikkis ein Dorn im Auge. Spätestens seit Heerscharen von Orks aus dem Hochwald in Richtung der Graugipfelberge strömen, ist es in der Stadt gefärlicher geworden.
Besonderheiten Lautwassers:
Die Grotten: Lautwasser liegt auf einem Geflecht aus Gängen und Höhlen, das sich die unterirdischen Verästelungen und Nebenläufe des Delimbiyr über Jahrtausende gegraben haben. Seit der Erweiterung des Flussbettes östlich von Lautwasser ist der Wasserspiegel so stark abgesunken, dass weite Teile des Höhlensystems mittlerweile zugänglich sind.
Als Kind pflegten meine Brüder mich dorthin zu einer Art Mutprobe einzuladen, wussten sie doch um meine Abneigung, über meinem Haupte nicht den Himmel oder ein festes Dach, sondern Erde zu haben. Noch heute ist es mir ein Greuel mich in Höhlen oder Grüften bewegen zu müssen. Es ist, als würde die Luft zum Atmen zu kanpp werden und der Gedanke daran, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf fallen und die Erde mich unter sich begraben könnte, löst einen wahrlich seltenen Schweißausbruch aus.
Die Krypta: Die Priester des Allgötterschreins zeigen sich besorgt über die Sichtungen von Untoten innerhalb der Stadtgrenzen. Den Ausgangspunkt dieser Aktivitäten wird die Krypta unterhalb der Fürstenhalle vermutet, in der die Toten nicht zur Ruhe kommen. Weil das allein ihre plötzliche Wanderlust noch nicht erklärt, sind in jüngster Vergangenheit mehrere Exkursionen in die Krypta unternommen wurden, bisher aber ohne Ergebnis. Sollte ich wieder nach Lautwasser gelangen und die Stadt immer noch von Untoten überschwemmt sein, wird es mir eine Freude sein einige Skelette „aus der Fassung“ zu bringen.
Die Orks: Besorgniserregend ist die regelrechte Völkerwanderung der Orks aus dem Hochwald, die auf ihrem Weg in die Graugipfelberge gefährlich nah an Lautwasser vorbeigehen. Das ungewöhnlich friedliche Verhalten der Orks, die andernorts Angst und Schrecken verbreiten, nährt die Gerüchteküche um das Erscheinen der „Stadt der Schatten“ über dem Schreckenswald.
Die Banditen: Seit mehr als einem Jahrzehnt wird die Karawanenroute nach Secomber von einer Räuberbande heimgesucht, deren Anführer eine Werratte sein soll, die sich „der Horcher“ nennt. Die Zahl der Überfälle soll in letzter Zeit sprunghaft angestiegen sein. Die Art und Ergiebigkeit ihrer Überfälle lässt vermuten, dass die Banditen genau wissen, wo es etwas lukratives zu holen gibt. Ob sie wohl Verbündete in Lautwasser haben?

