Mabbrun "Beißer" Graustein
Alter: 54
Gesinnung: chaotisch-gut
Heimatort: Blingdenstein
Sprachen: Handelssprache, Handelssprache der Unterwelt, draconisch, illustisch, gnomisch, elfisch, sylvanisch (am lernen)
- Aussehen
Die Tiefengnomin ist 90 cm groß, hat graue Haut und graue Haare. Ihre Augen sind tiefschwarz, die Iris, von der Pupille in der Schwärze nicht zu unterscheiden, scheint etwas größer als gewöhnlich zu sein. Sie trägt dunkelgraue Kleidung und wirkt alles in allem schmächtig und knorrig. Mit den Gnominnen der Oberfläche hat sie nicht viel gemein, sind diese in der Regel doch hübsche kleine Wesen.
Sie wirkt nicht fröhlich und beschwingt, hat keinen Schalk in den Augen. Ihr Blick ist wachsam und nur selten sieht man ein freundliches Glänzen oder gar Vertrauen in ihnen. Die Stiefel, die sie trägt, sind so weich, dass sie kaum Geräusche machen, dennoch wirken sie hart und robust. So, wie sie die meisten unterirdisch lebenden Wesen brauchen. Sie trägt die Magierkleidung der Tiefengnome, bestehend aus einer grauen Hose und einer grauen Robe. Die Ärmel dieser Robe sind nicht weit, die Erfahrung in engen unterirdischen Höhlen und Gängen hat die Magier Blingdensteins schon vor langer Zeit gelehrt, dass weite Ärmel so manchen Zauber verfälschen, bleibt der Zaubernde doch nur zu leicht an scharfen Kanten hängen.
- Charakter
Mabbrun ist allen gegenüber misstrauisch. Als Angehörige eines Volkes, das so gut wie unbekannt ist, ist sie es nicht gewohnt, unter Lebewesen zu sein, die nicht zu ihrem Volk gehören. Sie misstraut Halb-Orks, weil sie brutal, hässlich und dumm sind. Sie misstraut Elfen, weil Dunkelelfen auch Elfen sind und Elfen sowieso überheblich, arrogant und eitel sind. Sie misstraut Gnomen, weil die Oberflächengnome so vollkommen anders als ihre eigene Art sind, viel impulsiver und nicht berechnend. Sie misstraut Halblingen, weil niemand immer so fröhlich sein kannn, sie ständig hungrig sind und viel zu gesellig. Sie misstraut Menschen, weil Menschen arrogant und dumm zugleich sind und trotz ihrer Kurzlebigkeit glauben, sie seien die Herren der Welt. Sie HASST Dämonen und Völker die mit ihnen verwandt sind.
Aber sie mag Zwerge.
Mabbrun zeichnet sich durch eine chronische Miesepetrigkeit und Unfreundlichkeit aus, die manchmal sehr am Rand der Gemeinheit entlangkratzt. Sie ist immer mürrisch und sich selbst die Nächste, aber wer ihr Vertrauen geniesst, kann sicher sein, dass sie sich zwischen ihn und jede Gefahr wirft.
Sie ist verschlossen, aber ihre gnomische Art kommt dennoch ab und an zum Ausbruch, mehr in kleinen Wut- als Freudenausbrüchen und selten (aber es soll schon vorgekommen sein) in spontanen Aktionen.
Manchmal erlebt man sie in Gedanken versunken und ihre mürrische Ader bekommt eine leicht traurige, stille Färbung, die sofort von noch mehr Unausstehlichkeit überdeckt wird. Oder Tatendrag. In diesen Momenten denkt sie an ihre Heimat…
==== ===== **HINTERGRUNDGESCHICHTE** ===== ====
Prolog:
Beißer. So nennen mich die Svirfnebli hier in Silbrigmond. Und immer wieder muss ich meinen Talisman zeigen, muss ihn herumgehen lassen, während die anderen in grimmiger Betrachtung ihren düsteren Gedanken nachhängen und in diesen auf jeden toten Dunkelelf spucken, der durch ihre Hand das unwerte Leben lassen musste.
Ich erinnere mich kaum noch an unsere Ankunft hier, als wir, getrieben von den Dunkelelfen, durch den nächsten erreichbaren Geheimgang stürzten und an der Oberfläche wieder hinauskamen. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie wir es geschafft haben, bis an die Oberfläche zu kommen. Ich erinnere mich nur noch an Schreie, an das Klirren von Waffen, an den Gestank der Bebilithen hinter uns, ich erinnere mich an das Kreischen der Dunkelelfen und an das Geräusch fallender Körper. Ich erinnere mich an den Geruch der Angst und ich erinnere mich an die Aura der Verzweiflung, die uns alle umgab. In völliger Finsternis, laufen, nicht umsehen und dennoch wissen, dass wir immer weniger und weniger werden auf unserer Flucht.
Und schließlich das leichte Licht der Nacht. Ein leichter Wind auf meinem Gesicht und sonst nichts. Stille. Als wäre nie etwas geschehen. Als wären die Ereignisse die uns an die Oberfläche trieben nur ein Traum gewesen.
Bitterkeit überkommt mich, denke ich an den Anblick, der sich mir bot. An unsere Zahl.
Unsere Ankunft in Silbrigmond. Die Blicke der Bewohner, als sie uns sahen. Abscheu, Angst Interesse, Ungläubigkeit, Misstrauen und Vorsicht. Schrecken über unsere Geschichte, die sie zuerst nicht glauben wollten. Unsere zerschundenen Körper, die vielen Wunden, ja überhaupt unser Dasein bei ihnen sollten doch Zeugnis genug sein, doch schien uns niemand von ihnen zu glauben. Erst als nach und nach weitere unseres Volkes kamen und ebenso wie wir von der Schlacht um Blingdenstein berichteten, schenkten sie uns Glauben.
Das lange Warten. Ich erinnere mich noch an das lange Warten. Wie lang? Ich weiß es nicht mehr. Tage. Nächte lang. Wir, die wir wachten, die wir in kleinen Grüppchen zu den Ausgängen unserer Geheimgänge gingen und dort etwas von uns hinterließen, dass andere unseres Volkes wüssten, dass es uns noch gäbe, dass wir leben. Tage und Nächte, in denen wir wachten, rund um Silbrigmond verteilt. Mehr und mehr meines Volkes kamen zusammen und berichteten von anderen, welche sich ebenfalls in den Silbermarken aufhalten würden. Alustriel liess uns bleiben wo wir wollten. Aber nur wenige waren übrig geblieben.
Und irgendwann hatte das Warten ein Ende. Es kam niemand mehr.
So viele waren wir einst. So wenige sind wir heute.
Ich schaue mich um. Kann mich der bitteren Gedanken nicht erwehren.
Der Morgen kommt mit hellen Vogelstimmen, es ist laut hier in Silbrigmond.
Die Augen zu öffnen fällt mir mit jedem Tag ein wenig leichter. Der Schmerz in ihnen lässt nach. Anfangs war es so hell. Die Sonne, in ihrer Helligkeit ungebremst, brannte in meinen Augen und meine Hände schützend vor mein Gesicht zu halten tat kaum ein Wirkung. Und die Farben, so grell und zahlreich, ließen meinen Kopf schmerzen.
Inzwischen bekamen wir neue Bleiben. Unterirdische Gewölbe, in denen wir untergebracht wurden, doch sind es nicht mehr als Keller, nicht zu vergleichen mit Blingdenstein.
Sie sind nicht miteinander durch unterirdische Stollen verbunden und wollen wir einander sehen oder für unseren Lebensunterhalt sorgen, so müssen wir uns auf der Oberfläche bewegen.
Langsam gewöhne ich mich an den Lärm, an die grellen Farben und an das Licht.
Und auch an die Bewohner.
Daran, hier so viele Spitzohren zu sehen, doch kann ich mich noch immer nicht an ihren Anblick gewöhnen und auch andere zucken zusammen, sehen wir spitze Ohren und fast weißes Haar dazu. Die Zwerge hier begegnen uns mit Respekt. Schildzwerge sind es zur Hauptsache, die sich hier aufhalten. Ich begegne den Schildzwergen im Guten und ohne Argwohn, denn sie erinnern sich noch gut an die Dienste, die ihnen Blingdenstein tat. Und auch sie wissen, im Gegensatz zu den Bewohnern der Oberfläche, was Menzoberranzans Schlag gegen Blingdenstein bedeutet.
Sie erinnern sich im Guten an unser Volk. Svirfnebli waren es, die den Schildzwergen halfen, Mithralhalle gegen die Dunkelelfen zu verteidigen. Ein schwerer Schlag für die Dunkelelfen, welche nicht damit gerechnet hatten, dass die Schildzwerge von Mithralhalle uns zu ihren Verbündeten haben würden. Mit der Befestigung von Mithralhalle durch die Schildzwerge gewannen die Silbermarken einen starken Verbündeten und Silbrigmond eine tapfere Schwesternstadt, gerade in Zeiten des Krieges. Blingdenstein und Mithralhalle waren der Schild zwischen dem Oberreich und den Dunkelelfen von Menzoberranzan.
Nun ist Blingdenstein gefallen.
Blingdenstein.
Es war unser großes, unser wunderbares Reich, das Reich der Svirfnebli. Ich erinnere mich zu gut an den verhängnisvollen Tag. Ich war als Wachposten eingeteilt. Auf einem unserer Türme, nahe dem Hohen Haus der Illusion. Das Leben ist hart im Unterreich. Immer wieder mussten wir mit hinterhältigen Angriffen rechnen. Ich erinnere mich and diese schrecklichen Bestien, diese Ungeheuer, die auf einmal auftauchten, aus dem Nichts. Ihre Färbung machte es uns fast unmöglich, sie zuerkennen, und als wir sie sahen, war es schon zu spät. Als ich den ersten von ihnen erkannte, schlug ich sofort den Gong und griff nach meiner Armbrust. Noch während der Gong seine Wellen weiter trug, hörte ich aus jeder Richtung die Alarmsignale. Nie zuvor hatte ich sie so laut gehört, nie zuvor so zahlreich wie in dieser Nacht. Von den Wänden hallten die Stöße der Hörner wieder, Signalfeuer wurden entzündet, Gongschläge hallten von den Türmen der verschiedenen Hohen Häuser herab. Alle Wachposten, in jeder Richtung, warnten vor der Gefahr. Sie waren da. Diese Dämonen aus dem Nichts und sie kamen von überall her. Es blieb uns keine Zeit, irgendjemanden in Sicherheit zu bringen. Ich legte die Armbrust an und begann zu feuern. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie die anderen Wachposten selbiges taten, um mich herum hörte ich die Waffenrufe meiner Brüder und Schwestern, die Magier und Kriegerorden traten aus ihren Hohen Häusern und begannen die Verteidigung.
Als meine Bolzen verschossen waren, rannte ich hinunter, meinen Brüdern und Schwestern zu helfen. Noch während ich rannte hörte ich die Schreie sterbender Svirfnebli, hörte ich das Geräusch, das ertönt, wenn Rüstungen durchstoßen werden.
Und zum ersten Mal wohl in meinem Leben bedauerte ich es, eine kleine Magierin zu sein, schwach, die einzige Kraft nur aus Büchern, eine Keule und einen Dolch als Waffe und zur Verteidigung nichts als Stoff. Ja, ich bedauerte es, mich nicht für das Hohe Haus der Schildträger entschieden zu haben, oder für das Hohe Haus der Schwertbeter. Oder, da ich mich nun für das Hohe Haus der Illusion entscheiden hatte, in meinen Studien nicht noch weiter fortgeschritten zu sein.
Diese Dinger, die aus dem Nichts kamen, glichen riesigen Spinnen. Bebilithen. Dämonen. Ein Alptraum, bisher nur gesehen in den Büchern meines Meisters. Das widerliche stinkende Gift, das aus ihrem Maul tropft, mag zwar schwach sein, aber es ist so übel riechend, dass es das Atmen zu einer schweren Aufgabe macht.
Hilflos sahen wir, wie Freunde, Bekannte und Verwandte in den Netzen dieser widerlichen Kreaturen gefangen wurden. Von ihren stachelähnlichen Vorderbeinen wurden sie aufgespießt und in der Luft zerrissen, so dass man schon während der Schlacht nicht mehr wusste, welcher Kopf zu welchem Arm gehörte. Und je näher ich kam, desdo widerlicher wurde der Gestank nach Bebilithen und Blut.
Ein furchtbares Gemetzel. Es waren so viele. Ich stürzte mich in den Kampf, doch es war schier aussichtslos. Auf allen Ebenen Blingdensteins wurde gekämpft, noch nie zuvor erlebte unsere stolze Stadt einen solchen Überfall.
Meinem Nachbarn (dem zu meiner Linken, Frockl „Raugaumen“ Hechkl, ein Mitglied des Hohen Hauses der Schildträger) und mir gelang es, mit Hilfe anderer eines der Viecher zu überwinden; wir stießen ihm unsere Dolche in die Augen, worauf es verschwand. Eine Sekunde später wurde Frockl von eben diesem Ungeheuer von hinten aufgespießt. Das sühnte dieses mit seinem Leben. Gelang es uns, einen Bebilithen zu verwunden, so verschwanden sie und tauchten an anderer Stelle wieder auf.
Und zwischen ihnen waren SIE!
Dunkelelf! Ein Name, der nur zum Spucken gemacht ist.
Tote Augen haben sie. Wie ausgebleichte Knochen, das schwache Schimmern von Schimmelpilzen.
Die Dunkelelfen, die nach Angst und Tod riechen. Sie kommen aus Menzoberranzan, das liegt nördlich des Immermoors, unterhalb des Subrin.
Mit ihnen kamen die Bebilithen. SIE haben sie beschworen und auf uns gehetzt.
Ich habe gehört, dass es ein paar Mal gelang, einen Bebilith auf sie zu hetzen. Einen Bebilithen hinter und Dunkelelf vor sich, seien sie zwischen den Dunkelelfen hindurchgeschlüpft, so dass der Bebilith nicht einen von uns, sondern von ihnen erwischte. Doch selbst wenn es stimmt und es wirklich gelang, so passierte es doch viel zu selten.
Die Schlacht um Blingdenstein
Während der Schlacht lief mein Vetter Kramlu an mir vorbei und packte mich am Arm. „Das Wasser!“ – schrie er, während er weiter rannte und mich mitzog. Frisches Wasser ist selten hier unten und doch braucht es nahezu jedes Volk zum Überleben. Unser Wasser verteidigen wir mit unserem Blut, denn es bedeutet für uns das Überleben. Und so rannten wir, so schnell wir konnten, zum Wasserbecken neben dem Höhlenkonstrukt meiner Familie. Mehrere Svirfnebli verteidigten das Wasser gegen die Drow. Meine Tante väterlicherseits, Logglum „Zähhaut“ Graustein, war es, die drei Drow mit einem einzigen Schlag enthauptete, bevor ihr selbiges widerfuhr…- und ich stürzte mich in den Kampf. Am Wasserbecken traf ich Krummpa „Rauchhaar“ Mocklett, mit dem ich schon als kleine Tiefengnomin „Stein auf Pilz“ gespielt habe und welcher nun mit mir zusammen die Studien in einem der Hohen Häuser der Magie begonnen hatte. Für uns beide war nicht ausgeschlossen, dass wir nach Beendigung unserer Studien weiteres miteinander teilen sollten, wie zum Beispiel unser restliches Leben in einer gemeinsamen Höhle. Mein Vetter und wir kämpften Seite an Seite.
Anfangs noch wurden wir unterstützt von Brozzel „Fingerknoten“ Aul, meinem Meister, dem Höchsten im Hohen Haus der Illusionen. Mitten im Kampf verschwand er. Wir konnten sehen, wie er mit den anderen Höchsten der Magierorden im Hohen Berg verschwand. Ein kurzer Blick zurück und ein Nicken von Krummpa und mir. Der Blickkontakt dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Doch wir hatten verstanden. Es war nun unsere Aufgabe, unsere Meister zu schützen. Und das Geheimnis der Magierorden von Blingdenstein!! Oft denke ich an Fingerknoten Aul, der immer so geduldig mit mir war, der meine Ungeduld belächelte und meine Neugier stets in die richtigen Bahnen zu lenken verstand. Ich kann nur hoffen, er hat es geschafft.
Talisman
Krummpa und ich wandten uns wieder dem Kampf zu. Unsere magischen Geschosse verbrannten Dunkelelfen in der Luft, es konnte mir gelingen, einige erblinden zu lassen und sie zu lähmen, während Krummpa dafür sorgte, dass wir für die Augen der noch stehenden Totaugen verschwammen. Das Schwert meines Vetters schnitt blutige Bahnen in die Luft, noch niemals zuvor sah ich ihn so erbittert kämpfen und wir haben schon manchen Kampf gegen Kuo-Toa, Gedankenschinder und andere Wesen bestehen müssen. Und dann riefen sie aus dem Hintergrund.
Die Priesterinnen der fahläugigen Spitzohren, welche sich abseits gehalten hatten, riefen nun die Bebilithen zu sich. Auf einmal wurde Frockel emporgerissen von dem Vorderbein eines Bebilithen, welcher sich auf einmal direkt vor ihm materialisierte. Sein Bein durchbohrte ihn nicht. Als der Bebilith auf Frockel hinab stieß, machte dieser eine schnelle Drehung, so dass sich das Bein des Bebilithen in seinem Waffengürtel verfing. Der Bebilith verschwand. Mit ihm mein Vetter. Er tauchte etwa zwei Sekunden später wieder hinter uns auf, Frockel hatte dem Dämon sein Schwert durch den Kopf gestoßen und ein schnelles Winken meiner Hand, verbunden mit einer einzigen Silbe, ließ den Bebilithen zu Staub zerfallen. Frockel fiel zu Boden. Schwer verletzt, aus zahlreichen Wunden blutend, die Augen starr geradeaus gerichtet, der Blick fixiert auf etwas, das in unserer Welt nicht existierte. So blieb er liegen.
Es ging alles so schnell und doch so langsam. Ich hörte Krummpa schreien und als ich mich umdrehte, konnte ich gerade noch dem Schlag eines Bebilithen ausweichen. Er traf mich scharf im Gesicht, daher auch die Narbe vom rechten Mundwinkel zur Schläfe hoch. Dabei schlug er mir die Keule aus der Hand.
Ich stieß dabei an den Rand unseres Wasserbeckens und verlor nicht nur fast das Bewusstsein, sondern auch den noch schnell gezückten Dolch.
Benommenen Blickes schaute ich hoch. Als würde die Zeit langsamer laufen, sah ich höhnische Fahlaugen, metzelnde Bebilithen und sterbende Svirfnebli.
Die Luft, so schien es mir, war rot vor Blut und erfüllt vom Schreien und Stöhnen Sterbender.
In meine Keule hatte sich ein Dunkelelf gekrallt.
Nur noch ein lebender Dunkelelf, aber auch nur noch ein Svirfnebli: Ich.
Bis aufs Blut. Ich sprang diese widerliche Kreatur an und biss ihr in die Hand, bis sie meine Waffe losließ.
Dann hob ich meinen Dolch auf und schlitze dem Fahlauge den Hals auf.
Der Finger, den die Kreatur bei meinem Biss einbüßte, ziert nun als Talisman meinen Hals.
Seitdem trage ich den Beinamen “Beißer“.
Und dann sah ich ein paar unseres Volkes zu den geheimen Gängen rennen. Als ich meinen Vetter hochzerrte, leistete er keinen Widerstand. Er kam einfach mit. Und so brachten auch wir uns durch einen der geheimen Gänge in Sicherheit.
Die Svirfnebli waren gefallen.
In kleinen Grüppchen flohen wir durch Geheimgänge an die Oberfläche, verfolgt von Drow und Bebilithen. Die, die von unserer kleinen Gruppe die Flucht überlebten, fanden durch Alustriel, die „Fürstin der Hoffnung“, Zuflucht in den Silbermarken.
Meine Dornenkeule, eine Meisterarbeit, hergestellt von einem Schildzwerg aus Iltkazar und mein Zauberbuch. Das rettete ich aus Blingdenstein. Und den Finger. Den nahm ich ebenfalls mit.
Silbrigmond
Silbrigmond ist kein Ort für Svirfnebli. Trauer hat sich breit gemacht. So schön dieser Ort sein mag, wir alle haben unsere Heimat verloren. Niemand, der seine Familie um sich hat. Wir fragen uns, was mit unseren Familien geschehen ist. Stumme Fragen und doch keine Hoffnung bei denen, die es nicht wissen, nächtliche Schreie und stumme Trauer in den Augen derer, die es mit Bestimmtheit wissen. Die mit eigenen Augen sehen mussten, was mit ihren Familien geschah. Auch ich werde die Bilder nie mehr vergessen, die Bilder, die sich unauslöschlich eingeprägt haben, von Kindern, die die Waffen ihrer Eltern ergriffen, um sich zu wehren, oder nahmen, was sie finden konnten, von Alten, schon längst nicht mehr kampffähigen, die sich und ihre Familien versuchten mit Steinen zu verteidigten. Die Geräusche, die Gerüche, alles was ich sah und hörte, alles was geschah. Mit der Zeit scheinen sich immer mehr Erinnerungen den Weg an die Oberfläche zu kämpfen, Dinge, von denen ich nicht einmal gewahr wurde, dass ich sie wirklich gesehen habe, denn sie fanden ihren Platz nur in meinen Augenwinkeln.
Der Himmel ist so weit über uns, keine schützenden Felsen, die unser Reich einschließen, es ist so hell und so laut. Schutzlos, so fühlen wir uns. Und entweder lernen wir, uns anzupassen und mit einem Leben an der Oberfläche zurechtzukommen, oder wir werden verrückt.
Mein Vetter hat sich vollkommen zurückgezogen, ist nicht mehr zu erkennen. Seine Augen schauen durch mich hindurch, gesprochen hat er schon lange nicht mehr. Was er sieht, dass weiß wohl nur er selbst. Doch wir alle können uns denken, gegen welche Mächte er kämpft, wenn er nachts um sich schlägt. Auch andere, die ihre Heimat und Familien verloren haben, sind kaum mehr wieder zuerkennen. Sie sind verbittert, verzweifelt und wütend.
Einige blieben in Silbrigmond, einige ließen sich an anderen Orten in den Silbermarken nieder. Ich selbst wurde nicht glücklich in Silbrigmond. Die Schlacht konnte ich nie vergessen und die Frage, ob noch andere von meinem Volk überlebt haben, die durch andere Gänge in andere Teile Faeruns fliehen konnten und dort leben, quälte mich die ganze Zeit über. Krummpa habe ich nie wieder gesehen.
Mich selbst hält hier nichts. Die meines Volkes, welche hier noch leben, sind in Sicherheit. Ich verlasse nun Silbrigmond und begebe mich auf die Suche nach anderen Svirfnebli.
Gibt es noch weitere? Wo gibt es sie? Gibt es noch weitere, die zu meiner Familie gehören?
Wen ich sie finde, vielleicht finde ich dann auch eine neue Heimat, nicht wie die Gewölbe in Silbrigmond, die mit unserem unterirdischen Reich so gar nichts gemeinsam haben, sondern ein wirkliches Zuhause. Und vielleicht wird die Zeit kommen, in der mein Volk sich wieder zusammenfindet und neuen Mut fasst. Und die Kraft, Blingdenstein zurückzuerobern.

