Imion Quellenstein - Halbelf

Hintergrund

Geboren wurde Imion im Jahre 9 Hal in der Nähe von Donnerbach bei den Salamandersteinen. Seine auelfische Mutter starb bei seiner Geburt - was schon das erste seltsame Ereignis im Leben Imions darstellt. Denn heißt es nicht: Elfen sterben nur, wenn sie ihre Zeit für gekommen ansehen und ihre 'Aufgabe' erfüllt ist?

Mit gebrochenen Herzen machte sich sein Vater (auch ein Abenteurer), daraufhin auf, zurück in seine Heimat Gratenfels in den Nordmarken, um sich zur Ruhe zu setzen und seinen Pflichten als Vater nachzukommen. Als etwas erfahrener Kämpe bekam er schnell eine Anstellung bei der Stadtwache und im Laufe der Jahre stieg er sogar zum Hauptmann auf und erarbeitete sich einen ansehnlichen Ruf. Doch für Imion waren diese Jahre weniger schön. Denn als Halbelf, oder 'Halbmensch' wie ihn die Kinder der Straßen Gratenfels oft nannten, war er stets ein Außenseiter. Die Erwachsenen schauten arrogant auf ihn herab und die Kinder mieden ihn meist, oder trieben ihre Schelmereien mit ihm. Er galt als Blutsschande und man munkelte ohne seinen missratenen Sohn wäre sein Vater schon längst weiter befördert worden. Nur Aldare, die Tochter des hiesigen Müllers war ihm eine Freundin und behandelte ihn ehrlich. Als er dann älter wurde, wurde es sogar noch schlimmer. Die halbstarken Jugendlichen der Stadt machten sich einen Spaß daraus ihn durch die Stadt zu jagen und ihn zu verprügeln, wenn sie ihn erwischten. Der Anführer dieser Halbstarken, der 'starke Goswin', schien einen besonders tiefen Hass auf Imion zu hegen. Lediglich wenn Aldare dabei war und meinte, sie sollten 'den armen Imion' doch in Ruhe lassen, oder wenn die Stadtwache zufällig in der Nähe war, konnte er sich in Sicherheit fühlen. Doch auch die Stadtwache (die, die wenig mit seinem Vater zu tun hatten) hatte schon mal weggeschaut als Goswin und seine Freunde sich über ihn hermachten.

So kam es eines Tages, dass Goswin und seine Schergen wieder einmal Imion auflauerten und ihn verprügeln wollten. Doch diesmal war etwas anders: Es tat nicht weh! Als die fünf Jugendlichen auf ihn einschlugen spürte er nichts - im Gegensatz zu seinen Peinigern, die sich verwundert ihre Fäuste vor Schmerz hielten. Imion dachte schon er würde dieses mal ungescholten davonkommen, aber Goswin schien es nur noch wütender zu machen und er griff zu einen Holzscheit eines an der Mauer aufgerichteten Feuerholzhaufens, um Imion weiter zu traktieren. Seine Freunde taten es ihm gleich. Und es tat wieder weh. Doch wieder geschah etwas: Unter den Hieben von Goswin und seinen Freunden zusammenbrechend, spürte Imion zum ersten Mal eine Kraft in ihm aufsteigen, die er vorher noch nicht kannte und die sich im Zorn ganz gegen Goswin richtete. Goswin wurde zurueckgeschleudert und hielt sich zunächst schreiend den Kopf und blieb dann stumm liegen. Seine Freunde liefen feige davon. Und auch Imion wurde es schwarz vor Augen und er verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, lag er auf einer Strohmatte in einer Zelle des Stadtkerkers. Imion drehte sich um und konnte seines Vaters Stimme und ein gutes halbes Dutzend andere im Streit aufgeregt durcheinander reden hören. Er war noch zu erschöpft, um sich genau auf das Gespräch zu konzentrieren, aber er konnte Bruchstücke vernehmen, wie: „Dafür muss er bestraft werden.“, „Es ist nicht seine Schuld!“, „Sowas wird im praiotischen Nordmarken nicht gedulten werden!“, oder „Der arme Goswin ist immer noch nicht wieder zur Besinnung gekommen.“. Doch sein Vater setze sich stark für ihn ein und es war wohl einzig seiner Einflussnahme zu verdanken, dass das Urteil des Praiosgeweihten über Imion zwei Tage später geradezu mild ausfiel: Imion wurde 12 mal nicht-öffentlich ausgepeitscht, er hatte sich bis zum nächsten Praois, wenn seine Schuld gesühnt ist, täglich bei einen der Tempel der Stadt zu melden, um niedere Dienste auszuführen und sein Vater hatte, neben einer empfindlichen Geldstrafe, dafür zu sorgen, dass sich seine magischen Fähigkeiten (und da wurde Imion zum ersten Mal bewusst, was geschehen war) nicht weiter entwickelten. Die Narben der Peitschenhiebe auf seinen Rücken schmerzen noch Wochen später, aber die schlimmste Strafe für Imion war, dass 'der starke Goswin' nachdem er kurz vor Imions Verurteilung aufwachte, forthin als Held unter den Jugendlichen der Stadt galt, der der 'schwarzen Elfenmagie' wiederstanden und Imion seinem gerechten Urteil übergeben hatte - und, nachdem die Gerüchte über Imions Schandtaten die Runde gemacht hatten, nun auch Aldare Imion aus dem Weg ging.

Sein Vater informierte sich zudem, wie er dem Magietalent Imions Einhalt gebieten koenne und er fand heraus das Magier den Kontakt mit Metallen und metallernen Waffen vermieden, da diese ihren Fähigkeiten schaden könnten. Also entschied sich sein Vater, Imion am Schwert auszubilden. Und diese Maßnahme schien zu greifen, denn danach wurde kein Fall bekannt, in dem Imions Gabe wieder ausbrach (doch insgeheim lernte Imion seine Kräfte zu forcieren, die ihm gegen Goswin halfen, und sie nach außen hin zu verbergen). Sein Vater meinte, dass er in einigen Jahren, wenn er gut genug wäre und man seinen Ausbruch vergessen hätte, vielleicht auch einmal der Stadtwache beitreten könne. Imion zweifelte daran und er mochte die Stadtwache, die oft genug nur zugesehen hatte wenn er verprügelt wurde, auch nicht sonderlich. Aber Imion spürte auch, dass sein Vater die Hoffnung nicht aufgab ihn zu integrieren. Tatsächlich hatte sein Vater es früher in Imions Kinderjahren trotz seiner Andersartigkeit geschafft Imion einen Platz als Lehrling eines Schreiners der Stadt zu erbitten. Nur geschahen damals einige unschöne Unfaelle und Imions offensichtliche Unfähigkeit in Handwerksangelegenheiten führte dazu, dass Imion als Lehrling wieder entlassen wurde. Sein Vater schien noch immer enttäuscht zu sein. Beim ersten Schwerttraining mit seinen Vater sagte dieser: „Du bist nur zur Hälfte so wie die Anderen, also musst du doppelt so gut sein, um genauso behandelt zu werden. Deshalb: Streng dich an.“ Imion tat es. Und er wurde immer besser. Obwohl es eine harte Zeit mit den anfänglichen Tempeldiensten und Imions heimlichen Übungen seiner magischen Fähigkeiten war, gehörte das Schwerttraining mit seinen Vater zu den einzig schönen Zeiten seiner Kindheit, sowie die wenigen vergangenen Stunden mit Aldare. In diesen Zeiten erzählte sein Vater ihm auch etwas über seine verstorbene Mutter und fortan hörte Imion immer genauestens zu, wenn jemand etwas ueber Elfen sagte, auch wenn es negativ oder unglaubwürdig erschien. Schließlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem sein Vater ihm nichts mehr beibringen konnte. Imion war ein genauso guter Schwertkämpfer wie sein Vater geworden. Zum Abschlusstraining schenkte sein Vater Imion sein altes Schwert, dass er während seiner wenigen Abenteuerjahre stets geführt hatte, um 'Räuber zu verjagen' und 'Jungfrauen zu retten'. Imion liebte diese Geschichten und seit seiner jüngstens Kindheit machten sie ihn neugierig auf die Welt dort draußen und die anderen Elfen. Sein Vater ersuchte nun seine Vorgesetzten, um Imion die Aufnahme in der Stadtwache zu gewähren, aber wie Imion vorhergesehen hatte, wurde ihm trotz der Einflussnahme seines Vaters der Eintritt verwehrt. Sein Vater war zunächst frustiert, meinte dann allerdings Imion müsse nur noch etwas besser werden um aufgenommen zu werden. „Was muss er da draußen alles erlebt haben, dass er selbst jetzt immer noch nicht aufgibt?“, dachte sich Imion.

Doch Imion folgte den Rat seines Vaters nicht. Er gab zwar an mit dem Schwert zu üben, und das tat er auch gelegentlich, aber hauptsächlich streifte er durch die Stadt und deren Umgebung, um etwas über die Welt jenseits Gratenfels' oder andere Elflinge aufzuschnappen und um kleinere Aufgaben als Tagelöhner anzunehmen. Damit unterstützte er seinen Vater finanziell etwas. Seit dem Imion vor Goswin und seinen Freunden das erste mal seinen magischen Gaben erlag, hatten sie nicht mehr versucht ihn zu verprügeln. Einmal kam er ihnen zufällig nahe, und die alte Angst stieg wieder in ihm hoch, doch Goswin und seine Freunde verzogen sich schnell und in ihren Augen (außer in denen Goswins) vermochte er gar selbst Angst zu erkennen! Obwohl ihm dies zu Gute kam, fühlte sich Imion nicht wohl dabei. Er war noch 'anderer' geworden. Jetzt versuchte er auch nicht mehr Kontakt mit Aldare aufzunehmen, die ihm aus den Weg ging. Die kommende Zeit war sehr einsam für Imion: Neben dröger Arbeit ab und an und kargen Informationen über die Welt jensets Gratenfels' vermieden ihn alle noch mehr als vorher, Aldare wollte nichts mehr von ihm wissen und sein Vater trainierte ihn nicht mehr. Das ganze nächste Jahre lebte Imion so vor sich hin.

Dann, im Travia 27 Hal, fand das Kupperusfest (zu Ehren eines Lokalheiligen im Kosch) statt und die Stadt war voll von angereisten Gästen, Gauklern und anderen Leuten. Imion hatte noch nie an einen öffentlichen Fest teilgenommen, da er stets Angst vor den Schickaneien Goswins gehabt hatte, oder weil ihn sein Vater stattdessen lieber im Schwertkampf unterwies. Diesmal aber wollte er es riskieren. Er war ein junger Mann geworden, die meisten hatten jetzt Angst vor ihm, er war durch sein Training kräftiger gebaut als die meisten und er hatte gelernt sich auf sich selbst zu verlassen. Er brauchte niemanden. Und zur Not hatte er noch Reserven, über die die allermeisten Anderen auch nicht verfügten, und die sein Vater längst für ausgetrieben hielt. Imion dachte, vielleicht würden ja auch andere Elfen in der Stadt sein. Er traf keinen. Aber er unterhielt sich mit mehr Menschen als in Monaten zuvor, auch mit einigen Abenteurern, die etwas von der Welt zu berichten hatten. Doch so ungewohnt schön der Tag auch begonnen hatte, so schrecklich endete er. Während der Feierlichkeiten gelang es einigen Kreaturen, die in einem Bestiarium öffentlich ausgestellten waren, zu fliehen. (siehe das AB: „Über den Greifenpass“) Dabei brach eine Panik aus und einige Teile der Stadt wurden verwüstet. Die Stadtwache hatte die entflohenen Kreaturen, darunter auch ein mächtiger Tatzelwurm, zur Strecke zu bringen, bevor sie noch mehr Unheil anrichteten. Als Imion in der allgemeinen Panik die Straße herrunter lief, sah er einen Haufen Stadtwachen, die gerade im Kampf mit dem Tatzelwurm verwickelt waren. Viele der Stadtbüttel wurden verletzt. Einige starben. Auch Imions Vater war am Kampf beteiligt. Imion stockte der Atem. Gerade als das Monster wieder ausholte, um eine weitere Wache auszuschalten, schnellte sein Vater hervor und stieß sie aus dem Radius der Bestie. Doch dabei verlor er etwas die Balance, was der Bestie genügend Zeit für einen mächtigen Hieb gegen seinen Vater verschaffte. Sein Vater wurde davongeschleudert und blieb mit einer großen Wunde am Brustkorb liegen. Imion war geschockt. Die Bestie fiel unter den Hieben der verbliebenen Büttel. Imion eilte auf seinen Vater zu. Er lag ächzend am Boden, er atmete noch. Nicht annähernd so schnell wie Imion, aber er atmete noch. Sein Vater schloss die Augen. „Nein…“, dachte Imion. Imion versuchte sich zu konzentrieren, er versuchte die in ihm wohnende Kraft zu forcieren, sie zu bündeln, er musste es schaffen. Er spürte es, er musste jetzt ruhig bleiben. Würde es klappen? Ja, jetzt! Als Imion den Brustkorb seines Vaters berührte, begann sich dieser wieder zu schließen, das Herz begann kurz wieder zu schlagen, hörte wieder auf, die Knochen verschoben sich wieder an ihren alten Platz. Der Anblick war grotesk. Die Wunde schloss sich immer mehr. Weiter, weiter! Schweiß stand auf Imions Stirn; die Anstrengung war immens. Weiter! Doch nichts geschah. Die Wunde schloss sich nicht weiter. Das Herz schlug nicht. Imion versuchte sich zu fangen. Beruhigen! Nochmal! Nochmal! Es half nichts… An diesem Tag starb Imions Vater.

Einige Tage später, Imions Vater war bereits auf dem Boronsanger beerdigt wurden, starrte Imion auf das alte Schwert seines Vaters, dass er ihm zu seinem abschließenden Schwerttraining geschenkt hatte. Sein Entschluss stand fest. Er würde Gratenfels verlassen, er würde endlich die Welt dort draußen kennenlernen, er würde andere Elfen kennen lernen, und er würde Abenteurer werden, wie sein Vater einst. Hier hielt ihn nichts mehr. Nichts würde ihn aufhalten. Er würde lieber tapfer wie sein Vater im Kampf sterben, als hier zu bleiben. Er umfasste den Griff seines Schwertes nun etwas fester, blickte auf den vom Praoisuntergang erleuchteten Weg vor ihm, und ging…

Aber bevor er die Stadt endgültig verlassen konnte, musste er noch zwei Sachen erledigen. Die Güter, die sein Vater ihm hinterließ, hatte er schon längst zu Gold gemacht. Sie bedeuteten ihm nichts. Für einen Teil des Goldes hatte er sich einen Rucksack und einige Utensilien besorgt, die er sicher brauchen würde. Nur sein Schwert behielt er. Doch jetzt galt es Sachen zu erledigen, die nicht mehr aufgeschoben werden konnten. Es dämmerte schon als Imion am Haus von Aldare ankam. Er hatte sie nie direkt besucht, aber auch das spielte jetzt keine Rolle. Es dauerte etwas bis ihm nach heftigen Klopfen geöffnet wurde. Vor ihm stand Aldare. Auch sie war älter geworden. Sie schaute ihn verwundert und etwas erschrocken an. Knapp sagte er: „Ich werde gehen. Ich breche auf, um mein Glück im Abenteuer zu suchen. Ich bin gekommen, um mich zu verabschieden.“ Der Moment schien ihr unangenehm zu sein. Es dauerte eine Weile, dann sagte sie: „In Ordnung.“, und in ihren Augen konnte Imion erkennen, dass sie ihn nicht hasste, dass nichts zwischen ihnen stand. Doch Imion musste jetzt gehen. Er lächelte ihr kurz zu, verabschiedete sich, drehte sich um, und ging schließlich. Nachdenklich wanderte Imion durch die Straßen Gratenfels. Es war schon fast dunkel. Nur noch eine Sache war zu erledigen, dann könnte er endlich aufbrechen. Hier musste es irgendwo sein - ja… hier wohnte Goswin! Noch bevor Imion zum anklopfen ausholen konnte, hörte er laute Stimmen und Gelächter die Straße herunterkommen. Da kam Goswin mit einigen seiner Freunde und einigen anderen Gestalten, die Imion nicht kannte. Sie waren merklich angetrunken. Noch an der Straßenecke verabschiedeten sie sich. Goswin, offensichtlich nicht betrunken, trappte die Straße herunter, blieb dann aber stehen, als er Imion vernahm. Nun standen sie sich beide gegenüber auf dem Weg, in vielleicht zehn Schritt Entfernung. Madaschein erleuchtete die Szenerie. Noch vor ein paar Jahren hätte Imion nichts mehr gefürchtet als diesen Moment. Aber jetzt war nicht der Zeitpunkt für Angst, jetzt war der Zeitpunkt sich ihm zu stellen! Wenn er ein erfolgreicher Abenteurer werden wollte, musste er sich auf sich selbst verlassen können. Außerdem war er stärker geworden, er hatte viel gelernt und er hatte das Schwert seines Vaters dabei - sein Schwert. Goswin trat einen Schritt näher, jetzt konnte Imion im Madaschein erkennen, dass auch Goswin eine Waffe an der Hüfte trug. „Wo er das Schwert wohl her hat?“, dachte Imion. Doch es gab kein Zurück mehr. Was auch geschehen würde, er würde es zu Ende bringen. Dann ging auch Imion etwas vorwärts. Goswin musste nun auch Imions Schwert sehen können. Er hatte es noch nicht gezogen. Beide gingen langsam aufeinander zu. Keine zwei Schritt entfernt blieben sie stehen. Sie blickten einander an. Stille. Goswin schaute kurz auf Imions Schwert, blickte seinen Gegenüber dann wieder in die Augen. Er stand aufrecht da, blickte entschlossen und wirkte in der Dunkelheit, jetzt noch bedrohlicher und unüberwindlicher als damals. Auch für Goswin hatte die Zeit gearbeitet. Imion war hoch konzentriert und angespannt. Er war zu jeden Augenblick bereit sein Schwert zu ziehen. Es vergingen einige Augenblicke, in denen sie sich einfach nur entschlossen gegenüberstanden. Nichts geschah… zunächst. Dann fragte Goswin skeptisch: „Was willst du?“ Sein Gesicht wurde jetzt zum größten Teil von Schatten verdeckt. „Ich werde weggehen, um ein Abenteurer zu werden, wie einst mein Vater. Doch bevor ich gehe, habe ich noch etwas zu erledigen.“, sagte Imion. Goswin zuckte kurz zusammen, fasste sich aber wieder. Imion hätte fast sein Schwert gezogen, doch auch er konnte sich kontrollieren. „Das hatte Wirkung!“, dachte Imion. Schweigen. Wieder standen sich beide nur gegenüber. Anspannung lag in der Luft. Dann sagte Goswin: „Auch ich werde Gratenfels verlassen. Auf dem Kupperusfest habe ich einige Söldner kennengelernt. Wenn sie ihren letzten Sold versoffen haben, werde ich mit ihnen gehen. Vielleicht sehen wir uns wieder. Dann: Machs gut!“. „Das klang fast freundlich… oder war es eine Drohung!?“, dachte Imion. Er konnte Goswins Gesicht nicht richtig erkennen. Goswin sah den Disput offensichtlich für beendet an und machte Anstalten sich zu seiner Haustüre zu begeben, die sich immer noch hinter Imion befand. Er ging direkt auf Imion zu. Imion war zum Äußersten angespannt, jeder Zeit bereit zum Kampfe überzugehen. Langsam streifte Goswin an Imion vorbei, in nur wenigen Fingern Entfernung erst, dann etwas seitlich mit der Schulter leicht Imions Schulter berührend. Im Madaschein konnte Imion noch ein verwegenes Laecheln Goswins erkennen, als er sein Gesicht nur Finger entfernt an Imions vorbeifuhr. „Mann, der hat echt Nerven!“, dachte Imion. Goswin verschwand in seinen Haus und schloss die Tür. „Auf Wiedersehen!“, dachte Imion.

Als Imion schließlich am Koschener Tor ankam, war es schon fast komplett dunkel, aber Imion wollte jetzt unbedingt aufbrechen. Die Wachen wollten ihn zuerst aufhalten, aber als sie sahen, dass es der Sohn eines ihrer erst kürzlich verstorbenen Kollegen war, machten sie eine Ausnahme und öffneten noch einmal die Tore. Imion stand nun allein auf der Straße Richtung Osten. „Was es dort wohl alles zu sehen gibt? Irgendwo dort soll es auch andere Elfen geben.“, dachte Imion. Doch zunächst sah er so gut wie gar nichts. Es war stockenduster. Imion schnallte seinen Rucksack ab und holte eine seiner Fackeln heraus, die er erst kürzlich erworben hatte. Er entzündete sie mit seinem bis dato noch unbenutzten Zundkästchen und verstaute es dann wieder. Auch der Rucksack wurde wieder zugeschnallt und Imion erleuchtete mit der Fackel den Weg der vor ihm lag. Er fühlte sich als hätte er schon jetzt sein erstes Abenteuer erlebt. Nach einigen Schritten musste er schmunzeln: „Wer hätte gedacht, dass ich an meinem ersten Abenteurertag gleich meine erste Fackel verbrauchen werde? Naja: Erstens kommt es anders …und zweitens mit spitzen Ohren!“

Entwicklung

Zu Beginn seiner Abenteuerlaufbahn war Imion ein misstrauischer Geselle, der sich nur auf sich selbst verlassen konnte. Das führte auch zu seiner teilweise recht harten Einstellung zum Leben und zum Kampf. Er ging von Zuhause fort, weil ihm nichts mehr dort hielt und er endlich die Welt dort draußen kennenlernen wollte. Außerdem wollte er seine Neugier stillen und andere Elfen kennen lernen, um etwas über sein Blut zu erfahren. Im Laufe seiner Abenteurerjahre kämpfte er gegen Räuber, Orks, Anhänger des Namenlosen und Borbaradianer und er lernte viele andere Abenteurer kennen. Einige von ihnen wurden echte Freunde und mit den Besten von ihnen war er Jahre unterwegs. Zum ersten Mal seit Aldare und seinen Vater hatte Imion Personen gefunden, die ihm etwas bedeuteten und nach und nach legte er sein Misstrauen und seine Härte ab. Seine Lebensauffassung änderte sich grundlegend und er fing an das Leben zu genießen und es lockerer zu sehen. Doch der Drang den Ursprung seiner Wurzeln, sein elfisches Erbe, zu ergründen blieb und er fühlte sich immer noch nicht richtig dazugehörig. Seine ersten Begegnungen mit anderen Elfen waren sehr interessant, aber auch seltsam für Imion. Ihre Gottheiten kamen ihm, im Zwölfgötterglauben aufgewachsen, sehr merkwürdig vor und ihre Lebensauffassung konnte er nicht so recht teilen. Später reiste Imion mit seinen Gefährten auf den Spuren Simyalas bis in die Salamandersteine, wo er einen Waldelfenstamm kennen lernte, auf einen Hippogryphen ritt und an einem dunklen Brunnen die Erscheinung Madayas, einer elfischen Gottheit, erlebte. Dann fand er sogar die uralte Elfenstadt selbst. Das alles brachte ihm sein elfisches Erbe sehr viel näher und Imion begann Teile der elfischen Lebensauffassung und des Glaubens zu übernehmen. Völlig mit ihm identifizieren konnte er sich allerdings immer noch nicht. Doch er erkannte, dass er garnicht umbedingt zu einer Familie, einem Stamm oder einer Rasse gehören musste, um seinen Platz in dieser Welt zu finden, sondern dass er so etwas ähnliches bereits in seinen jahrelangen Gefährten gefunden hatte, zu denen er, umabhängig davon, gehörte. Diese Erkenntnis machte Imion zu einer ausgewogenen und selbstsicheren Person, die verstand, dass er auf der Suche nach seinen Platz in der Welt jahrelang anderen Personen half ihren zu bewahren und das diese Welt Helden brauchte, die dies auch weiterhin taten. Und nachdem er sich zum allerersten mal wirklich dazugehörig fühlte, als Teil des Ganzen, konnte Imion auch zum allerersten Mal wirklich allein sein: Er zog sich in die Salamandersteine zurück, in die Nähe des Waldelfenstammes, den er bereits kannte und begann über sein Sein zu meditieren, wissend, dass er irgendwann gerufen werden würde, wenn die Umstände wieder eines großen Helden bedürfen, um den Platz in der Welt anderer zu wahren…

Aussehen

Imion trägt eine dunkelbraune Lederhose zu hohen Lederstiefeln und ein einfaches weißes Leinenhemd. Als Rüstung konnte er sich bei einem Waldelfenstamm in der Nähe der Salamandersteine eine ebenfalls dunkelbraune elfische Rindenrüstung ergattern, die er hegt und pflegt. Außerdem trägt er einen Lederumhang und manchmal noch zusätzliches Lederzeugs an den Armen. An der Seite hängt ein reich verziertes magisches Elfenschwert und auf dem Rücken, neben einem Köcher, ein Elfenbogen. Sein hellbraunes glattes Haar trägt er offen und es reicht ihm weit über die Schultern hinaus und einzelne Strähnen hängen ihm oft in die Stirn. Seine klaren braunen Augen strahlen geradezu Gelassenheit aus und blickt man ihm ins Gesicht, erkennt man meist ein freundliches und weltoffenes Lächeln, das jedoch bei genaueren Hinsehen durchaus entschlossen wirkt. Imion ist zwar auch kräftig und ausdauernd, aber das Hauptmerkmal seiner körperlichen Erscheinung ist seine Agilität, mit der er sich in eng anliegender Rindenrüstung und Lederhose geschickt zu bewegen versteht.

Stefan Lösche copyright 2004

groups/dsa_e/imion.txt · Zuletzt geändert: 2006/10/03 20:47 (Externe Bearbeitung)