Pädagogisches Rollenspiel
Vor-Vorgeschichte
Unsere Pen&Paper-AG besteht nun schon seit eineinhalb Jahren (im Sommer 2004 gegründet). Damals war es eher eine fixe Idee von mir und meinem guten Freund, Don. Wir glaubten nicht mit dieser Idee auf offene Ohren stoßen zu können, aber zu verlieren hatten wir auch nichts. Also machten wir mit dem Schulleiter zum Ende unseres 10. Schuljahres einen Termin aus, an dem wir ihm die Idee unserer Pen&Paper AG unterbreiteten und Aventurien vorstellten. Entgegen all unserer Erwartungen war er von der Idee sehr begeistert und wies uns den Weg zur Schulverwaltung, wo wir unsere AG anmelden sollten. Die schwierigste Hürde war genommen. Nun sollte nur noch der vermeintlich einfache Gang ins Ziel folgen. In der Verwaltung war eine nette Lehrerin für die AGs verantwortlich, die aber leider den Nachteil Weltfremd(Schule, Schüler) gewählt hat. Als wir ihr erklären wollten, was es mit der Pen&Paper-AG auf sich hat, winkte sie ab und versicherte, sie wisse um was es geht, immerhin sei sie Englischlehrerin. Ich dachte mir nur, dass sie einen großen Wortschatz besitzen müsse, um den tieferen Sinn von Pen&Paper richtig zu deuten. Nun, somit war unsere AG angenommen und wir durften gleich im nächsten Schuljahr anfangen.
(Leider entschied sich Don auf die Fachhochschule zu wechseln und mich somit sammt AG im Stich zu lassen.)
Vorgeschichte
Vor fastem einem halben Jahr (Herbst 2005) kam es dann, wie es kommen musste. Die nette Dame aus der Verwaltung kam aufgebracht auf mich zu. Sie habe von einem besorgten Erziehungsberechtigten gehört, in unserer AG ginge es weniger um „Stift und Papier“ sondern vielmehr um „Mord und Totschlag“. Ich versuchte ihr beizubringen, was es mit der AG auf sich hatte, und wir einigten uns letztendlich, dass ich bei ihr eine Broschüre über DSA einreichen sollte. Ich erinnerte mich an ein solches Dokument aus der DSA4-Starter-Box, indem das Spiel sehr harmlos dargestellt wurde. Leider fand ich diese Broschüre nie mehr.
Die Drohung
Vor einigen Wochen (Januar 2006) dann versuchten ein paar sehr junge Mitglieder der Pen&Paper-AG eine Munchkin-AG für unsere Schule durchzusetzen. Dabei muss sich die Dame aus der Verwaltung an meine immernoch ausstehende Broschüre erinnert haben. Sie ließ mir durch meine AG-Mitglieder ausrichten, dass sie die Pen&Paper-AG stilllegen würde, wenn sie nicht bald die Broschüre bekäme. Was sollte ich tun? Ich hatte keine Broschüre und der Versuch meiner Spieler, die Munchkin-AG durchzusetzen, trug auch nicht gerade zur Verbesserung des Ansehens der Pen&Paper-AG bei.
Die Rechtfertigung
Ich stellte mich also innerlich auf den Verlust der AG ein und machte mich daran einen Brief für die Dame aus der Verwaltung zu schreiben. Anbei legte ich eine Beschreibung des Spiels(der Text der auf dem Rücken der DSA4-Boxen steht), einige Gründe, warum DSA pädagogisch wertvoll sei, und das DSA3-Buch über Elfen, stellvertretend für das Material, mit dem wir in der AG arbeiten.
Brief
Einbeck, 02.02.2006
Pen&Paper AG
Sehr geehrter Frau Xxxx,
leider konnte ich Ihnen noch nicht die versprochene Broschüre über das Pen&Paper-Spiel DSA überreichen, da ich sie in meinen Unterlagen bisher noch nicht gefunden habe. Anstelle dessen möchte ich Ihnen hiermit einige Informationen zu DSA zukommen lassen. Anbei befindet sich ein „Text über DSA“, der als Erklärungstext auf vielen DSA-Spielen zu finden ist, desweiteren eine Liste von Gründen, die den praktischen Sinn von Pen&Paper-Spielen vermitteln sollen. Außerdem ein DSA-Buch „Geheimnisse der Elfen“, welches ich jedoch als bald möglich zurückbekommen möchte, da es zum wichtigen Bestand meiner Regel- und Informationsbücher gehört. Mit freundlichen Grüßen
Andreas Sch.
Anhang01
Text über DSA
Aufregende Abenteuer erleben – gemeinsam mit Freunden eine exotische Welt erforschen! Kommen Sie mit auf die Reise nach Aventurien, in das phantastische Land der Fantasy-Rollenspiele! Begegnen Sie einem uralten Drachen, verhandeln Sie mit den geheimnisvollen Elfen, suchen Sie nach der Spur längst untergegangener Zivilisationen, lösen Sie einen verzwickten Kriminalfall oder erfüllen Sie Spionage-Aufträge im Land der bösen Zauberer. Schlüpfen Sie in eine Rolle, die Sie selbst bestimmen: mächtiger Magier, edle Kämpferin für das Gute, gerissene Einbrecherin oder sturköpfiger Zwerg(hier steht im Original: axtschwingender Zwerg). Jeder Held hat seine Stärken und Schwächen, und nur in der Zusammenarbeit mit seinen Gefährten wird er ans Ziel kommen. Denn Sie erleben die spannenden Abenteuer nicht alleine, sondern Seite an Seite mit Ihren Freunden oder Freundinnen. Es gibt keinen Verlierer in diesem Spiel: Zusammenarbeit ist gefragt, Zusammenhalt und vereinte Anstrengungen, um gemeinsam zu gewinnen. Alles ist möglich in der Welt des Schwarzen Auges.
Anhang02
Warum Pen&Paper-Spiele?
Pen&Paper-Spiele sind am ehesten mit dem Theater-Spielen verwandt und teilen sich deshalb mit diesem viele Vorteile:
- Die Spieler lernen, eine Rolle distanziert zu betrachten.
- Sie können sich eher in Situationen hineinversetzen.
- …
Da Pen&Paper-Spiele jedoch der freien Phantasie entspringen ergeben sich noch einige wichtige Punkte:
- Die Spieler verbessern ihre Möglichkeiten, Probleme in Gruppen gemeinsam zu lösen.
- Allgemein fördern Pen&Paper-Spiele die Phantasie der Spieler, da sie sich alles vorstellen müssen und auch die Handlungen ihrer Charaktere nirgendwo vorgegeben ist.
Generell ist noch zu erwähnenen:
- In einem Zeitalter, in dem Jugendliche einen Großteil ihrer Freizeit mit Computerspielen verbringen, sind Pen&Paper-Spiele eine Möglichkeit, die Jugendlichen wieder zum gemeinsamen spielen zu animieren.
- Zudem macht es den Spielern großen Spaß Pen&Paper zu spielen.
(Meine besten Argumente hatte ich mir für den letzten Überlebenskampf aufgespart: 1. Wenn die Schüler nicht DSA spielen würden, würden sie sich zuhause vor den Computer setzen und sich gegenseitig virtuell totschießen. 2. Schüler treffen sich in ihrer Freizeit kaum noch. Dies führt zu einer extremen Verschlechterung ihres Sozialverhaltens. DSA kann dieses durch die regelmäßigen Treffen verhindern)
Die Entscheidung
Keine Woche später bekam ich das Buch über die Elfen mit folgendem Brief zurück:
Einbeck, den 08.02.2006
Lieber Andreas,
für das umfangreiche Infomaterial zur AG Pen & Paper, das, wenn auch mit einigem Verzug, vor kurzem bei mir einging, möchte ich mich im Namen der Schulleitung sehr herzlich bedanken. Auch wenn ich glaube, dass die Monographie über die Geheimnisse der Elfen ein gewisser Sonderfall darstellt(wenn die wüsste …), konnte ich mich, v.a. aufgrund deiner eigenen kleinen Stichwortsammlung davon überzeugen, dass die Ziele der AG denen der Schule nicht entgegenstehen, sondern sie sogar in vieler Hinsicht in vorbildlicher Weise unterstützen. Damit sind m.E. alle möglichen Bedenken ausgeräumt und ich habe im Falle von Nachfragen seitens der Elternschaft oder der Öffentlichkeit brauchbares Material an der Hand, um diese entsprechend zu beantworten. Ich freue mich über dein Engagement für die Schule und danke im Namen der Schüler- und Lehrerschaft einschließlich der Schulleitung für diesen Einsatz.
Auf weitere gute Zusammenarbeit!
mit freundlichen Grüßen
Xxxxxxxx Xxxxx
P.S. Ich bitte die Schreibweise meines Namens zu beachten. (ich hatte in ihrem Namen einen Buchstaben vergessen)
Ende gut, alles gut
So endet also unsere keine Geschichte über pädagogosches Rollenspiel. Ich gebe zu bedenken, dass alle Details dieser Ausführung der Wahrheit entsprechen(ausnahmsweise). Wenn ihr also Probleme mit Vorurteilen Unerfahrener hinsichtlich Rollenspiel habt, führt die oben genannten Argumente auf und ihr habt den Kritiker voll überzeugt(schön wärs, wenns bei allen so einfach ginge).
Viel Spaß beim Spielen,
Andreas Sch.


