„It's a good day to die!“
24:00:00 … 23:59:59 … 23:59:58 - die Uhr im Headdisplay lief gnadenlos den Countdown runter. Durch die innere Uhr geweckt, rieb sich Barrakuda nur kurz die Augen, und sprang dann mit einem Satz aus seiner Schlafröhre. Ein knappes morgendliches Fitnessprogramm, eine viel zu kurze Schalldusche und ein spärliches Frühstück in Form eines Powerriegels, aus Dominos Vorrat, bildeten den Start für ein bekanntes Ritual.
Schon mehrmals war Barrakuda in der Situation sich auf einen Run vorzubereiten, ohne sicher sein zu können wieder zu kehren, wenn es auch noch nie so aussichtslos schien. Der militärische Drill hatte ihn darauf gut vorbereitet. Hochkonzentriert und präzise wie eine Maschine ging er seine to-do-list durch.
Sämtliche Ausrüstung zusammen gesucht und kontrolliert, einmal, zweimal, dreimal. Dann war das Arsenal dran: die Wahl viel vor allem auf die handlichen Pistolen und Taser. Alle Waffen wurden gründlich gereinigt, nachgeladen und geprüft – die Finger arbeiteten dabei schnell und sicher, mit geschlossenen Augen und im Schlaf könnte Barrakuda die komplexen Griffe durchführen. Und schließlich die neue Rüstung, einmal alles angezogen, die Waffen, Granaten und anderen Spielereien in den Taschen verstaut, alle Gurte festgezogen, und schließlich wurde die Bewegungsfreiheit ausgiebig mit einem Sprint durch das Schiffsinnere, die verwinkelten Gänge und engen Treppen, getestet. So schlug Barrakuda die Zeit bis zum Mittag Tod, ohne viel nachzudenken, und war dann endlich zufrieden mit der Vorbereitung.
Nachdem alles bereitgelegt war, sauber und ordentlich griffbereit drapiert, zog er sich noch einmal um. Die weite schlaksige Camouflagehose, ein lockeres Oberhemd und ein Strohhut, den er in einem Touristenladen am Hafen erstanden hatte, angelegt und mit einer Flasche Wasser verließ er die Charon II.
In der Stadt lenkte Barrakuda seine Schritte in eine der von viele Touristen überlaufenen Restuarants, und bestellte sich noch einmal eine Jambalaya, das zwar nicht an das in Mama Mojos Tal heranreichte, aber trotzdem besser war als der Instantfraß in der Schiffskombüse. Und zum Schluss ließ er noch eine ordentliche Summe für einige frische, süße Früchte aus der Region springen, ein herrlicher Salat aus Mangos, Passionsfrüchten, Litschis und anderen Früchten die er nicht kannte, aber die sehr gut mundeten. Nicht billig, aber man lebt ja nur einmal.
Danach ließ er sich von der Musik und den Klängen in den Straßen und Gassen leiten, lenkte seine Schritte aber recht schnell raus aus der Stadt runter zum Strand. Im Schatten einer Palme, am weißen Sandstrand, fand er ein kleines Refugium.Lange blickte Barrakuda auf das weite Meer, das in ein magisches Licht getaucht schien, und gekrönt wurde von der sich kräuselnden, weißen Brandung.
Lange saß Barrakuda so still da, bewunderte das Spiel der Wellen, bis er schließlich seine PAN aktivierte, und ein kleines Video aufnahm. Viele Freunde außerhalb Pik Ass hatte er ja nicht, aber zumindest von Nora, seiner Diva, wollte er sich verabschieden. „Schau an in welches Paradies es mich verschlagen hat…“ ein Schenk der Kamera über die malerische Küste und zurück zu seinem Gesicht. „…eigentlich ist es mein schönster Run, also wenn es passiert, wäre es wohl ein glorreiches und schönes Ende. Ich bin nicht der Kerl der irgendwas hinterher trauert, oder lange Reden schwingt, aber ich wollte mich zumindest verabschieden. Genieß das Leben und lass dich nie unterkriegen. Leb wohl.“ Mit einem Timer versehen speicherte Barrakuda die Nachricht in der Mailbox und daran gekoppelt eine Überweisung seines restlichen Vermögens.
Zum Sonnenuntergang raffte er sich langsam auf und machte sich wieder auf den Weg zur Charon. In seiner Röhre studierte er noch einmal die Pläne der Anlage und die Abstimmung der Teams, und legte sich dann früh, mithilfe eines Schlaf- und Beruhigungsmedikaments, schlafen, um auf jeden Fall fit für alle Fälle gewappnet zu sein.

