Die letzten 24 Stunden
Mond beginnt den Tag schweren Herzens aber auch zuversichtlich. Wie üblich macht er Sport und versucht sich auf sein Ziel zu fokussieren. Er lässt sich von Stinger nach Cayenne fahren, wo er Mamma Mojo aufsucht um nach einen geschützten ruhigen Raum zu bitten. Nach einem Frühstück bestehend aus Jambalia und Wasser zieht er sich zurück und bereitet sich auf seine Reise vor. Er hat nicht vor unauffällig zu sein, dass hat er nicht mehr nötig. Mit aktivierten Foki und gesprochenen Zaubern, legt er sich gemütlich auf die Matratze und schlägt die Augen zu. Soll es doch jemand versuchen, er ist mehr als Bereit und es würde nur ein Training für ihn sein. Es fällt ihm leicht seinen Geist von seinem Körper zu trennen und er muss kurz innerlich grinsen über die Erinnerungen, als Löwe ihn erwählte und er dieses das erste mal versuchte. Das Leben war schon immer ein Kampf gewesen und auch dieses mal wird es nicht anders sein. Vielleicht werde ich auf meine Alten tage ruhiger und Weiser, vielleicht habe ich damit auch schon angefangen. Aber nicht lange macht er sich Gedanken über solche Themen. Er weiß jetzt wer seine Freunde sind, nein… nicht Freunde… sein Rudel. Und er wird sie nicht im Dreck hängen lassen, wenn es hässlich wird. Und ja, es wird hässlich werden das weiß er. Es fragt sich nur für wen, und er muss lachen… oder war es doch das Gebrüll eines Löwen?
Sein Körper trennt sich von seinem Geist, er fühlt Stärke und sieht die Häuser von Cayenne immer kleiner werden, alleine durch die Kraft seiner Gedanken. Er schwebt hoch, sehr hoch. Jetzt kann er sogar dieses hässliche etwas sehen, aus Glas und Beton, gefüllt mit willenlosen Sklaven. Obwohl es eigentlich viel zu weit weg sein müsste um es zu sehen. Verächtlich und mit einem Blick der Abschäu fixiert es die Arkologie. Mit etwas Glück, wird er da drinnen jemanden Finden der ihm gewachsen ist.
Nun hat er keine Zeit mehr zu verschwenden, denn er freut sich auf seine Aufgabe. Das Wasser, Inseln, Bote, all dass zieht unter ihm Hinweg. Er weiß nicht ob er irgendwann mal so schnell war. Aber sein Kraftfokus und die Zuversicht scheinen ihn zu beflügeln. Es dauert nicht lange und er sieht wieder Festland unter sich, eine karge Wüste mit gigantischen Dünen die sich wie Schlangen über den Kontinent ausbreiten. Er kann die Heimat schon riechen. Und tatsächlich, der Boden wird fester und man kann sogar wieder Vegetation erkennen. Die Tiere, der Geruch und sogar die Geräusche der Heimat klingen für ihn Hörbar in den Astralraum. Bald darauf hat er sein Ziel gefunden… Heimat… selten hatte er so ein Gefühl. Er muss lachen… Domino würde es hier wahrscheinlich noch schlimmer finden als in den Marschen. Keine Matrix, kein fließend Wasser und vor allem niemanden der sich für diesen Landstrich interessiert. Es ist wirklich ein Paradies in der 6ten Welt. Nach kurzer Suche findet er dann seine Familie. Es scheint ihn gut zu gehen, wie er nach einen kurzen Blick auf ihre Auren befriedigt feststellt. Gut sichtbar manifestiert er sich wieder in der realen Welt. Es dauert ein bisschen bis zuerst seine Mutter ihn erkennt. Wie gerne würde er sie jetzt in den Arm nehmen. Doch das geht leider nicht… Es ist eine sehr traurige Szene in der Mond seiner Familie erzählt das es vielleicht ein Abschied für immer ist, doch das der Preis dafür nicht zu hoch wäre. Er bleibt noch einige Stunden und das ganze Dorf versammelt sich, denn Mond hat viele Geschichten zu erzählen und auch selber hört er gerne die Geschichten seiner Familie und die des Dorfes. Wahrscheinlich wird ihn der Dorfälteste nach seiner Abreise verfluchen, da vor allem die jungen Krieger aufmerksam den Geschichten gelauscht haben. Die Verabschiedung verläuft kurz und schmerzlos, Tränen haben hier keinen Platz und er hat noch eine wichtige und lange Reise vor sich.
Seine nächste Station ist die Herrin des Sees. Er überfliegt die Pyramiden, das Mittelmeer, die Alpen und macht einen Abstecher über die SOX. Einen kleinen Kampf gegen einen toxischen Geist wäre jetzt genau das richtige… doch keiner erscheint… typisch die verstecken sich doch vor lauter Angst vor mir. Bald schon ist er in Hamburg, kein Gefühl der Heimat, aber Erinnerungen an tolle Abenteuer. Endlich sieht er die Schutzkuppel der Herrin, pulsierend ist sie deutlich im Astralraum zu sehen und scheint ihn regelrecht einzuladen. Nicht das er vorhätte hier lange zu bleiben. Die Herrin und 3 andere Mitglieder des Zirkels begrüßen ihn bei seiner Ankunft. Mond schildert schnell was auf dem Spiel steht und bedankt sich für die viele Erfahrung die er hier sammeln konnte. Sie scheint sogar sowas wie Stolz auszustrahlen und meint mit einem Augenzwinkern das jetzt noch jemand auf mich warten würde. Ich weiß schon wen sie meint und mache mich hurtig auf den Weg.
Ich setze meine ganze Erfahrung und Kraft ein und begebe mich auf meine Astralreise. Erstes Ziel der Torwächter. Dieses mal sieht er anders aus, er trägt traditionelle Stammeskleidung aus meinem Dorf und ist mit einem langen Speer bewaffnet. Herausfordernd steht er vor einer Lehmhütte. Langsam nähre ich mich ihm. Er fängt an zu lachen… „Heute auf so leisen Pfoten unterwegs? Letztes mal konntest du es nicht erwarten an mir vorbeizukommen. Aber ich werde dich nicht aufhalten, heute nicht. Aber denke dran, wie es auch ausgeht, wir werden uns wiedersehen!“ . Nachdenkend über diese Worte trete ich in die Hütte. Die Welt verschwimmt vor meinen Augen. Ich merke wie es warm wird. Die Sonne scheint auf meine Haut. Es riecht nach Heimat. Unter mir breitet sich eine scheinbar endlose Ebene aus. Hier und da ein paar Bäume die nur wenig Schatten spenden. Außer einer, er ist riesig, ich schätze ihn auf 40m. Und unten im Schatten liegt mein Ziel. Majestätisch sitzt er da und überblickt sein Reich. Ein Löwe mit einer Schulterhöhe von bestimmt 2 Metern. Stolz erfüllt nähere ich mich ihn doch sein Knurren lässt mich 10m vor ihm innehalten. „ Du bist also Zurück mein Kind! Ich hörte du hast dich gut geschlagen. Aber das gibt dir nicht das Recht mich hier in meinem Schatten zu stören. „ . Ich nehme meinen Mut zusammen, ich ahne das er mich herausfordern will und antworte ihn trotzig: “Ich denke du hast genug im Schatten gelegen. Und du weißt auch was mir bald bevorsteht. Ich bitte dich um eine letzte gemeinsame Jagd hier in deinem Reich.“ . Der Löwe springt auf und läuft auf mich zu. Mir bleibt fast das Herz stehen als der Koloss auf Nasenlänge vor mir stehenbleibt. „Du hast recht ich habe viel zu lange im Schatten gelegen! Und ich würde dich auch auf die Jagd mitnehmen, aber momentan bist du nur Beute!“ . Ein schreck geht durch meine Glieder angesichts solcher Worte. Doch er setzt nicht zum Angriff an. Dann verstehe ich… ich nehme meine Axt in beide Hände und merke wie sie mit mir zu verschmelzen scheint. Ich bekomme Krallen und sinke auf 4 Pfoten. Der Blick von Löwe sagt alles, denke ich bei mir, bis das Gebrüll beginnt. Und so jagen wir Stunden über die Ebenen und suchen uns nur die größte Beute. Am Ende liegen wir erschöpft unter dem großen Baum, ein riesiger Wasserbüffel vor unseren Füßen (oder was von ihm übrig ist). Löwe dreht sich nochmal zu mir um :“ Ich wäre mir nicht so sicher ob dieses unsere letzt Jagd war.“ Und Mond erwacht auf der Matratze.
Normalerweise müsste er nach so einer Reise sehr erschöpft sein. Doch nix dergleichen. Er fühlt sich wie neu geboren und ist bereit für seinen Weg. Und Vor allem auf die Party mit seinem Rudel.

