Mona, Jinx und der unliebsame Phisher

Die schwere Tür des vorderen Kommandoraums schiebt sich wie gewohnt leise und widerstandslos zur Seite, als Mona zum verabredeten Zeitpunkt davor steht. Ihr Blick fällt in den erstaunlich dunklen Raum, der lediglich durch eine diffuse, nicht weiter sichtbare, Lichtquelle in mattes, sonnenuntergangartiges Licht getaucht wird.

Die wie immer elegant gekleidete Gestalt von Karl Kombatmage verkündet ihr in vertrauter Stimme, dass in dem Raum nicht ein einziges aktives elektronisches Gerät gefunden wurde, ein sehr starkes Störfeuer in der Luft liege und auch Jinx' Kommverbindung soeben vom Teamnetzwerk getrennt worden sei. Monas Blick sondiert die Stellen, von denen sie weiß, dass dort Kameras angebracht sind. Vergeblich sucht sie nach den vertrauten grünen Dioden, die ihr sonst so unbarmherzig mitteilen, dass sie hier niemals alleine ist. Von keiner der sonst bläulich glimmenden Konsolen und keinem der sonst sirrenden Monitoren scheint auch nur der Hauch von Aktivität auszugehen.

Das große Sichtfenster hält heute nicht nur neugierige Blicke von außen fern. Heute schirmt es auch den Blick auf das Wasserbecken und Adam ab, so dass es sich nahtlos in die rötlich illuminierten Bunkerwände einbettet. Ihr steigt der Geruch von frischem, sauberen Sand in die Nase, der fast wie bei einem lauen Strandwind von der Klimaanlage durch den Raum zirkuliert wird.

Ihr Blick fällt auf den kleinen runden Basttisch, den sie vor ein paar Tagen im Baumarkt gekauft haben. Darauf liegt ein offensichtlich deaktiviertes Datentableau unter einer halbvollen Schachtel Kippen, in der sie auf der linken Seite die golden markierten Laés-Zigaretten erkennt. Außerdem stehen dort zwei hohe Cocktailgläser, mit Schirmchen und Strohhalmen. Das Getränk selbst wirkt vertraut aber nicht genau erkennbar, da ihre Augen noch an das klinische Licht der Bunkergänge gewöhnt sind.

Links und rechts von dem Tisch stehen zwei der Strandstühle aus ihrer alten Wohnung - „Heimat“, denkt Mona sehnsüchtig.

Dann bleibt ihr Blick auf der Silhouette in dem linken der beiden Stühle hängen. Es ist ein Bild, das sie lange nicht gesehen hat. Eins das sie so unendlich vermisst hat. Kein militärischer Kurzhaarschnitt und keine Armee-Cargo Hosen; keine gefühlskalten, harten Augen mehr - statt dessen mittellange lockige Haare, die leicht im Zug der offenen Tür wehen, ein lässiges Oberteil und Bermudashorts. Mona erahnt die schwarzen, die sie so mag.

Jinx.

Ein kleines Seufzen lässt sich nicht unterdrücken, es weicht einfach sehnsuchtsvoll aus ihr. Die Füße stecken in den heiß geliebten lilanen Chucks, die sich jetzt etwas in den Sand graben. Kurz scheint sie zu vergessen warum sie eigentlich hier ist und wer eigentlich der Störenfried war, der Jinx scheinbar vertrieben hat. Leider hält das Gefühl nicht lange vor. Es rinnt ihr wie Sand durch die Finger.

Endlich auch einmal das beruhigende Gefühl allein zu sein, nicht ständig beobachtet und analysiert werden. Es bedrängt einen, nimmt einem die Luft zum Atmen, wenn man ständig observiert wird. Keine bunten Lichter die einem die konstante Lufttemperatur oder aktuelle Gefahrenlage mitteilen wollen. Irgendwie alles beruhigend beunruhigend.

Man merkt ihr an, wie schwer es ihr fällt sich zu konzentrieren und auf etwas anderes als Jinx zu fokussieren. Schließlich geht sie auf den anderen Stuhl zu, mit vermeindlich festen Schritten, die im Sand versinken und doch die Knie weich machen. Ist es nur der Sand oder die eigenen Gefühle, die mit diesem Teenager Achterbahn fahren? Endlich, endlich am Stuhl angekommen setzt sie sich und schaut ihm erwartungsvoll ins Gesicht. Mona hofft und betet für eine ganz simple Erklärung, ein gutes Ende… Vielleicht war alles nur ein Test und sie können alle wieder nach Hause. Nach Hause…

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