Commentarium

Endlich ist es so weit, das Tribunal steht vor der Tür, endlich anerkannt, endlich keine Drecksarbeit mehr machen müssen.
Der Weg den ich mit meinem Meister und den ganzen anderen aus unserem Konvent zurücklegen musste, ist hart und anstrengend gewesen. Spätestens ab den Bergen auch sehr mühsam. Zum Glück hatte ich keine Zeit mich zu langweilen, zum einen weil mich Meister Thoas beschäftigt und weil Ferres mal wieder versucht den Knechten noch mehr Geld aus den eh schon leeren Taschen zu gaunern und ich das zu verhindern versuche.
Ferres ist ein guter Begleiter auf dem langen Weg, noch immer kann er mich ablenken und mich zu ein wenig Spaß in meinem Leben verführen. Ich muss nur aufpassen, dass es keine überhandnimmt, er könnte einem erfolgreichem Leben im Weg stehen. Ich glaube auch deshalb wird das nie mit uns funktionieren.

3. November - 10. November 1216

Blackthorn ist ein wirklich beeindruckendes Konvent. Man spürt förmlich, dass etwas großes hier von statten gehen wird. Es sind nur noch sieben Tage bis zu dem großen Tag, eigentlich genügend Zeit sich einmal auf dem Markt umzuschauen um herauszufinden wie die anderen Konvente sich präsentieren.
Wenn da nicht wieder diese niedere Arbeit wäre, die mir von Meister Thoas aufgedrückt wird und mich an allem hindert. Am liebsten würde ich ihm die dreckigen Messer samt dem anderen Geschirr an den Kopf werfen. Nur noch ein paar Tage, dann muss er mich ernst nehmen. Ich werde besser als er sein, mächtiger, erfolgreicher.
Endlich ist der letzte Abend gekommen. Die Warterei ist kaum noch auszuhalten und das nette Geplänkel am Lagerfeuer treibt mich fast in den Wahnsinn. Ferres ist mal wieder mit einer blonden Schönheit beschäftigt und lässt mich links liegen, typisch. Als Betthase scheine ich ihm zu genügen. Leider kann ich mein eigenes Verlangen nicht unter Kontrolle halten und er weiß das auch, spielt mit mir. In dieser Nacht suche ich mir eine Abwechslung. Einen netten Körper, er muss nicht viel Verstand haben, er muss mich nur befriedigen. Wenn er was taugt, kann er mir zumindest eine Woche lang die Zeit ein wenig vertreiben. Tanzen kann er auf jeden Fall schon mal gut, wie ich am Lagerfeuer feststellen darf. Ich bin mir sicher, dass ich ihn leicht um den Finger wickeln kann.

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10. November 1216

Die Woche scheint die arbeitsreichste und zäheste Woche meines ganzen bisherigen Lebens zu werden. Eigentlich bieten nur die Nächte ein wenig Abwechslung, in denen mich ein junger Mann sehr ablenken kann. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich traurig sein werde, wenn ich mich davon wieder trennen muss.
Als wir endlich von den Bediensteten des Tribunals aufgefordert werden in den inneren Bereich des Konvents zu kommen, wird mir das erste Mal klar, wer alles mit mir zum Magus berufen werden wird. Bei oberflächlicher und ehrlich gesagt auch genauerer Betrachtung scheinen sie mir allerdings der Aufgabe nur schlecht gewachsen zu sein.

Nachdem wir unsere Roben bekommen haben und angekleidet sind, werden wir zu sechst zu einem größeren Platz geführt. Vor uns befinden sich fünf steinerne, gepolsterte Throne, einer davon ist unbesetzt. Auf dem linken äußeren sitzt Aurora ex Merenita, die eine beeindruckende weibliche Erscheinung hat, ihre Gewänder sehen feucht, ja fast schon nass aus und eine riesige Schlange windet sich überall auf ihr.
Rechts neben ihr steht ein leerer Thron der wohl Dispersius ex Flambeau gehört, welcher im Norden gegen Heckenzauberer vorgeht. Ich hoffe für ihn und für uns, dass er damit erfolgreich ist. Neben dem leeren Thron sitzt Tiberius ex Tremere, er hat den Vorsitz über das Tribunal. Allein seine äußere Erscheinung gibt ihm das volle Recht dazu, denn es umgeben ihn dunkle Schlieren, die auf seine massiven Zwielichtnarben hinweisen und ihn so sehr bedrohlich und imposant wirken lassen. Zu seinen Füßen liegt zu allem Überfluss auch noch ein schwarzer Hund, der seinem Herrchen in Sachen Bedrohlichkeit in nichts nachsteht. Selbst ich könnte Tiberius Blick nicht länger als ein paar Wimpernschläge lang standhalten und ehrlich gesagt versuche ich es auch nicht auszuprobieren. Cornelia ex Guernicus nimmt einen würdigen Platz neben ihm ein, auch sie besitzt einen stechenden Blick und eine Eule als Zeichen ihrer Weisheit sitzt auf ihrem Thron.
Schlussendlich sitzt dort noch Arsenius ex Verditius, ein wahrlich kleiner Mann mit sehr viel Taliskrämergut bestückt. Wobei ich schwer davon ausgehen muss, dass auch nur einer dieser Ringe den Wert meines gesamten Besitzes übersteigt. Neben ihm sieht man einen kleinen griesgrämig dreinblickenden Goblin sitzen. Gestalten die man meiden sollte, wie ich finde.
Ich spüre wie meine anderen Mitstreiter ebenso beeindruckt umher starren, wie ich auch. Selbst Titus ex Tytalus scheint für einen Moment zu erstarren. Ich hoffe für ihn, dass er eine gute Figur abgeben wird. Hinter den fünf Thronen sieht man die vollen Ränke des Tribunals, besetzt mit allen Magi des Stonehenge Tribunals. Viele mächtige und weniger mächtige Augen blicken auf uns herab. Tiberius ex Tremere spricht uns an und bittet uns alle vorzuführen, was wir bis jetzt von unseren Meistern gelernt haben. Falco ex Bjornaer beginnt mit einer lächerlichen kleinen Vorstellung. Er erschafft einen Schwarm Glühwürmchen. Wie bedrohlich. Ein kläglicher Page reicht ihm dazu das Aegistoken des Konventes in Form einer Perle. Danach kam der arme Titus ex Tytalus an die Reihe, der wahrlich eine Leidenschaft für Sand entwickelt zu haben scheint. Vielleicht hat sein Meister ihn zu lang damit spielen lassen. Seine Vorstellung endet mit einem zu Boden stürzenden Titus, der sich in Sand auflöste. Der folgende arme Tropf namens Aurelius ex Merenita bekommt es doch tatsächlich hin Trugbilder von zwei Magiern zu erschaffen. Ich habe es natürlich sofort durchschaut.
Der, wie mir scheint, ziemlich verwirrte Meredith ex Criamon hat dabei noch meinen größten Respekt. Als er endlich begriffen hatte, worum es hier ging und was er machen sollte, bat er Tiberius ex Tremere einen doch recht ansehnlichen Feuerball auf ihn zu werfen, den er doch tatsächlich, kurz bevor er ihn traf, zerstörte. Beeindruckend für seine gestörten Verhältnisse. Gawain ex Miscallanea, der nächste in der Reihe, erschuf trotz eigener größter Unsicherheit einen recht stattlichen Baum. Nichts was sich in Erinnerung behält. Dann kam ich endlich dran. Nun konnte ich allen beweisen, dass ich ja wohl der vielversprechendste Kandidat von allen bin. Unter Zuhilfenahme des Pagen demonstrierte ich wie leicht man doch den Verstand eines Menschen verwirren und in die Irre leiten kann.
Natürlich spielt der zeitgenaue Umschwung von extremer Gewalt zu markerschütternder Furcht eine große Rolle. Den erschrockenen Gesichtern aller Magi konnte ich große Anerkennung meiner Künste ansehen. Danach schworen wir endlich alle den großen hermetischen Eid. Ein sehr feierliches Ereignis. Die Ernüchterung kam natürlich prompt, als wir den Konventen zugewiesen wurden.
Falco ex Bjornaer, Meredith ex Criamon und ich wurde die Baronie Horsham zugeteilt. Ich habe die Baronie von dem ehrwürdigen Tiberius ex Tremere geschenkt bekommen. Was für eine großartige Ehre. Leider wurde das Dokument von dem zuletzt verstorbenen König Johann Ohneland unterzeichnet. Ich mache mir ein bisschen Sorgen was die Rechtsgültigkeit anbelangt. Zudem weiß ich, dass es im Süden Unruhen mit dem Franzosen gibt, die es gewagt haben, in unser Land einzufallen. Sicher sind wir absichtlich in eine solche Lage geschickt worden um uns zu bewähren und die Macht der Magi zu beweisen.
Der Einfluss des Ordens ist unermesslich und die Grundfeste unerschütterlich. Ich weiß meine anderen Magi anzuleiten und zu führen. Das wird mir gut gelingen und ich werde sie gut behandeln, wenn sie gut folgen. Schließlich sind wir alle gleich.

Ein langer Marsch von etwa 120 Meilen liegt vor uns, in dem wir genug Zeit haben uns aneinander zu gewöhnen. Der Abend nach der Vereidigung verlief recht erfolgreich und ich habe ihnen aufgetragen Material und den Proviant für die Reise zu besorgen. Danach haben wir zusammen mit meinem besten Wein angestoßen. Falco ex Bjornaer scheint mir recht verschlossen zu sein, wie ich in den Gesprächen mit ihm feststellen musste. Meredith ex Criamon wird für mich zugänglicher sein, verwirrt aber leichter zu beeinflußen. Jaque le Morte hat sich in der Woche wirklich zu einer Art Affäre entwickelt. Ich mag ihn und wenn es nur sein Körper ist den ich begehre. Woher er allerdings die Kraft und vor allem die Ausdauer für die nächtelangen Liebesdienste nimmt, ist mir völlig rätselhaft.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Muskeln durch reines rumsitzen kommen. Allein wenn ich ihn morgens nach dem Aufstehen erblicke, würde ich ihn am liebsten packen und für meine Bedürfnisse missbrauchen, was ich ehrlich gesagt meist auch tue.
Die Sucht kommt in mir wieder hoch und wird durch ihn nur angestachelt. Das ist nicht gut. Ich muss mich wirklich wundern, wie er es schafft meinen Körper in nur einer Woche gefügig zu bekommen. Der kann ja fast alles mit mir anstellen!

11. November 1216

Am Morgen werden wir alle zu einem Treffen mit Tiberius ex Tremere gerufen. Ein Page führt uns in das Innere der Burg, dort werden wir in einem dunklen Steinsaal erwartet, der mit Teppichboden ausgelegt ist.
Überall spiegeln sich die Flammen der Fackeln im dunklen, glänzenden Stein wider und erhellen den doch ansehnlichen Raum, in dessen Mitte ein langer Tisch steht.

Tiberius tritt nach einer Weile zu uns, um uns eine Einführung in das aktuelle weltliche Geschehen zu geben. Er berichtet von dem Tod von König Johann und den des Papstes Innozenz III. Zudem werden wir aufgeklärt, dass die Franzosen mit kriegerischen Absichten in England eingefallen sind. Wir haben die Aufgabe uns nicht in die Geschehnisse mit Frankreich einzumischen, solange wir nichts Gegenteiliges vom Orden hören.
In so einigen Gesichtern kann ich Desinteresse, wenn nicht sogar Überraschung erkennen. Die Ereignisse um die Magna Carta und die damit zusammenhängenden Aufstände rund um alle Baronien werden ebenso dargelegt. Die Grafschaft Sussex hat unter anderem, auf Grund dieser Tatsachen die Baronien aufgeteilt. So hofft man vermutlich, den momentan herrschenden Unruhen entgegenzuwirken. Eigentlich sollten erfahrene Magier dort einen Konvent gründen, jedoch gab es einen Interessenkonflikt der dies verhindert hat.
Politisch geschickt ausgeführt gab es eine Auslosung unter den Neulingen, die das Problem beseitigt hat. Unsere Aufgabe wird nun sein, innerhalb eines Jahres einen Konventsvorstand zu ernennen und dem Konvent einen Namen zu geben. Die Reise in meine Baronie wird acht bis zehn Tage dauern, für ausreichenden Proviant sorgt das Konvent Blackthorn. Ein bis zwei Wochen nach Ankunft wird eine Rotkappe uns aufsuchen; sie wird ein Geschenk für das Konvent mitbringen. Derzeit ist das Konvent nicht besetzt, wir müssen uns selber um einen Stab kümmern, das Geld dafür erhalten wir von Tiberius ex Tremere. Die Menge von 120 Silberpfund wird für ein Jahr reichen, danach müssen wir von den Einnahmen leben, welches das Dorf bringt. Jeder von uns bekommt zudem 10 Vis aus den Vorräten des Konventes Blackthorn ausgeteilt.

Tiberius ex Tremere rät uns die gleiche Steuer zu erheben wie zuvor der Baron von Crawley, zudem sollten wir uns einen offiziellen Verwalter für die Baronie beschaffen, der nicht die Gabe hat und sich um die weltlichen Belange zu kümmern weiß.
Außerdem sollten wir uns bei Earl William d'Aubigny vorstellen. Er ist seines Zeichens der dritte Earl von Arundel. Ein weiterer Magier wird uns und auch Titus ex Tytalus zugeteilt werden. Ich bin gespannt wer das sein wird. Nachdem wir alle entlassen sind, brechen wir endlich in Richtung eines neuen Konventes und meiner Baronie auf. Es überrascht mich jedoch, dass Titus einfach allein reisen will und seine Konventsmitglieder Aurelius, Cassiopaia und Jaque bei uns zurück lässt. Wir haben uns hingegen entschlossen mit einem großen Tross aufzubrechen und die Reise mit Ferres Ochsenkarren zu bezwingen. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt schneller zu reisen, jedoch denke ich, dass es eine sehr gute Chance ist alle kennen zu lernen. Außerdem macht mir eine beschwerliche Reise mit Jaque im Gepäck weniger aus. Er kann bestimmt verspannte Muskeln vom langen Reisen weich massieren. Dessen bin ich mir sehr sicher.
Am Abend nach unserer Abreise quält mich erneut eine Vision, in der ich diesmal sehe, wie der Wald vor uns abbrennt. Kurz danach erscheint auf großem Reitdrachen Ammon ex Flambeau mit seinem Meister. Dieser Drachen bedeutet eine große Gefahr für uns alle, der wir nichts entgegen zu setzen hätten, falls er sich entschließen sollte uns alle zu vernichten. Natürlich ist dieser über alle Maße stolze Flambeau unser noch fehlender Gefährte. Darauf hätte ich ehrlich gesagt verzichten können.
Wenigstens wird er zur Verteidigung zu gebrauchen sein, schließlich hat er die Konflikte im Norden mit gelöst, wie er uns später am Lagerfeuer erzählt. Wenn ich mir vorstelle, dass er mit Dispersius ex Flambeau gekämpft hat, dann glaube ich ihm, dass er uns gut verteidigen wird. Natürlich kommt es wie es kommen muss und es gibt die erste Eskalation am Abend, verursacht von Ammon ex Flambeau. Ich schätze, dass wir den Konvent nicht alle heil erreichen werden, wenn wir einen Flambeau bei uns haben. Mögen die Konflikte blühen und ein reinigendes Gewitter alle mächtig aufrütteln.

Wie ich schon sagte ist Ammon mit einem Drachen angeflogen gekommen und hierbei muss erwähnt werden, dass Jaque le Morte sich schützend vor mich gestellt hat. Eine sinnlose wie auch lächerliche Geste, schließlich müsste ich eher ihn verteidigen, dennoch bemerkenswert.
Er handelt also entgegengesetzt zu seinen Regeln und Grundsätzen, nur um sich vor mich zu stellen. Wahrlich heroisch. Ich habe die Befürchtung, dass dort vielleicht mehr als ein Verhältnis entsteht. Und damit meine ich, dass ich nicht nur fürchte, er will etwas mehr, sondern vielleicht muss ich mir auch selbst mehr zugestehen.

Mittlerweile haben auch alle anderen von dem Verhältnis Wind bekommen und das zeigt mir, dass ich unvorsichtig geworden bin. Er ist nur ein Mann den ich gedenke ein paar Wochen zu gebrauchen und mich nicht ewig an ihn zu binden. Es ist nur so schwer seinen verführerischen Worten, die er mir nachts in die Ohren wispert nicht zu verfallen. Ich glaube, dass ich mich so langsam von ihm um den Finger wickeln lasse.

12.November 1216

Nach einer erneut sehr entspannenden Nacht geht es am nächsten Morgen mit unserer Reise weiter. Wir wollen versuchen die letzten Ausläufer des Gebirges hinter uns zu bringen um endlich in fruchtbarere Gegenden zu gelangen. Wir sind bis jetzt gut vorankommen, alle scheinen meinen Weisungen zu folgen und sie werden merken, dass es sie zum Erfolg führen wird. Aber irgendwie vermisse ich wenigstens einen kleinen Widerstand.

Die Reise führt uns unbeschwert in Richtung eines Waldes, den wir gedenken bis zum Abend durchquert zu haben. Wir werden auf dem Weg ein Dorf und eine kleine Ansammlung von Händlern hinter uns lassen. Bei einer Rast passiert dann auch noch das, was ich die ganze Zeit über befürchtet habe, Meredith ex Criamon geht beinahe verloren, weil er einfach einschläft und wir ihn einfach vergessen.
Falco ex Bjornaer erweist sich in dieser Hinsicht in der Gestalt eines schnellen Vogels zum Glück als sehr nützlich, sodass wir Meredith sehr schnell wieder einsammeln können. Unser Weg wird uns nun weiter in den Brightwood-Forest führen, den wir in ungefähr vier Stunden durchquert haben müssten.
In der Mitte des Waldes treffen wir einen zunächst unscheinbaren Wanderer. Er fragt ein paar triviale Sachen, die in meiner Erinnerung schon völlig verblasst sind. Ich werde mich später nur noch schemenhaft an sein Gesicht erinnern können. Nur Augenblicke später höre ich von der Seite das helle Zischen und das daraufhin dumpfe Einschlagen eines Pfeils in das Holz des Karrens. Der Pfeil steckt genau dort tief im festen Holz wo noch eben der Kopf von Ferres war, er bleibt durch ein göttliches Wunder unverletzt, da er sich im entscheidenden Moment nach den Zügeln der Ochsen bückt, die ihm ungeschickt aus der Hand gerutscht waren. Ich sehe die sechs Männer, wie sie sich aus dem Gebüsch schälen und spüre die Angst in mir hochkriechen, sich explosionsartig ausbreiten.
Natürlich wollen sie alles was wir besitzen im Austausch für unser Leben. Ich bin weder bereit mein Hab und Gut, meine Zukunft und schon gar nicht die Zukunft der Baronie mir stehlen zu lassen, daher zögere ich nicht lange und strecke meine Finger nach dem Verstand des Anführers aus. Seine tiefsten Ängste brechen hervor und ich bin für ihn die Personifikation dessen. Schreiend rennt er davon.

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Zum Glück weiß er nicht, dass ich mindestens genauso viel Angst vor ihm habe, wie er vor mir. Der Rest seiner Männer ist nur leider nicht so verschreckt wie ich gehofft hatte und mein Verhalten wird prompt mit einem Gegenangriff durch ein paar versteckte Bogenschützen quittiert. Ich höre den Schmerzensschrei von Aurelius noch bevor ich die Wucht eines einschlagenden Pfeils spüre, der mich herum reißt.
Der Schmerz kommt mir seltsam bekannt vor und vielleicht kann ich deshalb schneller wieder klar denken oder es ist schlicht mein purer Überlebenswille, der mich aufrecht hält auch wenn mir ein Pfeil in der Schulter steckt.

Noch bevor ich etwas Weiteres unternehmen kann springt Jaque in mein Sichtfeld, direkt auf einen der Männer. Er rammt ihm seine Faust in das Gesicht, woraufhin der Mann blutet und grunzend zu Boden geht. Ich kann nur beten, dass er weiß was er da tut, denn vier Männer stürzen sich jetzt auf ihn.
Zwei der Räuber kann ich in die Flucht schlagen, schreiend verschwinden sie im Wald. Noch bevor ich begreifen kann, was um mich herum passiert, zieht auf einmal ein dichter Nebel auf und ich kann nur hoffen, dass der von uns kommt, auf jeden Fall hilft er uns. Plötzlich zuckt ein greller Blitz durch den Nebel, Schreie erklingen und der Geruch von verbranntem Fleisch und Haar steigt jedem beißend in die Nase. Ich kann nur vermuten, dass der Flambeau damit etwas zu tun hatte. In dem ganzen Kampfgeschrei ist niemand klar heraus zu hören.

So schnell wie der Nebel gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Ich sehe wie einer bewusstlos auf dem Boden liegt und sich Jaque mit dem anderen Räuber prügelt, ihm harte Schläge in die Seite austeilt. Als dieser versucht zu fliehen trifft ihn von hinten unvermittelt ein Flammenspeer. Die Auswirkungen will ich nicht sehen, für so etwas war ich selbst schon einmal verantwortlich. Ich weiß wie warmes, verbranntes Menschenfleisch schmeckt.
Jaque übergibt sich als er mit ansehen muss, wie ein Mensch verbrannt und in Stücke gerissen wird. Irgendwie scheint der Kampf danach beendet zu sein, ich habe keine Ahnung wer noch lebt oder wer verletzt ist. Ich weiß noch nicht einmal ob wir alle von den Räubern erwischt haben. Alles läuft wie in Zeitlupe ab und ich sehe Jaque und Ferres auf mich zugehen.
In beiden Gesichtern sehe ich die Besorgnis und den Schock. Jaque drängt mich zurück zum Wagen, lässt mich auf dem Wagenrad sitzen, ich glaube er will den Pfeil aus meiner Schulter ziehen. Das ist eine sehr schmerzhafte Idee. Ich merke gerade noch wie er sich gegen mich stemmt, den Pfeil in einer fließenden Bewegung aus meiner Schulter zieht und ich dabei schreiend in seine Hand beiße, die er mir vor den Mund hält.
Ferres steht mir leidend bei, er tut sein Bestes und reicht den starken Schnaps weiter, auch um meine jetzt blutende Wunde zu versorgen. Dankbar nehme ich das Angebot von Ammon entgegen, der zumindest rein äußerlich die Wunde verschließt. Ein tröstender Kuss auf die Stirn von Jaque beendet die Versorgung vorerst. Eine kleine unschuldige Geste die mich zum straucheln bringt. Er denkt zum Glück, dass es an den Schmerzen und der Wunde liegt.
Endlich kann ich in Erfahrung bringen wie es den anderen geht. Aurelius ist schwer verwundet und bewusstlos, Falco lediglich erschöpft, Ammon nur leicht verwundet, ebenso wie Jaque der ein paar Blessuren abbekommen hat. Nur Meredith hat neben mir auch das Glück getroffen worden zu sein. Ihm steckt ein Pfeil im Bein, was seine Reisetauglichkeit einschränken wird.
Hoffentlich kommen wir schnell aus diesem Wald raus und das alle lebend. Zwei ganze Stunden wird uns der weitere Weg noch kosten, bis wir endlich einen halben Kilometer außerhalb der Wälder unser Nachtlager aufschlagen können. Jedem einzelnen kann ich den Schrecken im Gesicht ablesen. Schweigsam wird das Lager aufgebaut und ich bin Jaque dankbar, dass er zu nichts aufgefordert werden muss. Gern würde ich mit allen noch ein bisschen am warmen Feuer sitzen aber ich kann den Geruch gerade nicht ertragen, weder von dem Feuer noch von dem Fleisch was Ferres gerade brät.

Völlig erschöpft lasse ich mich in das Zelt fallen, meine Schulter tut höllisch weh und meine Brust pocht dumpf. Die nicht allzu alte Narbe versucht mich an manche Dinge zu erinnern. Erneut überkommt mich eine Vision, die mir auch nicht mehr Einblick gewährt als zuvor.
Visionen
Heute Abend bin ich mehr als froh nicht allein schlafen zu müssen, allein der Gedanke, dass jemand da ist, der einen irgendwie beschützen könnte gibt ein tröstendes Gefühl. Zu meinem körperlichen Schmerzen quälen mich die moralischen ebenso. Ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig gehandelt habe, indem ich die Räuber auf diese Art angegriffen habe.
So langsam dämmert mir auch noch, was Jaque da veranstaltet hat. Ist er soweit gesprungen oder habe ich mir das eingebildet? Man könnte fast meinen, dass er uns bis auf die Knochen verteidigt hätte. Wie ein Raubtier, welches seine Junge schützt. Irgendwas stimmt hier nicht, oder ich habe zu viel von Ferres Fusel getrunken. Der morgige Tag wird anstrengend, die Nacht wird die Hölle werden.

13. November 1216

In der Nacht hatte ich Träume, die sich fast wie Visionen angefühlt haben. Irgendjemand oder etwas hat mich immer wieder von einem Traum in den nächsten gestoßen, dabei habe ich immer wieder durchlebt, wie die Räuber uns überfallen haben und wie wir uns daraus gerettet haben.
Mal waren es Bäume, die zum Leben erwacht sind, mal haben Hände, die aus dem Boden kamen, die Männer gepackt und ein anderes Mal sind sie einfach verbrannt. Nur der letzte Traum war anders. Nicht dass ich wieder hinein gestoßen wurde, sondern diesmal wurde ich zurück gerissen. Ich habe Jaque gesehen, wie er von dem Kutschbock aus auf die Männer zuspringt, dabei hat er eine mir völlig unbekannte Rüstung getragen. Er sah aus wie ein Krieger mit einem Schild und einem langen Speer. Ich weiß nicht, was mir das sagen soll.

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Am Morgen bin ich mit fürchterlichen Schmerzen in der Schulter aufgewacht, die Wunde hatte wieder angefangen zu bluten, ähnlich ging es Meredith und Aurelius. Was mich allerdings mehr erschreckt hat, war Jaques besorgtes Gesicht, als er meine Schulter und das Blut sah.
Ich musste also erneut Ammon um Hilfe bitten, damit er die Wunde verschließt. Aurelius scheint es stetig schlechter zu gehen, bei ihm wird die dürftige Versorgung nicht ausreichen. Er hat sein Bewusstsein bis jetzt nicht wiedererlangt, was mir große Sorgen bereitet.

Das nächste kleine Dorf, was wir durchqueren, scheint keine Verbesserung unserer Lage zu bringen. Hier gibt es keine kampferprobten Männer, die uns Geleitschutz geben könnten, noch gibt es hier Gelehrte der Medizin. Zwar soll es hier eine Kräuterkundige geben, doch ich befürchte, dass es vielleicht eine Scharlatanin ist, die ihn umbringen würde. Da warte ich lieber einen Tag bis wir in der nächsten großen Stadt namens Arlington sind, die nur eine Tagesreise entfernt liegt.

Am liebsten würde ich den ganzen Tag über jammern und klagen, wie sehr mir mein ganzer Körper inzwischen weh tut. Meine Schulter ist eine einzige Ruine und es scheint mir als würden meine Knochen im Arm versuchen aus dem Fleisch zu springen. Dennoch beiße ich die Zähne zusammen, schließlich geht es uns allen nicht gut. Ein schönes Kennenlernen ist das.
Ich kann langsam nicht mehr leugnen, dass ich gern mit Jaque rede und mich für ihn interessiere. Was für eine andere Wahl habe ich auch? Schließlich geht er nicht einfach wieder nach einer Nacht. Er meint ich würde mich persönlich für ihn interessieren, als ich nach seiner Lederrüstung, die er mal hatte, gefragt habe. Das ist taktisches Interesse. Es kann ja sein, dass er sie dabei hat.
Saria jetzt mal ernsthaft! Glaubst du deinen eigenen Worten noch? Aber ich will mir nichts eingestehen, nichts zugestehen. Auch wenn Ferres noch so sehr auf mich einredet und von kleinen Sarias schwärmt, die durch ein Konvent laufen. Ich will keine Kinder, ich will mich nicht binden um wie ein Stein im Fluss unterzugehen. Was für eine Schande meinem eigenen Schwur gegenüber überhaupt darüber nachzudenken. Jaque ist nicht mehr als ein Nichtsnutz, der vielleicht mal in irgendeiner Schlacht gedient hat. Vielleicht flieht er auch vor irgendetwas. Die Bürde des Krieges war zu viel für ihn. Er ist ungeeignet, ein Feigling vor dem Herrn. Warum sollte ich mich auf so einen Spinner nach nur fast zwei Wochen einlassen?

Und was erlaubt er sich eigentlich mich einfach mitten im Gespräch zu küssen? Als ob mich das nicht völlig aus dem Konzept bringt! Dafür habe ich mich gerächt, indem ich einfach behauptet habe, er könnte sich ein wenig verbessern was seine Liebeskünste angeht. Damit kann man noch jeden Mann verunsichern. Ferres hat Recht, er wird noch ankommen und mir einen Heiratsantrag machen wollen, weil er mich aus meinem unchristlichen Leben erlösen und mir ein guter Mann sein will. Ich habe zwei Möglichkeiten, entweder lasse ich mich darauf ein und riskiere einen schrecklichen Fehler oder ich stoße ihn so schnell und so weit wie ich kann von mir weg.

Erst einmal gilt es raus zu finden wer oder was er ist und was er will. Ich sollte mich erst mal beruhigen. Ich habe noch eine gute Nacht lang Zeit darüber nachzudenken, so lange werden wir brauchen, bis wir in Arlington sind und Aurelius endlich einen Medicus zu Gesicht bekommt, damit er uns nicht stirbt. Während die Nacht vergeht und ich Jaque betrachte, wie er vor dem Karren marschiert kommen mir ein paar Sachen merkwürdig vor.
Wäre er wirklich mal im Krieg gewesen, hätte er dann nicht auch Verletzungen und selbst wenn er heil davon gekommen wäre, würde er dann nicht ein paar Schrammen aus seinem Leben davon tragen? Selbst ich habe Schrammen und Narben, inklusive die auf der Brust. Er scheint makellos zu sein, nahezu perfekt. Und was soll das ganze Getue, dass er vorgibt für nichts zu gebrauchen zu sein. Er kann mir nicht sagen, dass er das nur tut, weil er sich um die Arbeit drücken will. Er ist einfach nicht ungeschickt, das weiß ich sehr gut aus eigener Erfahrung.
Er ist wahrscheinlich einer meiner besten Liebhaber. Er ist stark und geschickt und tut trotzdem als wäre er ein nichtsnutziger Hänfling. Er scheint ebenso aufmerksamer und intelligenter als die meisten Männer zu sein. Fast immer weiß er, was ich will und mir gefällt. Mir ist das alles nur aufgefallen, weil ich mit ihm schlafe. Ich denke die anderen werden es so schnell nicht bemerken. Allein Ferres könnte davon Wind bekommen haben, vielleicht versucht er deshalb mich entweder zu schützen, indem er ihn in meinen Augen verdirbt oder er versucht ihn mir schmackhaft zu machen. Beide treiben irgendeine Art Spiel mit mir. Und mal ehrlich… so ein Körper muss ein Geheimnis haben.

14. November 1216 - 23. November 1216

Nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren sind, kommen wir in den frühen Morgenstunden endlich in Arlington an. In mir brennt die Hoffnung auf einen erfahrenen Heiler, der Aurelius vor dem sicheren Tod retten kann. An der Stadtmauer wird ein kleiner Betrag für die Teilnahme am Markt fällig, den Ferres nur zu gern bezahlt. Er wird sicherlich versuchen, seine Sachen gewinnbringend zu verkaufen. Ein bisschen weniger Ballast und mehr Stauraum werden gut sein. Noch am Stadttor wird uns durch die Wache ein Wundscherer empfohlen; jedoch denke ich, dass wir den zuletzt aufsuchen sollten.
Auf dem Marktplatz angekommen kauft sich Ferres gegen eine kleine Gebühr den besten Standplatz und befragt den Marktvorsteher namens George Vaugh auch gleich nach einem guten Heiler. George sagt uns zum Glück, dass sich ein fahrender Bader gerade hier auf dem Mark eingefunden hat. Sofort setzen sich Ferres und Cassiopaia in Bewegung um ihn zur Hilfe zu holen. Jaque wird inzwischen von mir damit beauftragt einen Wachschutz anzuheuern. Ich schaue derweil nach Aurelius' Zustand und erschrecke, da er schon sehr schlecht aussieht.

Ich kann nur hoffen, dass der Bader diesen Zustand noch umkehren kann. Wenigstens denkt Cassiopaia daran, mich vorzuwarnen, dass gleich der Bader kommt und Aurelius immer noch schwebt und seine Wunde magisch verschlossen ist. Das könnte vielleicht nicht so gut ankommen.
Also mache ich mich daran diese Zauber einem nach dem anderen aufzulösen. Dumm nur, dass ich nicht mit den flinken Füßen des Baders gerechnet habe, der mitten in meinem lauten Spruch vor der Tür steht. Natürlich werde ich gleich des Hexenwerks und der schwarzen Magie bezichtigt. Was für einen einfältigen Geist er doch besitzt, leider sind wir genau darauf jedoch angewiesen.
Mit Mühe und Not kann ich meinen Zorn unterdrücken und gehe ihm einfach aus dem Weg. Das war in jedem Fall besser für Aurelius. Nun haben für mich die Stunden des Wartens angefangen. Während Aurelius versorgt wird und Ferres mit Theodor den halben Wagen an die Bevölkerung verkauft, warte ich eigentlich nur auf die Ankunft von Jaque, damit wir endlich weiter reisen können.

Qualvolle, langweilige Stunden vergehen in denen mein Verstand immer nur um ein Thema kreisen kann: Jaque. Wäre es nicht viel wichtiger sich Sorgen um Aurelius, das zukünftige Amt der Baronin und das Konvent zu machen? Nein natürlich nicht, ich gehe lieber meinen eigenen Gelüsten nach. Wie beschämend.
Nach einer halben Ewigkeit sehe ich, wie er zusammen mit einem fremden, gerüsteten Mann quer über den Marktplatz direkt auf uns zusteuert. Der Mann wird von ihm als Eric Kent, erfahrener Veteran und Kreuzzügler, vorgestellt. Er soll uns auf unserer weiteren Reise begleiten und beschützen. Gut gerüstet scheint der Mann zu sein, sein Blick verrät, dass er einige Erfahrung vorzuweisen hat, dennoch sieht man auch die Spuren des Krieges und Tötens an ihm. Er riecht nach Alkohol und das am Morgen.

Ich fürchte, wir haben uns einen alten, verbitterten und vor allem gebrochenen Veteran eingehandelt. Ich gebe ihm die Möglichkeit sich zu beweisen, auch weil ich keine Lust habe Jaque noch einmal loszuschicken und sich dadurch alles verzögern würde. Die Zeit, die uns bis zum Weiterreisen bleibt, will ich noch anders nutzen. Es kommt hoffentlich wie selbstverständlich rüber, dass ich Jaque bitte mich auf den Markt zu begleiten.
Nur versuche ich dumme Gans mich gleich zu rechtfertigen, warum ich mir nun ausgerechnet mit ihm die Zeit vertreiben will. So hat mich doch niemand erzogen. Ich benehme mich ja schon wie eine dumme Magd. Trotz meiner unendlichen Anspannung tut es mir trotzdem gut, mal die Beine zu vertreten und ich kann ungestört beobachten, wie er sich geschickt durch die Menschenmassen bewegt und mich dabei auch noch durchschleust. Er gibt sich mir gegenüber immer natürlicher, nichts zu merken von seiner sonstigen Ungeschicktheit, die er den anderen sonst gegenüber zeigt.

Mittlerweile habe ich vom Bader Robert Cole erfahren, dass Aurelius über Monate hinweg weiterhin professioneller Pflege bedarf. Nun gut, das werde ich als Möglichkeit nutzen um ihn von Ferres anwerben zu lassen. Dadurch würde sich unser Dorf sicherlich prächtig entwickeln. Endlich können wir also die Weiterreise antreten und noch den Rest des Tages nutzen. Die kommende Woche ist anstrengend und zugleich monoton genug. Ich merke wie es an allen Nerven zehrt, dass wir nun schon so lange unterwegs sind. Falco ist sicher der einzige von uns, der dort oben eine Art Freiheit besitzt. Ich habe aber auch endlich die Gelegenheit mich genauer mit Jaque und seinen Geheimnissen zu beschäftigen. Leider weicht er mir noch immer mit den Fragen nach Jake und seiner Vergangenheit aus.
Ich muss mich in Geduld üben, was sicher nicht eine meiner Stärken ist. Es wird für mich immer schwerer ihn nur als Liebhaber anzusehen und ihn ansonsten von mir fern zu halten. In der letzten Nacht bevor wir im Konvent ankommen entschließe ich mich, warum auch immer, seinen Fragen zu antworten und ihm zu erzählen, was es mit der Narbe auf meinem Brustbein auf sich hat. Er hört sich alles an, zieht mich am Ende der Geschichte an sich, so dass ich mit dem Kopf auf seiner Brust zum Liegen komme und sein Herz schlagen höre. Mit leiser Stimme sagt er mir, dass es schwer ist zu so einer Geschichte Worte zu finden, die angemessen und nicht holperig, hohl oder nutzlos entschuldigend klingen. Er lässt mich einfach dem Rhythmus seines Herzens lauschen, welches stark und gleichmäßig schlägt.
Mir wird spätestens jetzt klar, dass ich ihm heillos verfallen bin und ich keinen Weg zurück finden werde. Mein Herz rast, als mir klar wird, dass er mehr von mir will. Ich kann das nicht. Panik schießt in mir hoch und ich würde am liebsten weglaufen. In der Nacht komme ich kaum zur Ruhe, da meine Gedanken durch mein Hirn rasen. Zum Glück sind wir am nächsten Tag endlich im Konvent und ich bekomme etwas Abwechslung um die Ohren.

Als das Konvent endlich im Wald erscheint, bin ich überwältigt wie gut alles hier aussieht. Das Steingebäude sieht solide aus, der Holzaufbau ist gut gearbeitet und alles wirkt frisch errichtet. Am Haupthaus erwarten uns Finnley Miller und Lyra Jones. Beide sind noch sehr jung, dennoch erscheinen sie mir als begeistert und formbar. Ich denke ich kann sie gut gebrauchen.
Es folgt eine Besichtigung des noch völlig leeren Gebäudes, danach treffen wir uns alle in der Cemenate, wo die Verteilung der Zimmer stattfindet. Natürlich beanspruche ich die Cemenate als offiziellen Baronssitz und das angrenzende Zimmer, dazu kommt noch ein Labor auf der anderen Seite, ebenfalls in der unteren Ebene des Haupthauses. Ich bin überrascht, dass sich alle meinen Entscheidungen widerstandslos fügen. Mal schauen wie lange das noch so geht.

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Theodor wird beauftragt mir die ersten Handwerker heran zu schaffen, indes kümmert sich Falco darum, dass die Hecke etwas mehr wächst und vielleicht den Anschein macht, dass sie uns schützen könnte. Jetzt wird es erst mal darum gehen fähiges Personal an Land zu bekommen und vor allem eine Ausstattung für das Haus fertigen zu lassen. Ich weiß noch nicht wie ich es Jaque beibringen werde, aber ich habe vor ihn bei mir unterzubringen. Ich gehe doch nicht ins Gesindehaus! Die Sache mit Jaque wird kein gutes Ende nehmen.

23./24. November 1216

Der Rest des Monats gestaltet sich genauso arbeitsreich wie er begonnen hat. Theodor bekommt den Auftrag zwei Briefe aufzusetzen, einmal die Anmeldung beim Grafen und zum anderen den Brief an Titus.
Ich hoffe wir werden durch ein paar geschickte Kniffe den Bader für uns gewinnen können und nicht an Titus' Konvent verlieren. Natürlich werden wir einen Gefallen bei Aurelius einfordern, schließlich haben wir ihm eine ausgiebige Behandlung zukommen lassen und sein Leben dadurch gerettet.
Viel komplizierter gestaltet sich die Sache mit Jaque. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen einfach zu ihm zu gehen, ihm zu sagen, dass er im Haupthaus bei mir schlafen soll und damit wäre alles geklärt gewesen.
Stattdessen sehe ich in seine haselnussbraunen Augen und bekomme kein vernünftiges Wort mehr über die Lippen, mein Hals schnürt sich zusammen und mein Herz klopft wie wild. Ich kann ihm einfach nicht sagen was ich will. Natürlich lässt er mich auch noch zappeln und nimmt mir meine Qual nicht ab. Als endlich geklärt ist, wohin er demnächst gehört, kann ich auch den Rest des Abends mit ihm genießen und mich ein wenig entspannen.
Das passende Nachtlager habe ich einfach aus Ferres Wagen organisiert, ausreichend Kissen und Felle sind dort eh vorhanden. Als wir endlich in meinem Raum sind und ich ihn beobachten kann, wie er sich umschaut, muss ich schon ein bisschen schmunzeln. Es ist ganz gut, dass er neben mir schlafen und leben wird. Die Nacht verspricht also genauso aufregend und befriedigend wie immer zu werden.

Leider hat sich Jaque jedoch noch erweichen lassen mitten in der Nacht und im strömenden Regen Finnley die Nachtwache abzunehmen, sodass mein entspannter Abend ins Wasser zu fallen scheint. Ich kann es aber nicht ertragen, auf etwas zu warten, vor allem nicht auf Sex. Umso länger ich in meinem Raum sitze und warte, desto größer wird der Drang ihn zu endlich zu spüren. Meine Geduld reicht schließlich nicht mehr aus und ich renne mitten im Regen zu ihm, um ihn davon zu überzeugen, dass es besser ist mit mir Sex zu haben und zwar genau jetzt, anstatt da vorn zu stehen und sich nass regnen zu lassen.
Eigentlich würde sich jetzt jeder Mann mit dem Ausblick auf meinen Körper die Finger lecken und ich könnte ihn mit Leichtigkeit verführen, Jaque jedoch widersteht mir ziemlich lange, auch wenn ich seine Blicke spüre, die meinen Körper studieren, da er alles sehr genau unter den nassen Leinenkleidern sehen kann. Nach anfänglichem Zögern habe ich ihn jedoch überzeugt und kann meinen Durst an ihm stillen.
Das ist allerdings nur bis Mitternacht der Fall, denn wir werden von einem lauten Schrei geweckt, der durch das ganze Haus hallt. So schnell wie es nur eben geht, schäle ich mich aus Jaques Armen, der nur einen missbilligenden, schläfrigen Laut dafür übrig hat, und bin auf den Füßen. Ich ziehe mir mein Unterkleid über, um auf den Flur zu eilen und dem Schrei nachzugehen. Das Geschrei hört nicht auf, und ich kann sehr schnell herausfinden, dass es wohl aus dem Obergeschoss, genauer aus Meredith Zimmer kommt.
Dort angekommen steht auch schon Falco hinter mir und wir blicken durch eine offene Tür auf Meredith, der zusammengesunken auf dem Boden kniet und seine versteinerte Hand hält. An der Wand ist ein riesiger Spritzer Blut zu sehen und ich vermute, dass es Meredith ist, der das verursacht hat.
Endlich hat er aufgehört zu schreien und wir können ihn befragen, wie es zu dem ganzen kommen konnte. Wie ich es vermutet hatte, hat er sich irgendwie in das Zwielicht ziehen lassen und dabei eine steinerne Hand kassiert. Ich kann das Ganze nicht wirklich fassen und glaube, dass wir noch sehr viel mehr Ärger mit ihm haben werden.

Das Schicksal meint es natürlich besonders gut mit mir und der Bader steht hinter mir, der mich auch gleich bezichtigt Meredith eine steinerne Hand angehext zu haben. Zum Glück nimmt mir Ferres das Problem erst einmal ab, so dass wir uns später in Ruhe darum kümmern können. Als die Situation beruhigt zu sein scheint, äußert Jaque, der mir aus dem Bett gefolgt ist, zu allem Überfluss den Gedanken, dass das gesamte Haus doch verflucht sein könnte. Das streut erneut Panik unter den Anwesenden und er macht mich mit so einen unüberlegten Gefasel wütend.
Erst Nachdenken, dann sprechen mein Hübscher. Jedoch gibt es mir die Gelegenheit mich einmal mit ihm zu streiten und ihn vielleicht ein wenig anzustacheln. Primär bleibt jedoch erst einmal Meredith zu versorgen, der ein wenig panisch reagiert und davon plappert, dass Stimmen zu ihm sprechen und dieses Haus uralt sei, nebenbei wären die Steine auch noch zu perfekt gearbeitet.
Daraufhin will er nach draußen flüchten und im Garten schlafen. Theodor wird sich um sein geistiges Wohl kümmern und geht ihm nach und ich endlich wieder ins Bett, wenn auch mit einem unwohlen Gefühl und einem Streit auf den Lippen. Kaum, dass ich die Tür zu meinem Raum geschlossen habe werde ich mein Leinenunterkleid wieder los und beginne den Abend wieder dort, wo wir schon einmal angefangen haben. Jeder Streit wird ihm von den Lippen geküsst und ich merke, wie sein Widerstand sehr leicht einzureißen ist. Als wir endlich voneinander ablassen, ist es schon sehr spät und wir schlafen schnell ein. Eigentlich wollte ich mich ja streiten.

Am nächsten Morgen weckt uns Falco sehr früh, denn anscheinend ist die Rotkappe endlich eingetroffen. In freudiger Erwartung mache ich mich auf, den Gast zu begrüßen, der sich uns als William Flatley ex Mercere vorstellt. Er scheint es eilig zu haben, also will er die Geschäfte schnell erledigt wissen und übergibt uns ein kleines hölzernes Kästchen mit einem Ring darin.
Als Gegenleistung verlangt er von uns insgesamt 20 Vis, also von jedem von uns 5 Vis. Natürlich sind wir damit einverstanden und überreichen ihm alles, inklusive einem Silberpfund Bezahlung für seine Dienste und er bekommt beide Briefe, die wir an Baron und Titus verfasst haben, um sie zuzustellen. Falco und Ammon sind bei dieser Versammlung anwesend, nur einer fehlt und zwar Meredith, der inzwischen halb versteinert vor unserer Treppe kauert. Vermutlich ist er auf der Suche nach dem Geheimnis des Hauses erneut ins Zwielicht gerissen worden. Ich muss ihn unbedingt fragen, wie er das schafft. Als die Rotkappe uns verlässt, konnten wir uns endlich Meredith zuwenden.
Ferres fällt als erstes an ihm auf, das sich ein Huckel auf seinem Rücken gebildet hat und dieser langsam Risse bekommt, als würde etwas daraus schlüpfen wollen. Nebenbei bekommt natürlich auch noch der Bader dieses Ereignis mit und dreht völlig durch. Er wird in keinem Fall bei uns bleiben wollen. Noch am Abend davor hatte er uns prophezeit, dass Meredith versteinern würde, wenn wir ihm nicht gleich die steinerne Hand amputieren. Ich kann ja verstehen, dass das so bei ihm ankommt, dennoch liegt er damit völlig daneben.
Leider können wir auch nicht mehr machen, als Meredith weiterhin zu beobachten und so Zeuge zu werden, wie dieser Huckel aufbricht und ein durchsichtiger Aal daraus schlüpft. Dieses Wesen beginnt sogleich ihn zu umschlingen und seine Kreise um den versteinerten Meredith zu ziehen. Mit jeder Umrundung bildet sich ein weiterer Riss in Meredith' Gefängnis.
Ferres wird ihm noch einen Eimer Wasser überschütten und wir werden dabei feststellen, dass die Risse blau leuchten. Es reagiert also auf die Requisite Aquam. Es wird weitere 6 Stunden dauern, bis Meredith endlich wieder zum Vorschein kommt und die Steine abfallen, dabei werden seine ersten Worte preis geben, dass wir einen Hohlraum unter dem Konvent haben aus dem wahrscheinlich dieses Haus entstanden ist. Die Vermutung liegt nahe, dass dies alles hier von einem Magus geschaffen worden ist.

Ganz nebenbei habe ich auch noch von Ferres erfahren, dass Ammon tatsächlich der Verursacher für die kleinen Brände ist, die überall entstehen, sie scheinen wohl ein Effekt seiner Magie zu sein. Zu gegebenem Zeitpunkt müssen wir uns auch darum kümmern.
Kaum ist auch diese Situation geklärt, klopft es auch schon wieder an der Tür. Dieser Gast hält jedoch für uns alle eine grausame Entdeckung bereit. Er stellt sich bei uns als Rotkappe William Flatley ex Mercere vor. In diesem Moment begreift jeder von uns, dass der morgendliche Gast ein Betrüger war, der uns hinterlistig reingelegt hatte. Völlig überrumpelt empfangen wir auch diese Rotkappe und lassen uns instruieren. Wir bekommen von ihm ein paar wertvolle Abschriften und eine große hölzerne Truhe, deren Geheimnis wir selbst entdecken sollen. Diese Rotkappe will dafür keine Gegenleistung.
Falco versucht noch vergebens den Betrüger zu finden, kann jedoch seine Spuren nur bis zum nächsten Waldgebiet verfolgen. Dort finden sich Krallenspuren eines Adlers, er scheint sich also verwandelt zu haben. Damit ist klar, dass wir es mit einem magischen Wesen zu tun haben. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser jemand gewusst hat, was wir in Blackthorne bekommen haben und wo wir zu finden sind. Nebenbei fällt uns allen noch auf, dass kleinere Gegenstände wie ein Teller und ein Kissen verschwinden und ich muss mich auch noch darum kümmern, ob wir einen Hausgeist oder eine Fairy haben.

Die Rotkappe bittet uns um ein Quartier, was wir ihm natürlich gewähren, anbei bekommt er noch eilig zwei neu geschriebene Briefe für Titus und den Grafen, die er bitte überbringen soll. Der Abend klingt aus und wir versuchen alle die Schmach und Niederlage zu verdauen. Ich spüre wie die Wut immer höher in mir steigt und ich es nicht mehr aushalten kann. Ich stürme nach draußen und versuche mich abzureagieren, Ferres eilt mir jedoch hinterher; dadurch bekommt er all meinen Ärger und Zorn ab.
Unweit hinter Ferres steht Jaque und hört uns beiden zu. Eigentlich will ich nicht, dass er das mitbekommt, also verstumme ich bald und Ferres geht in dem Gedanken alles geregelt zu haben. Es geht mir auch besser, ich fühle wie seine Worte doch etwas bewegt haben, mich besänftigen. Jaque scheint das zu spüren und zieht mich raus in die Nacht, geht mit mir ein Stück bis runter zum Fluss.
Es ist eine sternenklare Nacht und ich kann die frische Kälte spüren, die mir sofort in die Kleider kriecht. Seine stille Anwesenheit und sanften Küsse bringen mich schnell wieder auf den Boden der Realität und ich merke wie das flatternde Gefühl in meinem Herzen zurückkehrt.

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Als wir später zum Konvent zurückkehren und uns schlafen legen wird die vierte Vision über mich kommen.

25. November 1216 - Oktober 1216

Die Dinge scheinen sich endlich zu ordnen und in ihren gewohnten Bahnen zu verlaufen. Theodor und Ferres sind damit beschäftigt allerlei Gesinde heran zu holen und Zimmermänner mit dem Bau unserer Möbel zu beauftragen.
So viele Menschen werden der Lady vorgestellt, dass ich als Saria manchmal nicht mehr weiß, wer eigentlich wer ist. Ich ziehe es vor mich innerhalb des Konventes zu beschäftigen und den einfachen Leuten aus dem Weg zu gehen, um meine eigenen Dingen zu tun, die erstaunlich viel mit Jaque zu tun haben.

Besonders anstrengend wird es für mich allerdings noch einmal als Titus meinem Brief folgt und Aurelius abholen kommt. Natürlich lässt er es sich nicht nehmen mit Gawain und Salem ex Criamon zu kommen, um die geballte Kraft seines Konventes zu demonstrieren. Gawain hatte ich zuvor schon einmal am Blackthorn Konvent gesehen, Falco scheint sich gut mit ihm zu verstehen. Salem ex Criamon ist mir dagegen gänzlich unbekannt. Er ist eine sehr dunkel gekleidete und schweigsame Person, am Gürtel trägt er ein Schwert und er macht den Eindruck, als könnte er damit umgehen. Vielleicht zieht er es ebenso wie Meredith vor, in seinen eigenen Welten zu bleiben.
Titus dagegen ist schon ein besonders streit lüsternder, beleidigender und arroganter Magus. Wie gut, dass ich weiß ihm entgegenzutreten, dennoch muss ich sagen, dass mich sein Besuch sehr in Rage versetzt hat. Er hat uns beleidigt wo es nur ging und natürlich mich immer wieder darauf aufmerksam machen wollen, dass er doch die bessere Wahl für eben alles sei und sein Konvent ja auch schon mit Blattgold verziert ist.
Den kranken Aurelius schließlich auf einem fliegenden Brett zu fesseln und alle anderen Magus, die Titus mitgebracht hat auch noch damit zu transportieren, grenzt an Lächerlichkeit.
Er wird scheitern, indem er über seinen eigenen Stolz fällt und sich dabei das Genick bricht. Ich hoffe Aurelius und Cassiopaia werden es gut bei ihm haben und er wird hoffentlich gut genesen, er könnte uns ein wertvoller Verbündeter werden. Ein paar Tage später kommt die Nachricht des Earls William d'Aubigny, dass ein Besuch derzeit ausgeschlossen sei, da die politischen und kriegerischen Verwicklungen mit Frankreich all seine Aufmerksamkeit fordern würden, dennoch wird mir auch eine Antwort auf meine Anfrage um einen Haushälter beantwortet. Es gäbe wohl einen Lehrling, der in einem Jahr fertig wäre und eine gute Anstellung gebrauchen könnte und deshalb dann zu uns reist. Nun denn, ich bin gespannt was da kommen mag und bemerke mit Zufriedenstellung, dass Theodor sich eigentlich auch sehr gut darin macht, auch wenn er in diesen Tagen mehr flucht und isst als sonst, was mir eigentlich unmöglich schien.

Ferres betätigt sich in den ersten Monaten seit unserer Ankunft als eine Art Botschafter der Baronie. Zuerst stimmt er die Menschen im Dorf auf uns ein, indem er verlauten lässt, dass ich eine harte aber sehr gerechte Herrin wäre. Ich finde das steht mir ganz gut und ich hoffe, dass es uns einen guten Anfang verschafft. Die Dorfgemeinschaft interessiert jedoch eine Sache viel mehr. Es scheint geradezu über lebenswichtig zu sein, dass die Steuern nicht erhöht werden.
Natürlich ist das nicht meine Absicht aber ich sollte im Hinterkopf behalten, was die Ängste und Sorgen meiner Dorfgemeinschaft sind. Die Kopfsteuer bleibt also pro Jahr 1 Silberpfund, was uns ungefähr 350 Silberpfund pro Jahr einbringen wird. Auch habe ich in diesem Zusammenhang beschlossen, dass es besser sein wird von Anfang an klar zu machen, dass wir ein Konvent von Magi sind und ich eben nicht nur eine gewöhnliche Baronin bin. Diese klaren Verhältnisse verhindern vielleicht unschöne Überraschungen, die das Verhältnis trüben könnten.
Nach reiflicher Besprechung mit Eric, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir unser Wachpersonal selber ausbilden werden, da es zu unsicher ist eine Söldnertruppe anzuheuern.
Zu diesem Zweck werden sich Ferres, Jaque und Eric im März auf den Weg in die umliegenden Dörfer machen um uns fähige, junge Männer zu rekrutieren. Sie sind nur eine Woche unterwegs, dennoch ist das für mich eine fast unerträgliche Zeit. Ich habe mich jetzt so sehr daran gewöhnt, dass jemand neben mir und mit mir schläft, den ich begehre und der mir das auch zurück gibt, dass ich nicht eine Woche darauf verzichten will.
Das wollen und können ist dabei eine andere Sache. Deshalb kann ich auch wirklich nicht an mich halten, als sie endlich wieder in das Konvent zurückkehren. Es ist zwar erst später Mittag aber ich musste ihn mit Haut und Haar verschlingen sonst wäre ich noch vor Sehnsucht nach einem Körper der mich befriedigt umgekommen und hätte ihn schlussendlich betrogen. Spätestens jetzt wird ihm jedoch klar sein, dass ich nicht ohne ihn oder ohne Sex überleben kann. Die Konsequenz ist leider ein sehr unangenehmes Gespräch, indem ich eindeutig sagen muss, dass mir alles über den Kopf zu wachsen scheint.
Ich bin mir nun sicher, dass er mehr von mir will als nur hier zu wohnen, sich auszuruhen und mit mir Sex zu haben. Er redet nach der Reise auf einmal über Treue mit mir. Vielleicht hat Ferres ihm das in den Kopf gesetzt, ich weiß es nicht. Mir ist es furchtbar unangenehm mit ihm darüber zu sprechen und ich versuche mich zu retten, indem ich ihm sage, wie sehr mir der Sex mit ihm gefällt im Vergleich zu all den anderen.

Das scheint ihn jedoch nicht zufrieden zu stellen. Auch als ich ihm gesagt habe, dass es hier anscheinend keine Alternativen für mich im gibt, denn er sei ja schließlich sehr gut, beruhigt ihn das nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass ich ihn damit sehr verletzt habe. Das sind Grenzen die er mir auf einmal aufzeigt, mit denen ich nicht umzugehen weiß. Die beste Lösung ist eine Art sexuelle Treue, die mir nicht schwer fallen sollte, so lange er in meiner Nähe ist. Treue… Das scheint ihm sehr wichtig zu sein, vielleicht mehr als alles andere. Allein der Gedanke daran macht mich sehr nervös und ich versuche mich diesen Gedanken und Gesprächen zu entziehen. Er setzt mir damit zu sehr zu und ich möchte am liebsten sehr weit weg laufen, was ich schließlich auch tue indem ich einfach aus dem Raum gehe und ihn stehen lasse. Das wird sich schon von allein beruhigen.

Wenigstens haben die Männer auf ihre Reise eine Gruppe von 5 minderjährigen Buben im Alter von 9 bis 12 Jahren und zwei Erwachsene im Alter von mindestens 16 und 18 Jahren angeheuert.
Wo ich gerade beim Personal bin, der Bader wird uns nach mühseliger Überzeugungsarbeit nun doch nicht verlassen, er wird im Dorf wohnen bleiben und wir müssen ihm ein Haus spendieren. Hoffentlich ist er so gut wie er sagt, denn er wird uns zumindest sehr teuer zu stehen kommen.
Wie ich höre wird uns auch die Ausbildung der Wachen einiges Kosten. Insgesamt werden wir 15 Silberpfund für Bewaffnung und Ausrüstung ausgeben müssen um unsere Sicherheit einigermaßen zu gewährleisten. Dabei fällt mir noch auf, dass sich Erics Alkohol Problem fast erübrigt hat. Wie mir Ferres im März noch glaubhaft berichtet hat, wäre dieses Problem nicht eben klein und er würde jede Gelegenheit nutzen, um zu einer Flasche zu greifen, doch seitdem der Frühling angebrochen ist, scheint sich dieses Problem zu erledigen. Auch muss ich sagen, ist mir nie zu Ohren gekommen, dass er aufgrund des Alkoholproblems eine Pflichtverletzung begangen hätte, sonst hätte ich ihn auch gefeuert.
Ferres wird den Rest des Winters und den Frühling über damit beschäftigt, die Ausrüstung für alle unsere Labore zu besorgen, die wir im Frühling und im Sommer, bis auf Meredith noch errichten werden.
Meredith ist im Sommer etwas merkwürdig und auch fast nie zu sehen. Keiner weiß, was er in seinem Labor tut aber zumindest lebt er noch, was man an seinem manchmal verspeistem Essen beobachten kann. Im Zusammenhang mit Ferres Erkundungen bekomme ich die Information, dass sich hier ein Rudel Wölfe durch die Wälder schlägt, dessen Leitwolf tatsächlich magischer Natur zu sein scheint, mit dem die Dorfbewohner eine Abmachung getroffen haben, die da besagt, dass diesem Rudel eine gewisse Anzahl an Schafen zusteht und sie dafür die Bevölkerung verschonen, zudem gewähren sie ein sicheres Passieren durch das Revier. Sicher ist das ein Thema, dem wir uns früher oder später aus rein magischem Interesse zuwenden sollten.
Währenddessen sind bei uns die Handwerker und vor allem Zimmermannsleute eingetroffen, die das Konvent nach unseren Vorstellungen ausstatten werden. So weit so gut, aber müssen sie so laut sein und einem ständig mit argwöhnischen Blicken über den Weg laufen? Dieser Zustand zieht sich über Monate hinweg hin und währenddessen wird im Umkreis von 5 Metern jeder Baum nahe dem Konvent gefällt, um eine bessere Einsicht gerade für das Wachpersonal zu bekommen.
Wir machen in dieser Zeit viele Anschaffungen, unter anderem wird eine Kutsche in Auftrag gegeben und wir kaufen zwei Pferde an, die diese Kutsche ziehen werden, des Weiteren gebe ich bei einem Siegelschneider unser Konventswappen in Auftrag um die Korrespondenz weltlicher Natur damit siegeln zu können. Durch die Korrespondenz erfahre ich auch, dass viele Baronien sich gerade verändern, was die Stellung zu Prinz Louis und König Henry III angeht. Viele sind nach dem Tod von König John zurückgekehrt zur englischen Krone und dem damit verbundenem Nationalstolz, was natürlich die Kampfhandlungen zwischen Frankreich und England beeinflusst.
Insgesamt betrachtet ergibt sich jedoch noch eine ziemlich instabile Situation, in die ich mich erst mal nicht einmischen werde, deshalb sehe ich auch davon ab, mich in anderen Baronien persönlich vorzustellen. Diese Sicht der Dinge wird auch von der Rotkappe bestätigt werden, die sich Ende Juli bei uns zeigt. Mit inzwischen einigem Misstrauen wird sie empfangen und nach Bestätigung des Siegels auch wohlwollend umsorgt. Erneut wird er über Nacht bei uns bleiben. Im Gepäck hat er diesmal keine Geschenke sondern wertvolle Informationen und Anweisungen.
Was die weltlichen Belange anbetrifft erfahren wir, dass es eine Schlacht zwischen Prinz Louis und Vertretern König Henry III gab, die sehr zu Gunsten von König Henry III ausging. Die Truppen Prinz Louis wurden vernichtend geschlagen. Im Zuge dessen wurden so einige, vorher zu Prinz Louis loyale Barone in Gefangenschaft durch die Armee König Henrys III genommen. Das wird sicherlich einige Auswirkungen auf den Adel haben. Leider sind im Zuge der Kampfhandlungen auch einige Plündereien und Brandschatzungen vonstattengegangen, sodass zu beklagen ist, dass die Kathedrale von Lincoln geplündert und geschändet wurde. Sicherlich jedoch ein kleiner Verlust im Gegensatz zum Sieg über Frankreich. Was die magischen Belange anbetrifft, ereilt uns durch die Rotkappe die Kunde über den vermutlichen finalen Gang des Albinus ex Criamon ins Zwielicht.
Viel wichtiger ist jedoch die Kunde über die Vorgänge im Norden, wo es immer noch kriegerische Auseinandersetzungen mit Schottlands Heckenzauberern zu geben scheint.
Das Konvent Lux Draconis ist weiterhin nur mit zwei Magi besetzt und versucht tapfer die Stellung zu halten. Die Ursache der ganzen Auseinandersetzungen entzieht sich jedoch unser aller Kenntnis.
Falco nutzt derweil die Gelegenheit und lässt einen Brief an seinen Meister durch die Rotkappe an die Ancient Oak verschicken. Arsenius ex Verditius lässt uns über die Rotkappe ausrichten, dass wir einen ausführlichen Bericht verfassen sollen, was die Funktion und Nutzung der Truhe anbelangt, die wir bei Einzug in das Konvent geschenkt bekommen haben.
Da wir uns darum noch nicht gekümmert haben, werden wir dafür eine Konventsjahreszeit opfern. Derweil bin ich natürlich zum magischen Konventsvorstand ernannt worden und habe somit nicht nur die Leitung alles Weltlichen, sondern auch die Leitung alles Magischen inne. Eine für alle gültige Satzung wird ebenfalls aufgesetzt und von allen anerkannt und unterzeichnet. Inzwischen hat uns Aurelius einen Besuch abgestattet und von seiner Genesung berichtet, natürlich hat er auf Nachfragen auch aus dem Konvent des Titus berichtet. Nichts jedoch, was Erwähnung finden sollte. Inzwischen ist fast mehr als ein halbes Jahr vergangen und Jaque ist immer noch bei mir. Es ist schön jemanden zu haben, allerdings wird mit zunehmend unwohler, wenn ich daran denke, was er von mir will.

Ich fühle mich wie ein Stück Wild, dass in die Ecke gedrängt wird und gezwungen wird zu handeln, bevor es noch getötet wird. Einzugestehen, dass ich ihn liebe kann ich vielleicht mir selbst gegenüber, anderen gegenüber kann ich das nicht, ich hätte das Gefühl, dass ich mich selbst damit beschneiden würde und die Tür zu meinem Käfig von innen zu mache und verriegele.
Allein der Gedanke daran nimmt mir die Luft zum Atmen. Zum Glück gibt es andere Dinge, die mich im Herbst davon ablenken. Meredith bringt die Idee auf, dass wir uns alle mit der Truhe in unserer Konventsjahreszeit beschäftigen werden. Da dies sehr sinnvoll ist und ich sowieso vorhatte diese Aufgabe vor Titus zu erledigen, werden wir auch genau das tun. Die Hauptarbeit wird in Meredith Labor stattfinden und zu diesem Zwecke werden wir auch alle von ihm eingeladen darin zu arbeiten. Ich sehe in Meredith keine Bedrohung, deshalb leiste ich der Einladung folge.
Allein Falco weigert sich, dies zu tun, also stellen wir die Kiste halb auf den Flur, halb in Meredith Labor. Natürlich entsteht dadurch eine unsagbare Unordnung auf dem Flur und jeder von uns kann froh sein, wenn wir die Kiste endlich erforscht haben, was gegen Ende des Herbstes auch der Fall sein wird.
Nachdem wir alle ein Vis ausgegeben haben um das nötige Ritual für die Aktivierung der Kiste zu machen, entsteht daraus eine wundervolle Bibliothek mit 20 Büchern. Es ist ein Raum, der aus der Kiste entspringt und uns eine leichte und vor allem sichere Aufbewahrung der Bücher ermöglicht. Hier zu erwähnen ist natürlich, dass es mir oblag die Durchführung des Rituals zu machen. In dieser Bibliothek waren neben den Büchern auch noch Schriftrollen und ein Beutel mit einer Ton-Figur zu finden. Dies bedarf sicherlich später genauer Untersuchungen. Ich werde mich im Winter damit beschäftigen einen Zauber zu erforschen, der die Auswirkungen der Gabe vor den Menschen verstecken kann. Das ist sicherlich eine Aufgabe, die mich eine volle Jahreszeit lang beschäftigen wird.
Das bedeutet, dass ich vielleicht auch Jaque mehr aus dem Weg gehen kann, der mir mittlerweile immer mehr zusetzt. Nicht, dass er das aktiv mit Worten tun würde, dennoch fühle ich mich immer mehr eingeengt und unzufrieden mit der ganzen Situation.
Von einem offenen Gespräch mit Ferres hatte ich mir eine Art Lösung oder Anleitung erhofft. Was ich jedoch kriege, ist eine sehr klare Analogie, die mir deutlich meine Möglichkeiten aufzeigt.
Er sagt zu mir, dass wenn ein Apfel nun mal so hoch hängen würde, dass man den Baum hinaufklettern müsste, dann hätte man die Wahl, entweder man lässt den Apfel sein und hungert oder man klettert und geht das Risiko ein runter zu fallen und sich den Hals zu brechen. Nebenbei erwähnt er noch, dass Jaque ein Apfel wäre, der sehr hoch für mich hängt.
Ammon wird sich mit Anbruch des Herbstes in Richtung der Berge bei Crom Glean aufmachen um seinen Forschungen nachzugehen. Vielleicht sollten wir im Konvent auch einmal forschen wohin die ganzen Sachen verschwinden, es sind lediglich Kleinigkeiten aber nachgehen sollten wir dem vermeidlichen Hauskobold schon. Wer kennt sich im Jagen und Fangen von Kobolden aus? Niemand.
Mitte Oktober bekommt die Baronie sehr hohen Besuch von einem Abgesandten des Königs. Zum Glück sieht das Konvent schon einigermaßen repräsentativ aus, sodass wir dieses Gefolge mit ihrem Anliegen einen Platz anbieten können. Sir Blaine Johnsten kommt mit einem Vierspänner und vier berittenen und schwer gerüsteten Männern bei uns an. Er bittet im Namen des Königs darum, dass jede Baronie zu Ehren des Sieges über Frankreich zwei Kämpfer stellt, die an einem Turnier teilnehmen sollen. Sofort kommen mir Eric und Jaque in den Sinn. Ich muss allerdings auch noch erwähnen, dass ich dringend etwas im Umgang mit dem höfischen Adel zu lernen habe. Und vor allem wie man schnell in ein solch pompöses Kleid kommt, wenn man eh gerade dabei ist sich die Kleider vom Leib zu schälen um sich den Armen eines anderen hinzugeben. Zum Glück ist Jaque nicht nur im Ausziehen, sondern anscheinend auch noch im Anziehen von Kleidern sehr geschickt.

Sir Blane Johnsten werden also Mister Eric Kent und Mister Jack Mort gemeldet, die im Turnier im Frühjahr zu Ehren des Königs teilnehmen werden. Ich habe Jaque extra mit einem englischen Namen gemeldet, da ich sonst fürchte, dass wir in Sachen verwickelt werden, die uns nicht gefallen, schließlich geht es um den Sieg über die Franzosen. Wir werden uns also für dieses Turnier auch noch einmal neue Rüstungen zulegen müssen, die Waffen werden ja gestellt.
Im Zusammenhang mit diesem Turnier sagt Jaque offen und ehrlich, dass er dieses Turnier gewinnen wird. Natürlich glaube ich ihm das nicht wirklich, dennoch scheint er auf diese abstruse Behauptung zu bestehen. Als ich ihn später danach frage, warum er das annimmt, sagt er mir, dass es schon immer so war und er noch nie verloren hätte. Ob diese Eigenschaft magischen Ursprungs ist kann ich nicht bestätigen, sicher hat auch Titus schon sein Glück damit versucht. Die Zeit wird zeigen, was sich dahinter verbirgt. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass ich mich den Geheimnissen nähere, die ihn umgeben.
Erschreckend für mich ist nur die Aussicht, dass wenn er gewinnt, er vielleicht geht, weil ihn jemand abwirbt oder er in den Krieg ziehen muss. So schnell wie mir der Gedanke in den Kopf schießt, so schnell habe ich ihn auch ausgesprochen, fast könnte ich mir dafür auf die Zunge beißen. Ich merke sofort, wie er die Chance wittert mich endgültig gefangen nehmen will. Noch im Scherz sage ich zu ihm, dass er besser einen Schrank vor die Tür stellen soll, damit ich keine Chance zur Flucht habe. Und was macht er? Er schiebt tatsächlich einen Schrank davor.

Mein Herz fängt wie wild an zu rasen und er fragt mich tatsächlich, was ich ihm eigentlich sagen will. Eigentlich weiß er das doch oder? Warum muss ich ihm das jetzt auch noch sagen? Ich kann es nicht aushalten, wie er mich anschaut. Die ganze Zuneigung in seinen Augen, der Gedanke, dass es langsam Zeit für mich ist mit der Wahrheit heraus zu rücken beängstigt mich, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.
Meine Hände fühlen sich an wie nasse, kalte Klumpen, die sich fahrig mit meinem Kleid und meinem wenigen Schmuck beschäftigen. Die Worte die nun aus meinem Mund kommen haben etwas mit vagen Formulierungen zu tun, die sich irgendwie um das Thema herumwinden und nie das sagen, was ich meine.
Ich kann das einfach nicht, alles in mir wiederstrebt dem. Wenn ich ihm jetzt sage, dass ich ihn liebe und das schon die ganze Zeit getan habe, lässt er mich nicht mehr gehen, engt mich ein und bezwingt mich. Natürlich ist er geduldig, drängt mich nicht mit Worten aber ich sehe doch, dass er Antworten will. Irgendwie bekomme ich es über die Lippen, dass es vielleicht ein „wir“ gibt und ich mir irgendwie, irgendwas vorstellen kann. Mehr schaffe ich nicht. Ich gebe auf. Ich kann das nicht.
Statt mich laufen zu lassen, nimmt er meine Hände, kniet sich vor mich und legt sich die Hände auf seine Brust. Ich kann spüren, dass auch sein Herz schneller schlägt und er fragt mich, ob ich ihm nachsprechen könnte, was er in vier Worten jetzt sagen wird.
Blass vor Angst kann ich nur nicken und er sagt das, wovor ich so viel Angst habe. „Jaque ich liebe dich!“ höre ich aus seinem Mund kommen. Ich versuche ihm einfach nachzusprechen aber weiter als „Jaque…“ komme ich nicht.
Lass mich doch bitte einfach gehen! Siehst du nicht, wie schlecht es mir geht? Aber er lässt nicht locker, hält mich sogar fest, damit ich nicht fliehen kann und bleibt dort knien. Meine Fingerkuppen scheinen zu brennen, wo sie seine Haut berühren, die Stimme versagt mir und ich muss schließlich aufgeben.

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Alles bricht in mir zusammen als ich den Kopf senke, weil ich dabei nicht in seine Augen schauen kann und mir leise über die Lippen kommt, dass ich ihn liebe. Tränen fließen ohne mein Zutun über meine Wangen und er zieht mich endlich zu sich ran, hält mich in seinen Armen fest. Das Wort „wir“ zu gebrauchen hat etwas Bedeutendes eingeläutet. Zu sagen, dass ich ihn liebe hat mich völlig zerstört zurückgelassen. Vollkommen schutzlos und aufgewühlt stehe ich vor dem was dort kommen mag. Ich habe eine furchtbare Angst und mein Herz klopft, als wäre ich auf der Flucht, nur ist der Ausweg versperrt.
In dieser Nacht werde ich ihn das erste Mal küssen. So küssen wie sich zwei Liebende begegnen und ich kann kaum fassen, wie er schmeckt und riecht, spüre wie sein Herz nah an meinem schlägt und die Wärme seines Körpers mich durchdringt.

November 1216 - März 1218

Wenn ich ihn sehe, wie er zwischen den anderen steht möchte ich am liebsten jedem aus voller Lunge entgegenschreien, wie sehr ich ihn liebe und das ich es ihm endlich gesagt habe. Doch alles was ich ihm geben kann ist ein knappes Lächeln, ein zärtlicher Blick der nur ihm gehört und eine scheinbar zufällige Berührung die ausdrücken soll, wie sehr ich ihn begehre.
Nach meinem Geständnis hat er mir einfach die Luft zum Atmen genommen, sodass ich glaubte in seiner Nähe ersticken zu müssen. Mittlerweile beginne ich seine Gegenwart zu genießen und zu schätzen. Er gibt mir mehr Gelassenheit und ich kann mich bei ihm entspannen, bin nicht mehr so verkrampft. Ich wünschte ich könnte ihm jede Nacht sagen, wie sehr ich ihn nicht nur brauche sondern auch liebe.
Wie sehr nicht nur mein Körper sondern auch mein Herz nach seiner Gegenwart schreit und ich mich nach ihm verzehre. Wie gern würde ich ihm sagen, dass ich jeden Morgen neben ihm aufwachen will. Aber alles was ich fertig bringe ist ein geflüstertes Liebesgeständnis, wenn ich glaube, dass er längst tief schläft, nachdem wir uns geliebt haben.
Ich kann mir einfach nicht erlauben mich fest zu binden und das Risiko einzugehen verlassen zu werden.

Zum Glück beschäftigt mich das Konvent vollauf, zusätzlich zu den Tätigkeiten in der Baronie. So erreicht uns auch im November unsere Rotkappe, die uns zuerst Grüße von Titus bestellt und uns danach über die aktuellen Geschehnisse in Kenntnis setzt. Wir wissen nun, dass Prinz Louis endgültig in der Schlacht bei Sandwich geschlagen wurde und seine Seeflotte vernichtet wurde. Er ist daraufhin den Rücktritt nach Frankreich angetreten und von den Ansprüchen auf die englische Krone zurückgetreten.
Wie uns die Rotkappe berichtet hat sich der Papst nun offiziell für den Schutz von König Henry III ausgesprochen. König Henry III hat die in Missgunst gefallenen Barone wieder einsetzen lassen und auch eine Amnestie ausgesprochen. Der Adel hat sich nach Krönung von Henry III und vor allem nach dem Sieg über Prinz Louis auf die englische Krone rückbesinnt, daher sollte es meiner Meinung nach keine größeren Innerpolitischen Spannungen mehr geben. Was uns Magi allerdings anbetrifft muss man weiterhin von einem kriegsähnlichen Zustand sprechen der im Norden vorherrscht. Hier scheint sich die Lage nicht eindeutig zu entscheiden, sodass man von einer Art Stillstand sprechen kann.

Im Hinblick auf das Turnier werden sehr großzügige Anschaffungen nötig, die wir auch zügig in Auftrag gegeben haben. Zuerst brauchen wir einen Schmied, der die Ausrüstung für Eric und Jaque herstellt. Dann ist es nötig noch das Wappen der Baronie sticken zu lassen, damit die Jungs auch ohne Titel gut dastehen. Des Weiteren müssen wir uns ein großes Zelt fertigen lassen und noch zwei Pferde besorgen.
Sicherlich gilt meine größte Sorge dem Schutz der beiden, insbesondere Jaque. Je näher der März rückt umso mehr Sorgen und Vorwürfe mache ich mir, dass ich ihn in den sicheren Tod schicke, indem ich ihm bei dem Turnier teilnehmen lasse.

Kurz nachdem diese Arbeiten in Auftrag gegeben worden sind kommt Falco auf mich zu. Er erzählt mir doch tatsächlich, dass er schon mal mit dem Wolfsrudel gesprochen hat und sich vorgestellt hat. Viel mehr schockiert bin ich allerdings davon, dass er mir sagt, er hätte auch mit dem Kobold gesprochen, der hier die Dinge am Konvent klaut. Natürlich hat er dazu auch schon mal den passenden Vertrag verhandelt, der uns einen Kobold ans Konvent holt und somit Kontrolle über die Diebstähle beschert.
Ich bin mit seinen Vorhaben einverstanden, jedoch muss ich ihn eindringlich verwarnen, dass er nie wieder etwas ohne Absprache mit dem Konvent unternehmen soll. Er scheint mir das auch relativ übel zu nehmen, da er sich doch tatsächlich bedroht fühlt. Ich hoffe nur er hat eindeutig verstanden, was ich zu ihm gesagt habe.

Später an diesem Tag werde ich bei Ferres sitzen um mit ihm die letzten Anschaffungen für das Turnier zu besprechen. Natürlich nutze ich die Gelegenheit um mal wieder frei von der Seele sprechen zu können und so kommt es dann auch wie es immer kommt. Wir leeren einen der besten Weine und ich werde schnell betrunken. So hab ich es auch leichter ihm alles anzuvertrauen ohne ständig über meine Worte nachdenken zu müssen.
Und es tut so gut endlich einmal darüber zu reden, wie gut mir Jaque tut und wie gut er im Bett ist. Nicht nur im Bett. Wenn alle anderen wüssten, wo wir es schon getrieben haben würden sie die Welt um sich herum anders betrachten. Das erste Mal kann ich offen über alles reden. Meine Zweifel abladen, ob ich Jaque zufrieden stellen könnte und ob er mich überhaupt will. Ich bin so verunsichert was das alles angeht, dass ich glaube mir selbst im Weg zu stehen und zwar gewaltig.
Ferres spricht da noch ein anderes Thema an, was mir einen ziemlichen Schrecken einjagt. Er erwähnt, dass ich es auf jeden Fall unterlassen sollte, auf dem Turnier mich mit Jaque erwischen zu lassen. Das könnte ernsthafte Konsequenzen haben die von einer Schmähung bis zu einer sofortigen Heirat gehen. Der Gedanke jagt mir eine Höllenangst ein weil er mich reizt. Mir würde es nicht so viel ausmachen ihn vor der Welt und Gott zu meinem Mann zu nehmen, anstatt mich schmähen zu lassen. Normalerweise würde ich an einem solchen Abend hemmungslosen Sex mit Ferres haben und das macht mir Angst. Zum Glück bringt er mich, betrunken wie ich bin, in unser Zimmer, wo er mir das Kleid abstreift und mich zu einem fast nackten Körper legt an den ich mich anschmiegen kann. Ich wusste da schon, dass der nächste Morgen grausam sein würde.

Das neue Jahr bringt und endlich den Haushälter, den wir so bitter benötigen. Sein Name ist Jean Baptiste und er ist ein Landsmann von Jaque. Die beiden scheinen sich darüber auch zu freuen, dennoch ist Jean im Gegensatz und zum Glück für mich ein arbeitsamer Mensch, der es sich dadurch ein bisschen mit Jaque verscherzt.
Bei dieser Begegnung muss ich wirklich an mich halten um nicht laut loszulachen. Wie erschreckend gut ich Jaque bereits kenne und weiß, was er denkt. Erschreckend. Jean wird sich in den nächsten Monaten mehrmals lautstark mit Theodor über allerlei Dinge streiten, die dazu führen, dass unser Haushalt besser läuft denn je. Jean scheint ein harter und fordernder Haushälter zu sein, was mir sehr zu Gute kommt.

Der Februar verläuft ohne weitere Vorkommnisse, sodass ich genug Zeit habe mir immer mehr Gedanken um das kommende Turnier zu machen. Langsam aber sicher frisst mich Schuld und Angst von innen heraus auf. Sie schnüren sich um meinen Hals und erlauben mir nicht mehr klar zu denken. Jaque versucht mich zwar zu beschwichtigen, dennoch habe ich panische Angst ihn durch ein Schwert oder den König zu verlieren.
Am 2. März brechen wir dann tatsächlich nach Winchester zum Turnier auf. In meinem Gefolge befinden sich nicht nur Jaque und Eric sondern auch Lyra, Finnley, Ferres, Robert Cole, Theodor und zwei Wachen. Wir bilden mit einem so großen Gefolge hoffentlich keiner Räuberbande ein Ziel, dass leicht zu erobern scheint. Lyra wird mir hoffentlich gut mit dem ganzen Ankleiden zur Hand gehen können.
Ferres hatte im Januar extra darauf bestanden, dass ich mir neue Kleider fertigen lasse die prunkvoller aussehen als alles was ich bisher besessen habe. Selbst den Schmuck musste ich mir kaufen oder von Ferres leihen. Ein Korsett zu tragen ist ja normal aber ein solch enges wie es derzeit Mode ist? Vielleicht wird es mich in meiner dunkelsten Stunde aufrecht halten.
Die Reise verläuft ohne weitere Vorfälle und wir schaffen es innerhalb von 3 Tagen in Winchester anzukommen.

Die Nächte die ich mit Jaque allein in Ferres Wagen verbringen kann scheinen mir wie Sand durch die Finger zu rinnen. Verzweifelt versuche ich mir seinen Geruch, seine Hände die mich packen und sein Atem, der mir warm über den Nacken streicht einzuprägen, um es nie wieder zu vergessen. Ich kann nicht anders als ihn jeden Abend aufs Neue grob zu verführen um mein Gewissen zu beruhigen und mich für ein paar Stunden frei von Schuld zu fühlen.
Die deutlichen Spuren die ich auf seinem Körper dabei fast schon aus Wut hinterlasse sollen jedem zeigen, dass er zu mir gehört und immer wieder zu mir zurückkehren wird. Die ganze Welt soll sehen, dass niemand es wagen soll ihm Leid zuzufügen, ich allein habe das Recht dazu.

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Winchester gleicht bei der Ankunft einer belagerten Stadt, denn rings um sie herum sind schon die prächtigsten Zelte mit bunten Farben aufgestellt und ein reges Treiben herrscht in dieser Art Heerlager. Der Anblick verschlägt uns allen die Sprache und mir wird klar, dass dieses ein bedeutendes Ereignis sein wird.
Überall laufen Herolde herum, die die Ankommenden begrüßen und ihnen einen Platz zuweisen. Wir erfahren auch von ihnen, dass die Kämpfer sich zur Begrüßung in der eigens errichteten Arena einfinden sollen, wo sie schließlich in 30er Gruppen eingeteilt werden. Wir Barone werden aufgefordert unseren Platz auf der Tribüne einzunehmen, die sich gegenüber den Zuschauer Rängen befindet. Am Kopf dieser Arena gibt es eine Ehrentribüne, die allein dem König und seinem Gefolge vorbehalten ist.
Nach einer Begrüßung durch den kindlichen König Henry III, der bereits jetzt eine beeindruckende Präsenz besitzt, und seinen Vormund William Marshall, besitzt beginnen auch schon am nächsten Tag die Vorrunden.

Mein Gemüt scheint sich in der Nacht beruhigt zu haben und ich schaffe es, Jaque zumindest soweit in Ruhe zu lassen, das er sich hoffentlich bestens auf die bevorstehenden Kämpfe vorbereiten kann. In einem Zelt mit dem Rest meiner Gefolgschaft zu schlafen stört mich in dieser Nacht jedenfalls noch nicht.

Am nächsten Morgen beginnen dann auch pünktlich die ersten Kämpfe und ich kann das erste Mal sehen, dass wir uns mit Eric einen exzellenten Kämpfer angeheuert haben. An diesem Tag sehe ich auch Titus das erste Mal unter den anderen Baronen. Natürlich gebietet es der Anstand, ihn zu begrüßen und ihm ein gutes Gelingen für seine Kämpfer zu wünschen.
Zu meinem Erstaunen und meiner Angst schickt er Salem ex Criamon, der sich hier unter dem Namen Sir Shawn Brightmore anmeldet in das Turnier. Der zweite, ebenfalls beeindruckende Krieger von Titus heißt Martin Blackrock. Ich kann nur hoffen, dass Salem nicht auf Jaque treffen wird. Die Kämpfe gestalten sich meist kurz und entgegen meiner Erwartung sehr unblutig, bis auf den einen oder anderen hässlichen Zwischenfall. Ein Schwur den alle gegenüber Gott geleistet haben, ohne Magie und fair zu kämpfen, sollte niemals gebrochen werden. Das beweist uns einer der jungen Ritter der plötzlich mitten im Kampf von einem mächtigen Blitz zu Tode gerichtet wird.
Die Waffenwahl obliegt bei jedem Kampf den Kontrahenten. Jeder scheint dort seine Vorliebe zu haben.
Als Jaque seinen ersten Kampf bestehen muss bleibt mir trotzdem das Herz stehen und ich fürchte für einen Moment meine Fassung zu verlieren. Er hält jedoch, was er mir versprochen hat und gewinnt jeden einzelnen der 29 Kämpfe mit Abstand. Auch Eric gewinnt fast alle seiner Kämpfe und somit habe ich zwei Krieger nach 10 Tagen im Achtel Finale stehen.

Trotz aller Warnungen von Ferres kann ich mich nicht unter Kontrolle halten und muss ihn jeden Abend im geheimen Treffen. Ferres Wagen scheint dafür die beste Möglichkeit zu bieten, denn auch Nachts herrscht in diesem Lager ein buntes Treiben und man würde uns sicherlich bemerken, wenn wir versuchen würden uns davon zu stehlen.
Während dieser 10 Tage untersuche ich seinen Körper gründlich nach Blessuren und Spuren von den Kämpfen, kann jedoch zu meiner Befriedung nie etwas feststellen. Auch scheint unsere nächtliche Heimlichtuerei niemandem sonst aufzufallen. Und ehrlich gesagt reizt es mich heimlich mit einem der stärksten und besten Krieger Englands das Lager zu teilen, aufzupassen, dass niemand uns dabei erwischt.

Am elften Tag dieses Turniers stehen nur noch 16 Kämpfer in der Arena. Sie sind die stärksten und besten die England zu bieten hat, darunter mein Geliebter. Aber auch dieses Achtel Finale scheint weder für Eric noch für Jaque eine echte Herausforderung zu sein. Anscheinend kann ich seinen Worten Glauben schenken und muss mir tatsächlich mehr Sorgen darum machen, dass der König nach ihm verlangt und ihn dazu zwingt für ihn in den Krieg zu ziehen.
Das Viertel Finale bestreitet als erster Eric gegen Martin Blackrock. Das ist das erste Mal, dass mein Konvent gegen das von Titus antritt und verliert, was Titus natürlich sehr erfreut, wie ich seinem Gesicht entnehmen kann. Eric kann sich gegen diesen Mann einfach nicht behaupten und beendet den Kampf, bevor er ernsthaft verletzt wird. Das ist der erste Rückschlag den ich ertragen muss und er fühlt sich nicht gut an.
Auf einmal macht mir ein Kämpfer namens Thomas Wolfgard auch ernsthafte Sorgen. Er hat auf dem Weg in das Halb Finale einen Kämpfer mit einem Kriegshammer erschlagen und den Rest ernsthaft verletzt. Er wird der direkte Gegner von Jaque sein. Diesem Kampf sehe ich mit einem sehr unguten Gefühl entgegen.

16. - 18. März 1218

Noch am gleichen Abend bemerke ich zwei miteinander sich streitende Männer, der eine davon ist Titus, den anderen erkenne ich als Baron Crawley. Sehr amüsiert muss ich beobachten, wie Titus sich wie ein hungriges Raubtier auf den armen Mann stürzt. Ich komme nicht umhin zu mir selber einzugestehen, dass ich das erste Mal für Titus mitfiebere und mich ein wenig für ihn freue.

Meine gute Laune verschwindet jedoch, sobald ich an unserem Zelt angekommen bin und mir bewusst wird, dass Jaque morgen gegen Wolfgard anzutreten hat. Statt zu verzweifeln muss ich einen Plan fassen an dem ich mich hochhalten kann und der Jaque entscheidend hilft.
Er ist mittlerweile mit Jake zum Jagen gegangen um seinen Kopf frei zu bekommen. Mit vermutlich ziemlich verbohrtem Blick schreite ich an unserem Lagerfeuer auf und ab und warte auf die entscheidende Eingebung die uns zum Sieg verhilft. Das einzige was mir jedoch einfallen will ist Ferres loszuschicken um ein paar Informationen über Wolfgard einzuholen. Vielleicht sind da nützliche Sachen bei, die wir gegen ihn gebrauchen können.
Die Ausbeute nach Stunden der Recherche und des Nachdenkens ist jedoch wenig ergiebig und ich muss feststellen, dass Wolfgards einziger Makel sein Hochmut und sein Zorn ist.

Als ich Jaque damit bestürme und ihm meine Vorschläge unterbreite winkt er jedoch lässig ab, meint mal wieder, dass er das alles nicht braucht und sowieso gewinnen wird. Er treibt mich damit nicht nur in die Verzweiflung sondern langsam auch in die Resignation.
Jeder Versuch einen gesunden Streit zu provozieren scheitert einfach an seiner unbekümmerten Art, was mich maßlos ärgert. Das wird früher oder später noch einmal einen riesen Eklat verursachen. Zunächst wird es jedoch Zeit sich zur Ruhe zu begeben, auch wenn die halbe Zeltstadt um uns herum noch feiert und auf den Beinen ist.
Ich habe eigentlich vor in Ferres Wagen mit Jaque zu schlafen, da Ferres sich anscheinend dazu entschlossen hat sich die Nacht irgendwo herum zu treiben. Fast beiläufig bemerke ich, wie unser Eric Kent mit Martin Blackrock sehr gut auszukommen scheint. Die beiden torkeln laut singend und grölend ziemlich besoffen bei unserem Zelt ein.

Eine weitere Überraschung bietet der Abend uns noch. Als ich mich endlich dazu entschließen kann nicht mehr zu streiten sondern eher meine Lippen leidenschaftlich auf seine zu pressen bewegen wir uns auf Ferres Wagen zu um uns ungestört einander hinzugeben. Kaum das ich die Tür aufbekommen habe schaut mir eine fremde, nackte Frau ins Gesicht. Anscheinend hat sie nicht mich sondern Ferres erwartet. Augenblicklich richtet sich mein ganzer Zorn auf sie und ich kann lediglich ein mühsam beherrschtes „raus“ hervor pressen.
Erschreckt und beschämt wie sie ist rafft sie ihre Kleidung zusammen um sich an mir und Jaque vorbei zu stehlen. Zum Glück kenne ich sie nicht und sie hoffentlich mich auch nicht, sodass sie mich und Jaque verraten könnte. Die Sorge beschäftigt mich noch einen Moment bis ich mir der Hände gewahr werden die meine Hüfte packen um mich in den Wagen zu heben. In dieser Nacht beobachte ich Jaque sehr lange beim Schlafen, versuche mir jeden seiner Züge einzuprägen.

Erst in den frühen Morgenstunden schaffe ich es ein bisschen zu schlafen, bevor uns Lyra weckt, um mich für den Earl William D'Aubigny heraus zu putzen, der mich am Abend vorher durch einen Boten zu sich eingeladen hat. Ich störe mich nicht mehr daran, dass Lyra sieht wie Jaque meist nackt neben mir schläft. Sie genießt eine Art stilles Vertrauen bei mir. Das Ankleiden ist eine furchtbare Tortur die ich über mich ergehen lassen muss. Eingeschnürt, frisiert, verpackt, behängt und angemalt werde ich gerade soeben fertig, als der Bote sich auch schon ankündigt um mich abzuholen.
Das ist das erste Mal innerhalb dieses Turniers, dass ich die Gelegenheit habe über den Platz zu gehen und etwas anderes als die Arena zu sehen.

Der Graf ist ein etwas älterer Mann mit einem Schnurrbart. Er macht einen freundlichen Eindruck auf mich und ich dank meines Zaubers ebenfalls auf ihn. Das Gespräch dreht sich hauptsächlich um belangloses Zeug. Ich erfahre zwar, dass Titus sich mit ihm bereits getroffen hat und angeblich ein paar interessante Vorschläge gemacht hat.
Das beunruhigt mich in keinster Weise, da ich weiß, dass Titus sich bereits einen Ruf als sehr streitsüchtig beschert hat. Ich erfahre jedoch auch, dass der Vater von Wolfgard der einflussreiche Baron Lord John Wolfgard von Jorvis ist. Er ist bekannt für seinen Jähzorn und seine nachtragende Art. Was ist also, wenn Jaque seinen Sohn nicht nur besiegen sondern auch verletzen sollte?

Ich kann mir darüber kaum Gedanken machen als mir auch schon die ersten Heiratskandidaten vorgeschlagen werden, nachdem er erfahren hat, dass ich wohl ledig bin. Mit Händen und Füßen versuche ich mich davor zu retten, denn eigentlich bin ich längst vergeben. Aus dem Augenwinkel sehe ich bei einem Händler etwas aufblitzen, was meine Aufmerksamkeit erregt.
Noch aus der Ferne kann ich diesen Helm entdecken, den ich in meiner Vision mit Jaque gesehen habe.

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Sofort lenke ich meine Schritte dahin um ihn näher ansehen zu können. Er ist ganz aus Bronze mit einem roten Federbusch. Kaum das ich mich versehe, habe ich ihn für 28 Silberpfund gekauft. Mittlerweile weiß ich von dem Händler, dass das gute Stück aus Griechenland kommt und ich kann kaum erwarten Jaque damit zu sehen.

Zum Abschluss dieses kleinen und sehr teuren Ausflugs lädt mich der Earl zu einem Bankett ein, zu dem anscheinend alle Barone kommen werden. Danke nehme ich diese Einladung an, ohne mir vorher über die Konsequenzen bewusst zu sein, die mir Theodor dann jedoch aufzeigt. Anscheinend ist es nicht möglich ohne eine jahrelange Ausbildung zu einem solchen Bankett zu gehen und sich nicht zu blamieren.
Es ist erforderlich nicht nur den Umgang mit Lord und Lady zu üben sondern auch die Gebräuche rund um essen und tanzen zu erlernen. Ich halte das alles für sehr albern und unangemessen. Deswegen ist es auch nicht schade, dass ich diesem Bankett dann doch fern bleibe.

Der Morgen neigt sich dem Mittag zu und ich muss dringend noch einmal Jaque sehen, bevor er in den Kampf um das Viertel Finale muss. Ich finde ihn nach kurzer Suche, wie sollte es anders sein, an einen Baum gelehnt in der Sonne sitzen.
Nach kurzem Zögern setze ich mich einfach zu ihm, auch wenn sich das in diesem Kleid schwieriger gestaltet als gedacht. Ich zeige ihm den Helm, den er zwar schick findet aber auch als er den Helm aufsetzt zeigt sich keine Reaktion außer, dass es genau dem Bild meiner Vision entspricht. Es ist fast schon unheimlich ihn als einen antiken griechischen Kämpfer zu sehen.

Hier gestehe ich ihm auch das erste Mal, dass ich so eine Art Visionen habe und ihn schon mal mit so einer Rüstung gesehen habe. Er reagiert ziemlich verdutzt und ich versuche danach nicht weiter darauf einzugehen und ihn mit dem Thema heiraten abzulenken. Das ist eine meiner grandiosen Ideen, wie ich feststellen muss, denn kaum das ich mich versehe habe ich ihn erneut beleidigt und verletzt.
Erst erzähle ich ihm von den Heiratskandidaten die mir der Earl vorgeschlagen hat und dann auch noch von dem Drängen von Theodor endlich jemanden zu heiraten.
Er antwortet auch wie ich mir das gewünscht habe und sagt mir, dass er nichts von Zweckehen hält und aus Liebe heiraten möchte, genauso wie er weiterhin mit mir zusammen sein will. Mein Herz macht ein paar Sprünge, ich höre das gern, dennoch schaffe ich es sehr schnell ihm das seinige zu zerbrechen indem ich ihm einfach sage, dass ich versuchen werde eine Heirat mit einem fremden aufzuschieben und es dabei nicht sofort ausschließe einen fremden überhaupt zu heiraten.

Ich sehe in seinem Blick wie sehr ich ihm damit wehgetan habe und es tut mir weh ihn so zu sehen und auch noch die Ursache dafür zu sein. Vielleicht ist das der Grund, der mich dazu bringt mich bei ihm zu entschuldigen und ihm zu erklären, dass ich das eigentlich nicht so gemeint habe und ich mir eigentlich gar nicht vorstellen kann einen fremdem zu heiraten, mir aber dennoch vorstellen kann, überhaupt zu heiraten.
Wenn ich gewusst hätte, wo das alles endet hätte ich meinen vorlauten Mund gehalten. Mit ernstem und entschlossenem Blick sagt er mir doch dann tatsächlich :“wenn ich das Turnier gewinne, und das werde ich, werde ich um deine Hand anhalten, wenn die richtige Zeit gekommen ist.“

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Mir bleibt auf einmal die Luft weg, ich kann einfach nicht mehr atmen, er meint es wirklich ernst. Er liebt mich so sehr, dass er mich wirklich heiraten will. Er macht mir gerade einen Antrag! Die aufkommende Panik schnürt mir die Kehle zu und ich muss aus diesem engen Kleid raus, ich bekomme keine Luft mehr. Geschwind und schnell fahren seine geschickten Finger durch die Schnüre und lösen sie, sodass ich endlich wieder zu Atem kommen kann. Ich sage ihm direkt, dass ich mir nicht sicher bin, ob er mich wirklich haben will. Er entgegnet, dass er sich entschieden hat und ich anscheinend diejenige bin, die er haben will.
Ich kann nichts dazu sagen und küsse ihn einfach. So liegen wir mitten am Tag im grünen Gras, küssend und liebend und es scheint als ob ich mich gerade gebunden hätte.

Die Stunden der vertrauten Zweisamkeit sind gezählt und Finnley reißt uns endgültig heraus, als er verschämt fragt ob er Jaque jetzt beim Ankleiden in die Rüstung helfen soll, da es an der Zeit ist sich fertig zu machen für das Turnier. Auch der vermeintliche Abschiedskuss, der mir meine Sorge nehmen soll kann mich nicht wieder besänftigen. Ich spüre wie ich ihn Aufruhr gerate und mein innerstes sich verkrampft als ich ihn gehen sehe.
Lyra wird mich parallel wieder richtig ankleiden und mich dann getrennt von Jaque zu der Arena begleiten, wo ich erneut allein auf die Tribüne muss um dem Spektakel beizuwohnen. Die anderen Lord und Ladies nehme ich kaum wahr und ich bin mir bewusst, dass die nächsten Momente über mein Leben entscheiden werden. Wolfgards massiger Körper erscheint in der Arena und ich höre den Pöbel buhen und schimpfen. Anscheinend genießt er kein gutes Ansehen. Jaque scheint ihm gegenüber körperlich völlig unterlegen zu sein.
Den Kampf den ich mit ansehen muss raubt mir den Verstand und trübt mir die Sinne, sodass sich eine Vision von Jaques Tod vor meine Wahrnehmung schieben kann. Hilflos meinem Schicksal ausgeliefert glaube ich den Bildern, die mir eine Macht vorgaukelt und ihn vor meinen Augen sterben lässt, zerquetscht von einem Kriegshammer. Als sich meine Sicht klärt und mir die ersten Tränen über das Gesicht strömen, sehe ich, dass Wolfgard am Boden liegt und Jaque gesiegt hat.
Ich kann mein Glück kaum fassen und bin mir in dem Moment sicher, dass ich diesen Mann irgendwann einmal heiraten will. Kaum das der Kampf beendet ist und Jaque die Arena verlässt eile ich auch schon von der Bühne um ihn an unserem Zelt abzufangen. Beiläufig erfahre ich noch wie Salem anscheinend aufgrund einer Verletzung die er sich beim Kampf gegen Sir Walter Wayne zugezogen hat aufgibt. Und das wobei der doch gewonnen hat und ebenfalls im Halbfinale stünde. Aus dem Augenwinkel kann ich jedoch Titus sehen, der zu lächeln scheint als dies verkündet wird. Warum lächelt er? Hat er es so gewollt, weil er seinen besten Kämpfer nicht an den König verlieren will? Die Gedanken beschäftigen mich noch auf dem ganzen Weg bis zu unserem Lager, wo ich ihn endlich wieder sehe.

Ob es an dem Heiratsversprechen oder dem relativ laschen Gegner Karl Gross liegt weiß ich nicht, auf jeden Fall kann ich dem Finale sehr gelassen entgegen sehen. Uns bleiben von nun an zwei Tage bis zu unserem Finale. Zwei Tage die ich auf meine Art genießen werde. Am zweiten Tag erreicht uns ein Brief im Namen des Königs der uns schwarz auf weiß bescheinigt, dass Jack Mort sowie Eric Kent in den Stand eines Ritters erhoben werden. Sir Jack Mort. Das bringt unsere Stände ein bisschen näher zusammen und die Probleme etwas weiter weg. Laut dem Brief sollen sie nach dem Finale am Abend ernannt werden.

In der Nacht vor dem Finale habe ich erneut eine meiner Visionen die mir die Zukunft vor Augen führt und meine Kinder wieder erscheinen lässt. Die Weichen in meinem Leben scheinen sich gestellt zu haben, jetzt gilt es jede Bedrohung aus dem Weg zu räumen. Es mag an meiner allgemein guten Laune liegen, dass ich Theodor sogar gestatte seine Lehranstalt noch in diesem Jahr zu bauen und die ersten Schüler anzunehmen.

In der Nacht vor dem Finale erscheint überraschend Titus an unserem Lager und geht mit Jaque fast eine Stunde spazieren. Das ist das erste Mal seit fast zwei Jahren, dass die beiden sich wiedersehen und ich kann nur vermuten, dass er Jaque alles Gute wünscht. Vielleicht sind sie noch mehr befreundet als ich dachte. Merkwürdiger Weise bin ich in dieser Nacht entspannt und so ausgeglichen wie seit zwei Wochen nicht mehr was auch Jaque zu spüren bekommt. Ich kann zärtlich und liebevoll sein, wenn ich in der Laune dazu bin. Dies ist anscheinend eine gute Nacht dafür.

Am Tag des Finales verkauft Ferres so viele Fanartikel wie er nur kann, dazu hat er leider unseren Wachleuten die unteren 20 cm des Kettenhemdes abgekauft und verkauft so jeden Ring einzeln. Ich hatte vergessen wie unglaublich einfallsreich er doch ist. Als der Kampf endlich beginnt sehe ich zwei ebenbürtige Gegner, die sich gegenüber stehen.

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Der Kampf ist von unglaublich hohem Niveau. So etwas hat noch nie jemand zuvor gesehen, dessen bin ich mir sicher. Entgegen meiner ganzen Zuversicht muss ich mit ansehen, wie Jaque diesmal tatsächlich getroffen und verwundet wird. Ein schwerer Schlag trifft seine linke Schulter und kurz darauf fließt tatsächlich Blut. Einen weiteren Schnitt zieht er sich an der rechten Hand zu, seiner Schwerthand.
Die Verletzung erlaubt ihm nicht sein Schwert weiter sicher zu führen und er greift tatsächlich zu einem Speer.

Einen Speer wie ich ihn schon einmal in meiner Vision gesehen habe. Mit diesem Speer holt er in einem gewaltigen Sprung aus und rammt ihm Sir Karl Gross in die rechte Schulter. Der Kampf ist beendet. Jaque hat gewonnen und löst so sein Versprechen ein. Irgendwie bin ich so noch ein Stück mehr verlobt. Erneut eile ich nach dem Kampf zurück zu unserem Lager wo Robert Cole und Finnley dabei sind Jaque aus der Rüstung zu holen.
Irgendwie macht es mir nicht so viel aus ihn blutend und ziemlicher erschöpft zu sehen. Er hat gewonnen und überlebt. Seine Wunden werden versorgt und er wird das überleben. Meine kläglichen Versuche mir für seine Verletzungen die Schuld zu geben wird einfach mit dem Satz:“ Ich will da gerade nicht mit dir drüber diskutieren“ quittiert.

Er zieht mich einfach zu sich auf das Lager und so ruhen wir für eine Weile in den Armen des anderen. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass er das gleiche wie ich denkt, was unsere Zukunft angeht. Am Abend kommt Finnley zu uns, der uns erneut stört und mir von einem Boten berichtet, der vor der Tür steht.

Wiederwillig komme ich mit raus um den Boten zu empfangen. Ich sehe einen großen, zierlichen Mann vor mir. Er ist sehr hübsch und hat irgendwie etwas Fremdartiges an sich. Nach einem kurzen Gespräch stellt sich heraus, dass er eine Fee ist und mir einen horrenden Preis für Jaque zahlen will. Nach zähem hin und her erfahre ich, dass er nach Griechenland gebracht werden soll, zu einem Magus wie ich annehme.
Der hat sein Potential entdeckt und meint, dass Jaque der richtige für ihn sei. Die Fee bietet mir tatsächlich 100 Vis und 100 Gold für ihn. Das macht mich hellhörig. Nach kurzer Besprechung mit einem ziemlich müden und geschafften Jaque, der trotzdem noch eifersüchtig auf einen mir hübsch erscheinenden Mann reagiert, beschließe ich, dass wir nach Griechenland fahren werden. Wir beide zusammen. Allein.

Die Entscheidung wird von der Fee akzeptiert, ich muss einschlagen und er küsst darauf meine Hand um sich augenblicklich in Rauch aufzulösen. Die Informationen die ich von der Fee bekomme besagen, dass wir uns Anfang August in Thessalien, am Berg Pelion und dessen Hauptgipfel Pliassidi einfinden sollen. Dort soll es eine Höhle nah an dem Gipfel des Berges geben.
Unglaublich was ich da eben beschlossen habe. Und vor allem allein beschlossen habe, weil der Herr mal wieder völlig sorglos erscheint und mir einfach wie ein treuer Hund hinterher trotten würde.

18. März - 30. März 1218

Am Abend des 17. März 1218 ist es endlich soweit. Eric Kent und Jack Mort soll die Ehre einer Rittersleite zu teil werden. Das ist der Lohn für ihre Verletzungen und den Sieg, den sie davon getragen haben.
Ferres und Theodor sind furchtbar aufgeregt, auch wenn sie nicht dürfen. Sie versuchen mich in kürzester Zeit einzuweisen, wie ich richtig vor dem König zu knicksen habe, wie ich ihn ansprechen soll, falls es dazu kommen sollte und vor allem wie ich den anderen Leuten begegnen soll. Es scheint mir fast unmöglich in so kurzer Zeit zu lernen, wie ich meine Beine derart verschränke, dabei noch in die Knie gehe und diese Position halte. Wie soll man sich dabei nicht die Beine brechen?
Nachdem ich diese Tortur endlich hinter mich gebracht habe, gehen wir im Sonnenuntergang auf die Burg des Königs zu, im Hintergrund sehen wir die Kathedrale von Winchester, die gerade gebaut wird und sicherlich einmal zu den größten und prächtigsten von ganz England zählen wird.

Am Hofe des Königs werden wir bereits erwartet und von einer Heerschar von Boten in einen großen Saal geführt. Der Saal ist voll von Edelmännern und Frauen, die in den prachtvollsten Gewändern gekleidet sind und dem König den Hof machen.
Uns empfangen tausende von Blicken, die uns scheinbar auf jeden Makel hin mustern und untersuchen. So nervös war ich das letzte Mal vor zwei Jahren, als wir den hermetischen Eid geschworen haben und unser Abenteuer begann. Der Unterschied ist nur, dass ich hier fremd bin und mich nicht auf meine wertvollen Erfahrungen als Maga berufen kann. Der Blick nach vorn gibt endlich die Sicht frei auf den König und seine Gefolgsleute. Henry III besitzt den Körper eines Kindes und die Aura eines Herrschers. Mit einem Schlag werden mir alle meine Sünden bewusst, die süße Qual peitscht mir durch den Körper.

Am liebsten würde ich vor ihm auf die Knie sinken und um Vergebung flehen. Vergebung vor Gott und seinem rechtmäßigen Stellvertreter. Das größte Vergehen ist in meinen Augen, dass ich Jaque in meinen Sündenpfuhl mit hinein gezogen habe und somit etwas Reines befleckt habe. Wie durch einen Schleier bekomme ich mit, dass wir uns alle vor dem König verbeugen, ihm seinen Tribut zollen.
Als Jack Mort gebeten wird vorzutreten schärft sich meine Sicht wieder und ich kann beobachten wie Sir William Marshall ihm die Frage stellt, ob er bereit ist den letzten unerwiderten Schlag seines Lebens zu empfangen. Jaque antwortet mit einem Ja, kniet sich nieder und empfängt eine wuchtige Ohrfeige, die seinen Kopf herum rucken lässt.
Ein heftiger Schmerz zieht sich auf einmal durch meinen Unterleib, als ob William Marshall nicht nur ihn schlagen würde sondern auch mich. Ich muss mich zusammenreißen um nicht leise aufzustöhnen. Der Schmerz endet, als Eric Kent nach vorn tritt und Jaque sich wieder vor mich stellt. Der Blick auf seinen Nacken beruhigt mich, am liebsten würde ich meine Finger durch seinen Haaransatz streifen lassen, doch der Anblick des Königs, den ich schräg an Jaque vorbei sehen kann straft meinen Gedanken.

Die Schuld wallt in mir hoch und ich kann nicht anders als mir selbst fest zu versprechen, diesem lasterhaften Leben durch eine Heirat ein Ende zu setzen. Wenn er mich fragt, werde ich ja sagen. Nach diesem Eingeständnis kann ich ein wenig beruhigter Erics Rittersleite zuschauen. Auch er wird heftig geschlagen und taumelt sogar ein wenig, wahrscheinlich durch die zusätzlichen Verletzungen die sich im Turnier zugezogen hat.

Beiden wird ein Stück Land meiner Baronie zugesprochen, womit ich aber leben kann. Jaque wird außerdem als Sieger des Turniers ein Stück Land in Hampshire geschenkt. Das ist sein großer Gewinn. Mir ist dabei fast Titus grinsendes Gesicht entgangen, als er Jaques Namen gehört hat. Ich habe ihn wohl weislich unter Jack Mort melden lassen, damit es keine Verbindungen zu den Franzosen gibt. Titus nimmt das nun wohl als Anlass um wieder einen Punkt gegen mich zu sammeln. Soll er sich ruhig in Sicherheit wiegen.
Auch sein Kämpfer Martin Blackrock bekommt die Ehre einer Rittersleite und ein Stück Land in Titus Baronie. Alle drei bekommen zum Abschluss der Zeremonie eine Schwertscheide und Sporen überreicht, die sie als Ritter kennzeichnen. Nach einer halben Ewigkeit kommen wir aus der Burg heraus. Mir ist als ob eine Last von meinen Schultern fällt. Eric und Jaque haben beide jeweils einen roten pulsierenden Handabdruck auf der Wange, der von der Wucht des Schlages zeugt.

Den kurzen Marsch zurück zum Zelt bringe ich schweigsam hinter mich. Ferres und Theodor, die uns bereits am Tor der Burg empfangen haben wuseln die ganze Zeit um unsere beiden frischen Ritter umher. Bestaunen alles und fragen die beiden aus, wie es denn gewesen wäre. Der einzige der mehr als zwei Worte dabei rausbringt ist Eric. Er scheint sich der großen Ehre bewusst und kann diese auch genießen. Wenigstens einer. Am Zelt angekommen fängt mich auch schon Finnley ab, der mir sagt, dass ein Bote aus York auf mich warten würde.
Sofort zwinge ich mich dazu meine Gedanken zu sammeln und mich zu Disziplin und Ordnung zu rufen. Im Zelt erwartet mich ein pompös gekleideter älterer Mann, der einen ziemlich wütenden Eindruck macht. Noch bevor ich mich fragen kann, was er eigentlich will fängt er auch schon an mich mit einem Schwall von Worten zu bedecken.

Irgendwie kann ich raushören, dass er mich doch tatsächlich warnt Wolfgard noch einmal zu begegnen, denn dieser sei sehr wütend, weil mein Kämpfer ihn unfair besiegt habe. Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen wie man so unangebracht und ausfallend sein kann. Er sagt doch tatsächlich, dass wir daran schuld sind, dass sein schwachsinniger und blutrünstig brutaler Sohn jetzt ein Krüppel ist, weil wir nicht rechtens gewonnen haben.

Zu guter Letzt hat der Mann noch den Nerv zu sagen, dass er ja wissen würde, was ich in der Nacht treibe. Das ist so unverhohlen Plump, dass es mir den Zorn ins Gesicht treibt. Kurz bevor ich explodieren kann sucht der Mann auch das Weite. Das ist sicherlich das klügste, was er in der letzten Zeit getan hat. Ich kann meinen Zorn und mühsam bremsen und verlange sofort nach Lyra, damit sie mich aus diesen furchtbaren Kleidern befreit. Prinzessin für ein paar Stunden am Tag zu sein reicht mir.

Der Abend verläuft für die anderen entspannt, da sie endlich unseren Sieg genießen und feiern können. Die Bediensteten sind derweil schon damit beschäftigt alles zu soweit einzuräumen und zu verpacken, damit wir am nächsten Morgen möglichst schnell abreisen können.

So mies wie der Tag endet scheint auch die Nacht zu beginnen. Natürlich rede ich mit Jaque über meinen Ärger und meine Wut, er kann mich ja auch immer beruhigen aber wie bei den Heiligen bin ich auf das Thema ehemalige Partner gekommen? Warum frage ich ihn auch noch, wie viele Frauen er vor mir hatte? Was habe ich mir dabei nur gedacht? Wie ich nun weiß, war er vor mir nicht nur Jungfrau und unbefleckt nein er hat sich auch einfach mit mir eingelassen, obwohl er wusste, dass ich es nur auf seinen Körper abgesehen hatte.

Darauf hat er eine klare Antwort. Er sagt mir, dass ich mich nie mit ihm eingelassen hätte, wenn er sich an dem Abend verweigert hätte. Wusste er schon damals, was er von mir will und das ich die Eine für ihn bin? Warum tut er das bloß? Und woher weiß er, wie man derart mit einer Frau umzugehen hat? Natürlich kommt es, wie es kommen muss und er fragt mich, mit wie vielen Männern ich vor ihm schon mein Lager geteilt habe.

Spätestens jetzt muss ich mich aufsetzen, ein wenig von ihm abrücken und mich an eine Wand des Wagens von Ferres lehne. Ich versuche meine Gedanken zu ordnen und ihm das so sachlich wie möglich zu sagen. Ich sage ihm, dass ich mit ihm den besten Sex meines Lebens habe und Sex für mich nicht nur schön und befriedigend ist, sondern auch eine Sucht ist, die gestillt werden muss. Diese Sucht habe ich schon immer und schon lange vor ihm verspürt und gestillt.

Hoffentlich versteht er was ich meine und läuft dennoch nicht gleich weg. Spätestens jetzt sollte er begreifen, dass ich die Sünde in Person bin. Das kühle Laken, das ich mir bis unter die Achsel gezogen habe, vermag vielleicht meine Nacktheit zu verbergen aber nicht meine Scham, die ich in dem Moment empfinde. Zu meiner großen Verwunderung umspielt ein leichtes Lächeln seine Lippen, was ihn unglaublich umwerfend aussehen lässt - und, wie mir in den Kopf schießt, wahrscheinlich jede Frau sofort dahinschmelzen lassen würde. Dann macht er doch tatsächlich Anstalten, mich aus den Kissen und unter meinem Laken hervor zu ziehen. Ich zögere kurz, da ich nicht weiß, was er jetzt von mir will oder erwartet.
Er zieht mich vollends an sich heran und unter meiner Decke hervor, bettet mich auf den Rücken und beugt sich über mich, so dass sich unsere nackten Körper berühren. Er flüstert mir mit sanfter Stimme ins Ohr: „So lange ich alleine diese Sucht befriedigen kann, bin ich der glücklichste Mensch auf Erden, was war zählt nicht, nur was wird.“

Ich bin so überrumpelt, dass ich das erste Mal schier unsicher bin, als er mit mir schläft. Selten habe ich ihm so sehr die Kontrolle überlassen. Anscheinend habe ich ihm sehr gut gezeigt, wie man mit einer Frau Sex hat, denn das, was er in dieser Nacht mit mir macht, habe ich noch nie erlebt.
Ich sollte ihn öfter die Kontrolle übergeben und mich fallen lassen. Auf diese Art falle ich gern eine Klippe hinunter. In der Nacht werde ich ihm offen ins Gesicht sagen, dass ich ihn liebe, ohne, dass er dabei schläft.

Ich kann ihm das erste Mal in die Augen schauen, stolz und verliebt. Verschwitzt, ausgelaugt und glücklich schlafe ich in dieser Nacht so gut wie lange nicht mehr. Am nächsten Tag reisen wir ab und kann mein grinsendes Gesicht kaum verbergen.
Theodor ist zum Glück nicht so einfühlsam und schwer beschäftigt, dass er überhaupt nicht merkt, wie ich in der Kutsche mit meinen Erinnerungen an die letzte Nacht beschäftigt bin.

Am Abend rasten wir wie üblich an einem großen Platz, wo wir ein Lagerfeuer und die Zelte aufbauen können. Ich weiß nicht mehr warum Ferres sich verplappert hat, auf jeden Fall habe ich mitbekommen, dass er zusammen mit Theodor sich durch die Zelte der Frauen auf dem Turnier geschlafen hat.
Ich konnte mir das bei Ferres ja schon denken aber, dass er Theodor damit rein zieht hätte ich nicht gedacht. Ich bin stink sauer und wütend auf ihn, vor allem weil er auch noch versucht die arme Lyra in seinen Bann zu ziehen. Sie ist Finnley zu Hochzeit versprochen.
Hat er denn kein Verantwortungsgefühl mir und der Baronie gegenüber? Wenn jemand das raus bekommt und sie nur die falsche Frau angefasst haben, werde ich dafür büßen müssen.
Ich ganz allein mit meinem Hals und Namen. Unser Streit wird immer heftiger und auch lauter, zumindest haben wir noch den Anstand ein paar Schritte abseits zu gehen um die anderen nicht direkt damit rein zu ziehen. Anscheinend will er in dem ganzen Streit nicht verstehen, dass uns niemand mehr kennt und wir einfach von Dorf zu Dorf ziehen können.
Ich muss ihm klar machen, dass hier weitaus mehr auf dem Spiel steht. Nicht, dass er das nicht nur nicht versteht sondern er beschimpft mich auch noch lauthals vor den Ohren der anderen, dass ich ja selber nicht besser wäre und auch erst mit unzähligen Männern geschlafen hätte, bevor ich Jaque schließlich kennen gelernt habe.
Ich traue meinen Ohren nicht, als er das sagt. Für mich hat er an diesem Punkt eine Grenze überschritten und mich ernsthaft verletzt. Ich kann nicht anders und verpasse ihm eine schallende Ohrfeige, damit lasse ich ihn stehen.

Wieder bekommt Jaque dies alles zu hören, fängt mich in meiner Wut und meinem verletzten Stolz auf. Ich kann mir denken, dass es nicht einfach ist zu hören, dass die Frau die er liebt eine Hure war. Oder bin ich das noch immer?
Am nächsten Tag unserer Reise bin ich wahnsinnig angespannt und spüre immer noch die Wut in mir kochen. Keiner sollte es jetzt wagen mich auch nur anzusprechen. Ferres ist der erste von uns beiden der schließlich noch am gleichen Tag nachgibt und mich anspricht.
Tatsächlich entschuldigt er sich auch und gelobt Besserung. Ob ich ihm das glauben und noch mehr ihm vertrauen sollte weiß ich noch nicht. Fest steht nur, dass er mich eigentlich noch immer begehrt und vermisst, mehr als ich gedacht hatte.
In mir kommen sofort die Bilder unserer vielen gemeinsamen Nächte hoch. Einen kurzen Augenblick nur habe ich das Gefühl ihn küssen zu müssen um seine Entschuldigung anzunehmen und alles wieder gut werden zu lassen.

Am 28. März kommen wir schließlich am Konvent wieder an und ich bin froh, dass noch jeder Stein auf dem anderen steht. Zumindest von außen scheint das so. Nach einem kurzen, sehr aufschlussreichen Gespräch mit dem Stalljungen weiß ich jedoch, dass Ammon in meiner Abwesenheit das halbe Konvent in die Luft gesprengt hat. Ich bin fassungslos und habe es auch irgendwie kommen sehen.
Wütend gehe ich in das Konvent um mir die Schäden selber anzusehen und komme an dem Zimmermann vorbei, der schon dabei ist Ammons Möbel wieder herzustellen.
Was ich da sehe treibt es auf die Spitze. Anstatt sich darum zu kümmern, dass die Decken und Böden als erstes wieder instand gesetzt werden, lässt der feine Herr sich zuerst seine Möbel schreinern. Forschen Schrittes bewege ich mich in die Cemenate um mir die Schäden von unten sowie von oben aus Ammons Zimmer anzusehen.
Große Rußspuren malen ein Bild von der großen Explosion, die hier stattgefunden hat. Da die Cemenate unbrauchbar ist, muss ich die Dienstmägde anweisen die Stühle und den Tisch nach draußen zu schaffen, wo wir unser Mahl für die Nächste Tage einnehmen werden.

Falco ist, wie sollte es anders sein, nicht am Konvent und auch seit Wochen nicht mehr gesehen worden, bittet aber dennoch um eine sofortige Unterredung, wenn er wieder da ist. Schön, dass er mir ausrichtet, dass er mit mir reden will. Aber wo steckt er? Ammon ist nach seinem Unfall ebenfalls nicht zugegen, was auch besser für ihn und mich ist, damit meine Wut erst mal verrauchen kann.

Bei unserem festlichen Abendmahl, welches ich auch zu ehren unserer tapferen Kämpfer veranstalten lasse merke ich zum ersten Mal wie unwohl sich Jaque eigentlich fühlt. Ihm scheinen der Ruhm und die Aufmerksamkeit nicht gut zu bekommen. Mir fällt auch auf, dass sämtliche unserer weiblichen Bediensteten ihn offensichtlich begehren und nur zu gern näher an ihn kommen würden.
Doch wissen sie ganz genau, wessen Eigentum er ist und können erahnen, welche Konsequenzen es geben würde, würden sie es auch nur wagen eine Hand an ihn zu legen Jaques dagegen scheint kein Interesse an ihnen zu haben und verlässt früh das Essen um sich Jake zu widmen. Vielleicht findet er mit ihm ein wenig Entspannung bevor ich spät in der Nacht zu ihm stoßen kann.

Als das Fest schon fortgeschritten ist, sehen alle einen Mann mit einer hellen Fackel auf das Konvent zulaufen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich Ammon, der eine Art brennendes Knäul auf der Schulter trägt. Es scheint ihn dabei nicht zu verbrennen. Endlich an der Festtafel angekommen sehen alle, dass er eine Art Vogel auf der Schulter trägt.
Die beiden strahlen allerdings um die Wette. Ammon sieht gelassener und friedlicher als jemals zuvor aus. Er scheint eine Art Seelenheil mit seinem Vertrauten gefunden zu haben. Nach ausreichender Entschuldigung, kann ich ihm den Unfall verzeihen, ringe aber inzwischen allen anwesenden Magi das Versprechen ab uns um einen Feuerschutz für das Konvent zu kümmern.

Falco führt ebenfalls sein wichtiges Gespräch mit mir an diesem Abend. Er eröffnet mir, dass er eine Vis Quelle gefunden hat und sie dem Konvent gern zur Verfügung stellen würde. Natürlich seien daran auch gewisse Bedingungen geknüpft. Ich muss aufpassen mich nicht ganz seinem Willen zu unterwerfen und somit erpressbar zu werden, dennoch sollte ich ihn in dem Glauben lassen, dass er die volle Kontrolle darüber hat. Ein genau ausgehandelter Vertrag wird dem Konvent daraufhin mindestens eine Dekade lang uneingeschränkten Zugriff darauf erlauben.

Tief in der Nacht kann ich die Festlichkeiten endlich verlassen um mit Jaque die vertraute Einsamkeit zu genießen. Endlich schafft er es sich zu entspannen und zu öffnen, dennoch fühle ich, wie sehr ihn der Ruhm bedrückt und zu schaffen macht. Für den nächsten Tag überlege ich mir deshalb eine kleine Besonderheit, die ihn hoffentlich ein bisschen ablenken kann, nicht das ich in dieser Nacht für zu wenig Abwechslung sorge. Aber auch hier merke ich, dass er sich eher passiv verhält und mir gern meine Führung zurückgibt.

Bei Anbruch des Morgens machen wir uns gemeinsam auf um sein Land zu besichtigen. Ich habe jedoch nicht vor schon wieder eine dreitägige Reise zu unternehmen. Ich will mit ihm auf einer Wolke fliegen. So werden wir auch nach Griechenland reisen. Das geht schneller, ist sicherer und auch einfacher. Allerdings hatte ich mit ein bisschen mehr Begeisterung gerechnet, als ich ihm zeige, dass ich einfach eine Wolke vom Himmel hole, auf die er sich setzen kann. Er ist zu viel Magie gewohnt. Eindeutig.
In nur zwei Stunden sind wir in Hampshire und können von oben auf sein Land blicken. —Beschreibung folgt, wenn sie In-Time erfolgt ist—

Schon auf dem Hinflug habe ich gemerkt, dass ihn das sehr freut, ihm ein Lächeln abringen kann. Ich glaube das war die richtige Idee um ihn wieder aufzuheitern. Zwei Tage später wird diese Heiterkeit allerdings verschwinden und uns unsere Sterblichkeit vor Augen führen. An diesem besagten Abend sitze ich in der Cemenate mit Ammon, Falco und Meredith, eigentlich wollten wir gerade besprechen, wie wir an einen Steinmetz kommen, der uns den oberen Teil des Konvents aus Stein baut und damit gegen ein Feuer schützt.

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Mitten in Ammons Satz hören wir einen fürchterlichen Schrei von draußen. Es ist Finnley der dort unter Schmerzen und Todesangst aufschreit. Schließlich reißt der Schrei ab und es kracht sehr laut, als etwas in den Stall einschlägt. Alarmiert stehen sofort alle anwesenden Magi auf und stürmen zu Fenstern und Türen. Ich selber gehe durch die große Haupttür aus der Cemenate um nachzusehen, was draußen vor sich geht.
In dem Moment höre ich ein lautes Krachen hinter mir und sehe vor mir wie ein Baum in unser Gesinde Haus einschlägt. Ungläubig bin ich kurz von diesem Anblick schockiert.
Aber auch nur so lange, bis ich sehe, dass ein riesiger Baum um unser Konvent kommt, der wild mit seinen peitschenden Ästen um sich schlägt und dabei fast die Wände unseres Konventes einreißt. Sein wütendes Gesicht verrät mir, dass er mit irgendetwas anscheinend sehr unzufrieden ist. Kaum, dass er komplett um das Haus herum gekommen ist trifft ihn ein mächtiger Flammenstrahl, der spurlos an ihm abprallt.

Spätestens da wird mir klar, dass wir gegen diese Kreaturen auf die Stelle nichts Effektives ausrichten können. Aus dem Augenwinkel bekomme ich noch mit, dass Jaque sich halb nackt mit einem Messer bewaffnet hinter mich stellt. Irgendwie scheint er dem Gedanken erlegen zu sein, mich auch hier schützen zu können. Schnell fasse ich den Entschluss dieses Wesen einfach anzusprechen, auch um weitere Zerstörungen erst mal zu verhindern.

Mein lautes „haltet ein!“ schallt durch den ganzen Hof und tatsächlich hält dieses Wesen ein. Auch die anderen, kleineren Bäume halten mit ihrer Zerstörung ein. Nach einem kurzen und sehr beängstigenden Gespräch mit einem Baum stellt sich heraus, dass sie sich für ihre getötete Familie rächen wollen. Wir hatten bei Einzug in das Konvent einen Bereich abholzen lassen um einen besseren Überblick zu bekommen. Wiederwillig verpflichte ich uns dazu neue Bäume anzupflanzen und so zu verhindern, dass unser Konvent zerstört wird.
Innerlich mache ich mir eine Anmerkung, dass wir endlich lernen sollten unser Konvent mit einem Schutz zu versehen. Und zwar unverzüglich.

30. März - 4. April 1218

Mitten in diesem Durcheinander und Chaos mache ich mich mit Meredith auf, um nach Verschütteten und Verletzten zu suchen. Unsere Bediensteten sollen nicht für das leiden, was wir möglicherweise verursacht haben.
Die Beschädigungen scheinen am Gesindehaus am schlimmsten zu sein. Die halbe Decke ist eingestürzt, Balken und Trümmer versperren uns den Weg. In einer Ecke finden wir auch Lionel Johnson, der unter einem Balken eingeklemmt worden ist. Schnell ist der Entschluss gefasst, dass wir ihm mit Magie helfen werden, indem wir einfach den Balken wegheben. Das ist nicht mehr als eine Fingerübung für uns, bietet unseren Bediensteten jedoch ein sehr gutes Beispiel für Magie.

Mittlerweile ist Robert Cole, unser Heiler aus dem Dorf, zusammen mit dem Priester eingetroffen. Beide sind sichtlich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung, machen sich jedoch sofort ans Werk.
Jaque kniet zu meinem Erstaunen neben Finnley und versorgt ihn notdürftig, bis ihn Robert Cole wegscheucht. Kann er etwa auch heilen? Zumindest hat er Ahnung davon einen Pfeil aus meiner Schulter zu ziehen, ohne dabei noch mehr zu zerstören.
Ich habe keine Zeit mir weiter darum Gedanken zu machen, denn der Anblick von Finnley reißt mich aus diesen Überlegungen. Sein rechtes Bein steht unnatürlich schief von seinem Körper ab, sein linker Arm ist fast von seinem Körper getrennt.
Zum Glück scheint er in eine tiefe Bewusstlosigkeit gefallen zu sein, sodass er hoffentlich keine Schmerzen spürt. Auch hier kann ich magisch eingreifen und ihn durch Ammon in das Haupthaus schweben lassen, wo er erst mal im Gästezimmer unterkommen soll. Die völlig aufgelöste Lyra wird inzwischen von ein paar anderen Frauen unseres Hauses beruhigt.
Ich kann mir annähernd vorstellen, was sie durchmacht. Deshalb steht auch schon jetzt mein Entschluss fest, dass Finnley, sollte er das hier überleben, weiter bei uns beschäftigt bleibt und bezahlt wird. Vielleicht nimmt Lyra das wenigstens eine Sorge ab. Ob sie diesen Jungen dagegen immer noch heiraten will, weiß ich nicht. Schließlich ist er heute Nacht zu einem Krüppel geworden.

Jean Baptiste, unser Haushälter wird inzwischen beauftragt das Chaos zu bewältigen und sich um alles zu kümmern. Fast komme ich mir ein bisschen überflüssig vor. Ich stehe nun mitten in meinem Konvent, mitten in Zerstörung, Leid und Chaos und mir wird deutlich klar, dass wir dringend etwas für unsere Sicherheit tun müssen. Kaum ein paar Augenblicke später, stehen alle Magi unseres Hauses in der Bibliothek, um uns zu beraten.
Schnell werden Beschlüsse gefasst und die Aufgaben verteilt. Meredith wird in den kommenden Monaten ein Ritual lernen, dass wir durchführen werden, um unser Haus magisch zu schützen. Ich werde von dem Geld der Baronie Wehranlagen, wie einen Wall und einen Wachturm bauen lassen. Zusätzlich müssen wir uns dringend einen Waffen- und Rüstschmied, Baumeister und Architekten besorgen, der die Umbaumaßnahmen durchführt. Dazu gehört auch, dass das obere Stockwerk unseres Konventes aus Stein aufgebaut wird und somit nicht mehr so leicht in Flammen aufgehen kann.
Bei dieser Versammlung spreche ich zum ersten Mal offen an, dass Ammons Magie anscheinend eine brandgefährliche Sache sein kann. Allein an diesem Abend musste ich zwei Mal Feuer ausklopfen, die seine Magie anscheinend als Nebeneffekt verursacht hatte. Das muss er unter Kontrolle bringen.
Falco, den ich ausgeschickt hatte um die Ents zu verfolgen berichtet, dass er gesehen hat wie die Bäume über die Grenze zu Titus Konvent gegangen sind. Eine plumpe Vermutung wäre, dass er dafür verantwortlich ist, dem kann ich aber nur wenig Glauben schenken. Ich denke eher, dass die Ents keinen Unterschied zwischen Titus und meinem Wald machen. In diesem Zusammenhang halten wir noch einmal alle fest, dass mein Handeln von allen begrüßt worden ist und wir das Abkommen mit den Ents einhalten werden. Eine gute Stellung zu den Ents wird uns vielleicht noch mal zum Vorteil sein.
Zudem beschließen wir in dieser Nacht, dass wir sämtliche Schriftrollen bis zum Ende des Jahres erforschen werden. Meredith wird zu diesem Zweck eine Konventsjahreszeit vorziehen. Das hätte ich nicht von ihm gedacht, nehme dieses Opfer aber sehr gern an. Ich kann nicht glauben, wie untätig wir in den letzten anderthalb Jahren waren. Das muss sich ändern. Ab jetzt wird eine straffere Führung herrschen, die ich versuchen werde durchzudrücken.

Der eilig herangeholte Heiler wird sich die ganze restliche Nacht intensiv um Finley kümmern, seinen Arm jedoch nicht retten können. Die arme Lyra verbringt jede Sekunde weinend und schluchzend vor dem Gästezimmer, betend, dass ihr Liebster all das überleben wird. Als ich in den frühen Morgenstunden endlich in unser Bett kriechen kann, bin ich froh, heil und sicher in die Arme meines Geliebten zurückkehren zu können. Mit dem Ohr an seiner Brust, lausche ich dem gleichmäßigen Herzschlag und komme nicht umhin ihn zu fragen, was er an Lyras Stelle tun würde. Würde er mich noch genauso lieben und begehren, wenn ich einen Arm oder ein Bein weniger hätte? Oder schlimmer noch, völlig entstellt wäre. Seine Antwort überrascht mich nicht, bringt mich aber dennoch zum Grübeln. Er sagt mir, dass er ja nicht nur einzelne Körperteile von mir liebt, sondern mich. Egal wie ich aussehe oder wie entstellt ich bin. Das bringt mich zum grübeln, ist es bei mir genauso? Würde ich das auch so empfinden?

Kaum, dass der nächste Tag angebrochen ist, quäle ich mich früh aus dem Bett, um zu sehen, wie viel schon getan wurde und was noch alles gemacht werden muss. Noch an diesem Vormittag unterbreite ich Lyra meine Entscheidung, dass Finnley und sie ihre Anstellung behalten werden und sie sich auch um die Bezahlung von Robert Cole keine Sorgen machen muss. Während des ganzen Gesprächs zittert sie am ganzen Leib, Tränen rinnen ihr über die Wangen. Leider macht es eine Umarmung von meiner Seite auch nicht besser. Sie wird viel Zeit brauchen, um das Unglück zu verarbeiten.
Vielleicht sehe ich sie in einem Jahr wieder lachen. Am späten Nachmittag kommt ein Bote aus dem Dorf zu uns, den ich nur beiläufig sehe. Sehr wohl bemerke ich aber, dass Jaque mit dem Jungen sofort raus geht, um mit ihm zu jagen.
Ich kann die beiden vom Fenster aus beobachten und mache mir so meine Gedanken darum, wie es wohl sein könnte, wenn Jaque irgendwann mal Vater werden würde. Kaum, dass ich darüber nachdenke, fällt mir auf, was ich da für einen Blödsinn denke. Ich kann in solchen Zeiten nun wirklich nicht an Kinder denken. Das wäre nur eine Last auf meinen Schultern und auf Schultern des Konvents und der Baronie. Außerdem hat er mich noch nicht einmal gefragt, ob ich seine Frau werden will.

Allein der Gedanke an einen Heiratsantrag lässt mich schwer nach Luft ringen. Einerseits würde es mich glaube ich glücklich machen, andererseits jagt es mir Panik in die Glieder. Schnell versuche ich mich wieder mit meinem Griechisch Studium zu beschäftigen, was mir erst richtig nach Stunden wieder gelingen wird. Wie es jedoch das Schicksal so will, werde ich jäh in meinem Studium gestört, als es energisch an die Tür klopft. Mein Versuch das zu ignorieren scheitert kläglich, als es immer lauter und schneller klopft. Mit äußerst grimmiger Laune öffne ich die Tür und muss einem sehr aufgeregten Theodor entgegen treten.
Er sagt, dass er mich unbedingt sprechen müsse und es keinen Aufschub dafür gebe. Mehr als genervt folge ich ihm in sein vollgestopftes Zimmer, wo ich mir die Pläne für unseren Umbau und den Bau seiner Schule anhören muss.

Irgendwann zückt er dann Verträge, die ich endlich unterschreiben kann. Eigentlich dachte ich, dass die Sache damit geregelt wäre aber nein, er setzt noch einen drauf und fragt mich tatsächlich, wann ich gedenke zu heiraten.
Einen mieseren Zeitpunkt hätte er nicht abpassen können. Anscheinend muss ich ihn unterweisen, das er mir, was das angeht, nichts aber auch gar nichts zu sagen hat. Wenn es ginge, würde ich ihm selbst das Denken daran verbieten. Eine bodenlose Frechheit, mich danach zu fragen. Nach einem heftigen Streit meinerseits verlasse ich äußerst wütend sein Zimmer und kehre zu meinen Studien zurück, die ich für den heutigen Tag eigentlich auch vergessen kann. Nicht das mir mit dem ganzen Thema Heirat nicht auch schon der Pfarrer in den Ohren liegen würde; er hat wenigstens eine Legitimation darüber mit mir zu reden.
Aber auch er bekommt meist deutlich zu spüren, dass ich darüber nicht reden will. Zum Glück hat ihn das halbe Hochzeitsversprechen von Jaque etwas beruhigt, sodass er mich nicht mehr täglich nach einem guten Kandidaten fragt.

Den Abend verbringe ich mit Jaque allein, allerdings nicht so wie ich mir das gewünscht hätte. Anstatt in seinen Armen zu liegen, erzähle ich ihm etwas über griechische Mythen und Wesen. Die Grundzüge der Sprache bekommt er nebenher auch noch beigebracht. Es kann nicht schaden, wenn er sich zumindest ein bisschen auskennt. An seinem Gesicht kann ich allerdings ablesen, dass er keine Lust hat, sich das anzuhören, geschweige denn zu verinnerlichen.
Leider hat er sehr überzeugende Argumente, die mich schließlich nach nur einer Stunde zum Schweigen bringen. Ich kann ihm einfach nicht wiederstehen. Wenn er mich schon so anschaut, dieser Blick, der ausgestreckte Arm, der mich auffordert näher zu kommen. Seitdem ich ihn kenne haben wir fast in jeder Nacht miteinander geschlafen und es fühlt sich nur besser an.

Als ich am nächsten Tag erneut versuche ihm etwas über griechisch beizubringen ist er auf einmal verschwunden. Zu meinem völligen Entsetzen finde ich ihn im Regen Wache schiebend vor dem Konvent. Er hat freiwillig die Wache für Eric übernommen, da der sich anscheinend an unsere Köchin ran machen will. Überaus amüsiert besuche ich ihn vorne am Tor und kann nicht wiederstehen mich ein wenig über ihn lustig zu machen. Wenn ich gewusst hätte, dass ich das in dieser Nacht heimgezahlt bekomme, hätte ich ihn noch mehr geärgert.

5. April - 13. April 1218

Der nächste Morgen hat leider keine Chance so gut zu werden wie die letzte Nacht, da es schon kurz nach Sonnenuntergang an unsere Tür klopft. Wer uns so früh stört, muss einen verdammt guten Grund dafür haben. In der stillen Hoffnung, dass es doch nicht so wichtig ist, vergrabe ich mein Gesicht tiefer in Jaques Halsbeuge. Diese Hoffnung stirbt, als der Störenfried ein weiteres Mal an unsere Tür klopft und ich einsehe, dass es vielleicht doch wichtig sein könnte. Unzufrieden und genervt quäle ich mich aus dem Bett, was auch Jaque, schläfrig wie er ist, unzufrieden Grunzen lässt. Während ich mein Unterkleid und einen langen Mantel überwerfe, blicke ich auf den schlafenden Mann in meinem Bett runter, der mein Herz in rasend schneller Zeit erobert hat.

Umso ernüchternder ist es, als ich sehe, dass Falco vor der Tür steht, um mich unbedingt in der Bibliothek zu sprechen. Sein Gesicht verrät dabei nichts Gutes und ich befürchte, dass ich jetzt die Konsequenzen für seine Alleingänge zahlen muss. So kommt es, dass ich am frühen Morgen, unfrisiert und im Morgenmantel in der Bibliothek stehe und ich mir anhören muss, dass unser kleiner Kobold Puk Falco mächtig Ärger macht, weil ihm bei dem Angriff mit den Ents ein Ast von seinem Baum abgebrochen wurde. Wenn Fairys böse werden fangen die Probleme erst richtig an.
Als eine Art Entschädigung fordert er doch tatsächlich einen von drei kleinen Jungen, die hier bei uns an am Konvent leben. Das ist dann seiner Meinung nach einer der drei Gegenstände, die er sich einmal im Monat aussuchen kann, um sie dann zu stehlen.
Äußerlich völlig ruhig und gefasst höre ich mir das alles an, innerlich scheine ich Feuer gefangen zu haben und damit am liebsten Falco verbrennen zu wollen. Ich erteile ihm nach der kleinen Unterredung den Auftrag Ammon in die Bibliothek zu holen, damit wir gemeinsam über dieses Problem diskutieren können.

Um Meredith kümmere ich mich selbst und hole ihn aus seinem Zimmer, der mir nackt die Tür öffnet. Der Anblick seines nackten, wohl geformten Körpers berührt mich nicht. Es erstaunt mich, dass ich ihn weder attraktiv oder anziehend finde. Es regt sich rein gar nichts in mir. Nicht ein bisschen.
Dieser Moment dauert nur kurz an, weil wir uns danach alle in der Bibliothek befinden, diskutierend und lamentierend über das Problem namens Puk. Es werden viele Seiten und Möglichkeiten aufgezeigt, mal sinnvoll, mal verheerend für uns. So ein Problem will von allen Seiten betrachtet und durchdiskutiert werden, also tun wir auch genau das und zwar bis zum späten Nachmittag.
Mein Standpunkt bleibt dabei gleich, ich will keinen kleinen unschuldigen Jungen in die Fänge eines Kobolds legen, obwohl Meredith meint, dass es eine unvergleichliche Erfahrung wäre, von einem Kobold aufgezogen zu werden. Ich hab da meine Bedenken, die ich auch mehrmals lautstark äußere. Ammon überrascht mit seiner Mordlust gegenüber der Fee niemanden.
Allein Falco scheint sich mal wieder seinem Schicksal zu fügen und äußert sich nicht viel. Zum Schluss dieser zähen Debatte steht fest, dass wir Puk weder töten noch weiter verärgern werden. Da wir nicht abschätzen können, wie mächtig er ist, wäre es einfach nur dumm ihn zu töten.
So müssen wir ihm geben, was er verlangt und hoffen, dass er mit Meredith nachverhandelt, was das Wohl des Jungen angeht. Ich kann an dieser Stelle gar nicht ausdrücken, wie enttäuscht ich von Falco bin. Er ist weder ein Feenexperte noch ein sonderlich guter Vertragspartner. Wenn er keine Ahnung von beidem hat, warum ist er diesen Vertrag dann eigentlich eingegangen? Dummer Junge!

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So werde ich durch Falco gezwungen eine Entscheidung über drei Leben zu treffen. Meine Wahl fällt dabei auf den Stalljungen, da ich denke, dass er alt genug ist um das alles zu verkraften und dabei keine Familie hinterlässt, da er ein Waisenkind ist.
Natürlich tobt dabei in meinem inneren eine Gewissensschlacht, ich fühle mich furchtbar, weil ich diese Entscheidung getroffen habe. Vielleicht wird Ferres ihn dabei ein wenig aufmuntern, wenn er dem Stalljungen die Nachricht überbringt. Ich will auch überhaupt nicht wissen, sehen oder hören wie er ihm die Nachricht überbringt und was der Junge dazu meint.
Ich habe meine Entscheidungen getroffen und muss damit leben, aber nicht die Konsequenzen sehen. Da schöne ist ja auch noch, dass wir uns eine zweite Wache für diesen dummen, lästigen Kobold anschaffen müssen, der seinen Baum bewacht und dabei seinen Baum auch pflegt. Noch mehr Personal! Eigentlich hat Puk mir gegenüber sein Todesurteil unterschrieben. Mit dem Blut des Jungen. Früher oder später werde ich ihn mir holen.

Jaque hat nach diesem Tag schwer damit zu tun meine Laune zu ertragen und hoch zu halten. Ich bin über die Maßen sauer und angefressen. Kaum, dass ich mich langsam wieder gefangen habe sehe ich nach nur einer Woche des Friedens Meredith und Ammon im Hof aufeinander zugehen. Leider sind sie dabei nicht allein sondern werden jeweils von zwei Gestalten begleitet.
Ammon hat zwei Zwerge bei sich und Meredith zwei Elfen. Beide sehen sie sehr gegensätzlich aus, der Zorn scheint aber beide Parteien zu verbinden. So schnell wie ich nur kann, begebe ich mich nach draußen, um herauszufinden, ob uns erneut der Untergang ins Haus steht. Falco scheint das ebenfalls bemerkt zu haben und steht mit mir draußen, gute vier Schritte von den beiden entfernt. Ich lasse Ammon und Meredith die Gelegenheit, das zu klären und vor allem zu erklären. Die beiden scheinen eine Art Mittler des jeweiligen Volkes zu sein, die sich vermutlich nicht nur anschreien sondern auch bekriegen.
Beides sind auf jeden Fall Fairys, sowohl die Zwerge in ihren merkwürdigen Rüstungen und Äxten als auch diese filigranen Elfen mit ihren Bögen. Als ich eine Bewegung im Augenwinkel wahrnehme fällt mir Jaque auf, der sich einen guten Beobachtungsposten auf der Terrasse verschafft hat. Kaum, dass ich mich wieder auf das Geschehen unten konzentriere spüre ich seine direkte Anwesenheit neben mir, sodass ich ein wenig zusammen zucke.
Wie hat er die Distanz in so kurzer Zeit überwunden? Noch eine Frage die sich zu meinen anderen gesellt und dort bis Griechenland ruhen muss. So oder so fühle ich mich sicherer in seiner Gegenwart und muss mich zu meinem Entsetzen beherrschen um nicht nach seiner Hand zu greifen.

Endlich halten Meredith und Ammon es mal für nötig uns zu informieren und so erfahren wir alle, dass beide Völker dasselbe Problem haben, was sie beide bedroht und wir anscheinend lösen sollen. Im Grunde hört es sich sehr einfach an, den Elfenwesen fehlt das Wasser in ihrer Welt und die Zwerge werden von Wasser überflutet und ertränkt. Irgendwo scheint also ein Ungleichgewicht zu sein, was wir wieder in Ordnung bringen werden.
Ein Scheitern unseres Vorhabens würde bedeuten, dass das Wasser in unserer Baronie versiegen könnte, die Erne schlecht ausfällt oder das Wasser verunreinigt wird. Das alles kann auch zusammen auftreten. Außerdem denke ich, dass wir eine gewisse Gegenleistung von den Fairys erwarten könnten und zwar von beiden Völkern.

Das Wasservolk erklärt sich schließlich bereit uns auszurüsten und durch die überschwemmte Welt der Zwerge zu schicken. Mit Hilfe eines Fischeis, das wir in den Mund nehmen müssen, können wir unter Wasser atmen. So wird uns ermöglicht vier weitere Personen, außer uns Magier mitzunehmen. Natürlich werde ich Jaque mitnehmen, der nur kurz seinen Protest äußert und dann freiwillig mitkommt, da er mich nicht unbeschützt lassen kann.
Natürlich weiß ich, dass er nur deshalb mitkommt und ich quasi dazu zwinge, aber er ist bei mir. Das zählt allein. Neben Jaque begleitet uns Eric, Janto und der kleine Steward. Für den kleinen wird es eine riesige Erfahrung werden, noch auf der Treppe zu unseren Konvent versuche ich ihm Mut zuzusprechen und das er keine Angst haben muss, da wir auf ihn aufpassen werden. Er soll nur tun, was wir ihm sagen, dann wird alles gut werden. Seine großen Kinderaugen starren mich mit einer Mischung aus Verwunderung und Angst an und ich hab ein riesengroßes schlechtes Gewissen.
Wenn dem Kleinen auch noch etwas passiert, muss ich für mich selbst Konsequenzen ziehen. Wir erhalten von den Fairys, bevor wir in die Welten abtauchen, noch den wichtigen Hinweis immer und ausschließlich in dem Flussbett entlang zu laufen. Nach dieser letzten Ansage geht es zu Ammons Labor, wo sich anscheinend der Zugang zu der Welt der Zwerge verbirgt.

Einer von Ammons zwergischen Begleitern führt uns eine scheinbar endlose Treppe herunter die uns zu dem Fluss führen soll, der hier über die Ufer getreten ist. Jaque kann sich nicht ganz zusammenreißen und beginnt schon jetzt zu meckern, dass er mitkommen musste. Aus Scherz biete ich ihm meine Hand an, die er nehmen kann. Ich habe gehofft, dass er das ernst nimmt und einfach meine Hand nimmt, was er auch tut. So können wir getarnt unter dem Mantel des Spotts händchenhaltend eine Treppe zu einer Feenwelt hinunter steigen.

Unten angekommen blicken wir auf eine riesige Stadt, die ganz aus Stein besteht. Allein eine gewaltige Stadtmauer schützt sie noch vor den Wassermassen, die vor der Stadt langströmen. Das Wasser scheint enorme Kraft zu haben und alles mit der Strömung mitreißen zu können. Kurz bevor wir uns alle an ein Seil festbinden, damit wir dieser Strömung vielleicht etwas entgegenzusetzen haben und nicht so leicht verloren gehen, drücke ich Jaques Hand noch mal fest, als Bestätigung für mich, dass er noch da ist und es auch bleiben wird.
Im Wasser eingetaucht muss ich erst mal feststellen, dass ich nichts sehen kann, weil das Wasser von Dreck und allerlei Gerümpel verunreinigt ist. Ich kann mich nur an dem Seil orientieren, dass ich mir um den Körper geknotet habe.
Zum Glück berührt uns durch den Schutz der Elfen die Strömung nicht, auch unsere Kleidung bleibt trocken. Wir können also einigermaßen sicheren Fußes das Flussbett entlang laufen. Leider bringt das Licht, dass irgendjemand erschafft und das Seil zum Glühen bringt rein gar nichts. Ich kann eigentlich gar nicht beschreiben wie unwohl ich mich gefühlt habe. Tief in einem reißenden Fluss stehend, durch ein lächerliches Seil gesichert suchen wir zwischen verrottenden Zwergenleichen nach einer Lösung.
Zu guter Letzt stolpere ich auch noch über eine dieser besagten Leichen am Grund und falle. Ich kann mich nicht erinnern, wer mir eigentlich aufgeholfen hat aber irgendwie bin ich wieder auf die Füße gekommen. Wenn mein Meister mich nicht zu Härte und Strenge erzogen hätte, würde ich jetzt panisch auftauchen wollen und wahrscheinlich dabei sterben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir schließlich eine Art Hindernis. Ein riesiger, glatter Steinquader versperrt uns den Weg und blockiert anscheinend auch etwas die Wassermassen. Ich habe die dumpfe Vermutung, dass Ammon etwas damit zu tun hat, denn er ist es auch, der den Stein mühelos zur Seite schiebt, uns durchlässt und den Stein wieder vor die Öffnung schiebt.
Hinter diesem Stein geht es in einen kleinen Kanal, an dem ich mir den Kopf stoße und kurz mit dem Fischei kämpfen muss, damit ich es nicht verschlucke, auch das wäre mein Ende und ich würde jämmerlich ertrinken. Nach ein paar weiten Minuten in diesem Kanal, verändert sich der Fluss zu einem Bach, der lediglich unsere Füße noch umspült.
Als wir endlich das Ende erreichen, blicken wir auf eine Ebene und ein bisschen weiter entfernt auf einen kleinen Berg, woraus der Bach zu entspringen scheint.

Wir sind also an der Quelle angelangt und machen uns gleich auf zu diesem Berg zu gehen um das Problem zu erforschen. Falco verwandelt sich zum Zwecke der Erkundung in einen Falken und erforscht die andere Seite des Berges. Wie vermutet, ist auf der anderen Seite kein Wasser, sondern nur Dürre, das wird die Welt der Feen sein.
Dem Flusslauf weiter folgend, kommen wir zu einer Höhle, die in den Berg führt. Im Zentrum dieser Höhle machen wir eine Entdeckung, die zumindest mir so einiges erklärt.
Wir sehen ein großes Becken, aus dem Wasser kommt und wahrscheinlich zu diesem Fluss wird. Mitten in dem Becken gibt es eine Hand, die eine mondsichelförmige Einkerbung aufweist. Nach einem kläglichen Versuch hier Magie zu wirken, wissen wir außerdem, dass das Wasser auch in die Richtung der Elfen sprudelt, wenn sie durch Magie motiviert wird.
Ich kann mir also denken, dass hier mal ein Artefakt gelegen haben muss, dass konstant dafür gesorgt hat, dass das Wasser in die Welt der Elfen fließt. Nun ist dieses Artefakt geklaut oder zerstört worden und hat das Ungleichgewicht ausgelöst.

Ich kann mir aber beim besten Willen nicht erklären, warum Ammon auf einmal anfängt Falco auszufragen, ob der etwas darüber wüsste. Ich weiß nicht, woher er den Verdacht hat. Wobei ich mir gut denken könnte, dass er auch darin verwickelt sein könnte, wenn man die Geschehnisse der letzten Tage berücksichtig. Ein reinigender Streit wird das Verhältnis der beiden vielleicht festigen. Ein Certamen könnte die beiden dabei unterstützen.
Dieser Tumult sorgt auf jeden Fall dafür, dass niemand sieht wie ich Jaque heimlich einen Kuss auf seine Lippen drücke. Niemand kann jetzt sagen, dass ich nicht öffentlich zu ihm stehe.

13. April 1218

Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass Ammon einfach einen Rückzieher macht und Falco mit was auch immer durchkommen lässt. Bestimmt wäre es sehr erheiternd gewesen die beiden bei einem Certamen zu beobachten. Mich würde interessieren, wer von den beiden gewonnen hätte.

Nachdem sich nun die ganze Aufregung um Falco und Ammon gelegt hat, können wir uns wieder unserem eigentlichen Problem widmen. Nach Stunden unnützer Diskussionen entschließe ich mich endlich tatkräftig voran zu schreiten und ein paar Lösungsansätze auszuprobieren. Leider stellt sich nach Stunden der Arbeit heraus, dass das alles nichts bringen wird und die einzige Lösung ein entsprechendes Artefakt ist, welches die Quelle mit Magie versorgt. Keiner von uns verfügt leider über ein solches Artefakt.

Falcos Vermutung, dass hier auch gut ein Mondstein passen könnte verwundert mich ein wenig. Ich wusste nicht, dass er sich mit solchen Sachen auskennt. Hoffentlich ist das kein Halbwissen wie er es auch über die Feen meint zu besitzen und uns in der Vergangenheit sehr in Schwierigkeiten gebracht hat. Wie wir es auch immer drehen und wenden, wir werden nicht darum herum kommen noch einmal in diesen reißenden Fluss zu steigen um ein derartiges Artefakt zu besorgen. Diese fürchterlich unangenehme und auch angsteinflößende Aufgabe wird dankenswerter Weise mir zu teil.
Ich kann nicht glauben, was für schwächliche, einfallslose Magi mich umgeben. Unglaublich. Erst scheinen sie zur Untätigkeit verdammt und zur Salzsäule erstarrt wie einst Lots Frau, und dann bekommen sie noch nicht einmal die einfachsten Tätigkeiten hin. Bin ich denn die einzige Frau, die diesen Männern beweisen kann wie großartig Magie ist? Meine etwas lautere Ansprache an die Herren scheint diese aber auch nicht aus ihrer Starre zu holen. Im Gegenteil, Meredith beginnt sich haltlos zu übergeben.
Wahrscheinlich hat ihn ein bisschen Magie völlig überfordert oder er hat schon wieder etwas falsch gemacht. So kann er auf jeden Fall nicht reisen. Schlussendlich muss ich mit Jaque und Eric den Weg zurückgehen und die Zwerge aufsuchen, in der Hoffnung, dass sie ein solches Artefakt besitzen. Unsere Hoffnung wird jäh getrübt, als wir wieder an den abertausenden Leichen der Zwerge vorbei müssen. Sie bieten einen fürchterlichen Anblick, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt und meine Übelkeit ins Maßlose treibt.

Die Gewissheit, dass ich Jaque hinter mir haben macht es nicht besser, schließlich bin ich dafür verantwortlich, dass er das alles zu sehen bekommt. Ich kann nur hoffen, dass er bei Titus eine gute Ausbildung mitbekommen hat und an so einiges gewöhnt ist. An diesem Punkt kann ich uns beiden nur schwören, dass wir, sobald wir hier raus sind, einen hübschen Rundflug mit einer flauschigen Wolke unternehmen werden. Kaum in der fast komplett überschwemmten Stadt der Zwerge angekommen, versuchen wir uns gemeinsam zu dem Zwerg Grommgoll durchzuschlagen. Meredith erwähnte, dass er wohl der König unter den Zwergen wäre.

Fast im Vorbeigehen retten wir noch eine Zwergin, die sonst des Todes gewesen wäre. Ihre weit aufgerissenen Augen, die mich panisch und mit lauter Todesangst anschauen, machen mir noch mehr deutlich, dass jetzt schnelles Handeln gefragt ist um noch mehr Tote zu vermeiden. Ich will nicht wissen wie es auf der anderen Seite aussieht, wenn sie verdursten und daran elendig zu Grunde gehen.

Das folgende Gespräch mit Grommgoll bringt ans Tageslicht, was ich befürchtet hatte. Dieses Volk der Feen kennt sich nicht mit magischen Artefakten aus, sie können lediglich schmieden und Stein bearbeiten. Die Möglichkeiten, die uns jetzt noch verbleiben sind schwindend gering. Da ich nicht weiß, wie man in die Welt der Wasserelfen kommt, bleibt mir nur übrig Puk um Hilfe zu bitten. Ich kann nur ahnen, was mich das kosten wird. Nach erneutem Aufstieg sind wir endlich wieder an unserem Konvent.
Der Blick zu Puks Baum bringt mich fast um den letzten Nerv. Mit meinen letzten Kraftreserven an Willenskraft versuche ich ihn in ein freundliches und zunächst ungezwungenes Gespräch zu verwickeln, was mir auch gelingt. Als die Unterhaltung jedoch konkreter wird und ich sage, worum es mir geht und was ich brauche, verpasst er nicht die Gelegenheit mir einige Sachen abzuringen.
Zunächst ist da das Versprechen einen Zaun um seinen Baum zu errichten. Mir soll es recht sein, dann kann zumindest niemand aus Versehen dagegen laufen und ihn beschädigen, was uns wieder Ärger einbringen würde.

Das zweite Versprechen ist ihm ein Haus zu bauen, worin sein zukünftiger Baumwächter schlafen wird. Auch das ist mir eigentlich recht, da ich dem armen Wicht so eine Unterkunft bieten kann. Als Gegenleistung verrät Puk mir wo ich einen Mondstein her bekomme. Ganz selbstverständlich vom Mond, erklärt er mir. Dazu müsse man lediglich auf dem großen Wasser, hier meint er wohl das Meer, bei Vollmond in das Spiegelbild des Mondes auf dem Wasser springen. Dann würde man auf dem Mond heraus kommen. Dort seien allerdings die Mondmänner, vor denen man sich in Acht nehmen solle. Deshalb sei es auch dringend nötig dort oben sehr leise zu sein, dabei jedoch tief zu graben.
Das alles klingt in meinen Ohren so aberwitzig sinnlos und gefährlich, dennoch bleibt es bis jetzt unsere einzige Chance sehr schnell an einen Stein zu kommen. Widerwillig muss ich den Vertrag mit Puk eingehen.

Mit der Gewissheit effektiv nichts erreicht zu haben, gehen wir alle wieder in die Regio der Zwerge hinab und dort zu den anderen Magus. Nach einer kurzen Debatte mit Falco ist klar, dass wir ein Artefakt aus dem Eagles Nest besorgen werden. Ich muss blind vor Verzweiflung gewesen sein, dass ich diese Möglichkeit übersehen habe. Das wird uns einiges an Vis kosten, jedoch nur einen Tag dauern. Selbst wenn beide Feenvölker uns nichts als Gegenleistung geben könnten, außer ihrem puren Dank, wäre mir das schon genug.
Bei den anderen bin ich mir da nicht so sicher. Ist ihnen überhaupt klar, dass hier abertausende Geschöpfe grausam verrecken? Kümmert es sie so, wie es mich kümmert? Zumindest bei Falco bin ich mir da nicht sicher und auch Ammon kann ich schwer einschätzen. Ehrlich gesagt will ich das aber auch nicht herausfinden. Es wäre nicht leicht mit solchen Menschen dann noch unter einem Dach zu leben.

Zum Glück hat sich Meredith Übelkeit verzogen, sodass wir alle wieder nach Hause können. Ammon verschließt den Fluss wieder mit einem riesigen Steinblock, sodass uns ein bisschen mehr Zeit bleibt, bis die Zwerge ertrinken. Wie es den Wasserwesen geht, kann ich nur vermuten.
Erschöpft, verstört und müde kommen wir an unserem Konvent an und uns bleibt nichts Anderen übrig als die Nacht verstreichen zu lassen, da wir uns alle ausruhen müssen. In dieser Nacht liege ich lange nachdenklich wach.
Ich muss mich zusammen reißen um Jaque nicht anzufahren, warum er nicht auch wach liegt, sondern immer wieder einschläft. Aber irgendwie kann er dafür nichts, schließlich hat er heute auch einiges erlebt und geleistet. Er wird müde sein. Ich glaube, ich mache mir zu viele Sorgen, bin zu emotional und manchmal koche ich auch einfach über.
Jedoch hat mich das im Rückblick immer weiter gebracht. Jaque scheint das auch nicht stören. Nennt man das nicht leidenschaftlich?

14. April 1218 - 15. Mai 1218

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