Nacht der Tränen
by Loneworld (2004)
Ein unbekannter Galliard erzählte einmal diese Geschichte, als er die Nacht in einem Caern verbachte, in dem viele Garou ein ignorantes Verhalten an den Tag legten:
„David saß am Lagerfeuer und lauschte den Geschichten, die Morgenröte erzählte. Um ihn herum hatte sich sein Rudel mit ihren Spielgefährten versammelt. Sie waren heute siegreich gewesen und hatten erneut die Tänzer zurückgeschlagen. Heute Nacht sollte gefeiert werden, denn diesmal war der Sieg viel besser ausgefallen als zuvor. Und jeder anwesende Garou verlor sich in den Geschichten ihrer begangenen Heldentaten. Die Bastarde und ein paar Blutsgeschwister waren zur Wache eingeteilt, sodass alle Garou feiern konnten.
Niemand maß dem langsam aufziehenden Nebel eine Bedeutung bei und keiner hörte die lautlosen Schreie der Wachen. Niemand lauschte den Geistern, die panisch um Hilfe riefen: alle waren gefesselt durch die brillante Erzählung des Galliard der Red Tallons. Der Nebel trug einen süßlichen Geruch von faulendem Fleisch mit sich und erschwerte die Atmung, wie die Sicht und alle nahmen ihn erst bewusst wahr, als er die Worte von Morgenröte verhüllte und undeutlich werden ließ.
Voller Schrecken bemerkten die Krieger Gaia's die Heimtücke mit der der Feind diesmal zugeschlagen hatte, denn sie konnten einander nicht mehr sehen. Aus dem Nebel heraus schnitten Klauen durch die entsetzte Schar, und verschwanden wieder, blutige Leichen zurücklassend. Die Garou heulten im Zorn auf und schlugen auf die Schatten ein sobald sie ihrer gewahr wurden. Blutig und lange dauerte die Schlacht, denn die Gegner mussten sich erstmal zeigen. David hatte sein Rudel zusammengerufen und stand mit all seinen Untergebenen Rücken an Rücken, einen Kreis bildend, der ihre Partner schützte. Er rief jeden seiner Freunde dazu auf, nicht dem Rufen der Schlacht zu folgen und den Roten Schleier zurückzudrängen, wusste er doch, dass so ihre Partner ihr Leben verwirkt hätten. Randall rief ihr Totem, doch der Nebel verschluckte auch die spirituelle Verbindung, er kappte die Garou vom Umbra und ihrer Unterstützung ab. Das einzige Geräusch, das durch den Nebel nicht gedämpft wurde waren die Todesschreie der mutigen Krieger Gaias. David verlor immer weiter die Kontrolle über sein Rudel, sie alle wurden durch die Schreie in den Wahnsinn getrieben. Immer wieder brach der Ring zusammen und jedesmal wurde er kleiner bis schließlich nur noch David Randall und Freudiger Wind übrig waren und sich gegen die Schatten zur Wehr setzten. Sie alle bluteten schon aus tiefen Wunden und beteten zu Gaia und Luna um die Kraft, dieses Gemetzel zu überstehen. Stunde um Stunde verging in erbitterter Verteidigung des Platzes um das Feuer, völlig ausgelaugt schlugen sie weiter auf die immer wieder auftretenden Schatten ein, doch dann klarte das ganze Bild plötzlich auf, und noch während David seinen letzten Schlag führte erkannte er das Gesicht von Harald, einem Rudelmitglied, welches im Nebel den Kreis verlassen hatte… Er versuchte den tödlichen Hieb abzubrechen, doch war er zu langsam und schwach um seine eigene Klaue zurückzureißen und sah nur noch das Erkennen in Haralds Augen bevor diese erloschen.
Auf dem Versammlungsplatz krümmten sich noch einzelne Garou, andere standen schwer atmend und realisierend auf der nun wieder lichten Fläche. Doch viele der Verteidiger waren unter ihren eigenen Klauen gefallen. Zu viele um den Caern vor einem Angriff zu schützen und alle stehenden Überlebenden stießen ein ohrenbetäubendes Geheul der Trauer an. Ein Ton voller Selbstvorwurf ob ihrer eigenen Ignoranz erfüllte den gesamten Wald. Alle Blutsverwandten waren unter ihren Klauen gefallen, denn der Nebel hatte verhindert, dass sie einander erkannten…
Die Klage um die Toten und die Warnung vor dem Nebel wurde laut in alle Windrichtungen verstreut… So hatte eine Nacht geschafft, was Jahre der Belagerung nicht erreicht hatten…
Ihr wollt wissen, ob der Caern dem nächsten Angriff standhielt? Nun, das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…“

