Gargylen - Diener aus Stein
Obwohl die treuen Diener der Tremere heutzutage immer seltener werden, zählen sie dennoch zu den größten Errungenschaften, manche sagen auch zu den größten Fehlern, der Tremere in ihrer Geschichte. Die Gargylen haben die fleischgeformten Horden der Tzimisce besiegt, aber in den modernen Nächten, wo immer mehr freie Gargylen die Nacht bevölkern, müssen die Tremere sich ein weiteres Mal mit den Konsequenzen ihrer alten Experimente auseinander setzen.
Eine kurze Geschichte der Gargylen
Im 12. Jahrhundert hatten die Tremere keinerlei vampirische Verbündete. Der Bedarf an zuverlässigen Kreaturen in ihren Diensten war hoch, doch die Tremere hatten auch den Wunsch „Leben“ zu erschaffen. Zuerst wurden von Virstania die Rituale zur Erschaffung von Homunculi und Hybridkreaturen entwickelt. Diese magischen Kreaturen waren zuverlässig, aber nicht eigenständig genug, um effektiv zu sein. Goratrix Experimente an anderen Vampiren erlaubten schließlich auch die Entwicklung eines Rituals, mit dem kainitische Einzelteile zu einem Hybrid zusammen gesetzt werden konnten. Für diese Experimente wurden sicherlich 100 Vampire verbraucht, doch 1121 entstanden die ersten 14 Gargylen. Drei Kombinationen haben sich dabei als besonders effektiv herausgestellt. Die Mischungen aus Gangrel-Nosferatu, Gangrel-Tzimisce und Nosferatu-Tzimisce waren die einzigen Hybride, die als vollständige Vampire gelten konnten. Die anderen Kreationen, die z.B. größere Teile an Brujah- oder Tremere-Blut enthielten, waren alle unfruchtbar und konnten den Kuss nicht weitergeben. Da die Tremere aber großen Mengen an Gargylen brauchten und das Ritual zur Herstellung drei Monate dauerte, wurden die drei fruchtbaren Gargylen angewiesen, einer Vielzahl von Bauern und Soldaten den Kuss zu geben. So entstand die erste Gargylen-Armee, die fortan die Gildehäuser verteidigte. Ab 1167 wurden die Gargylen von den anderen Clans als Blutlinie (an)erkannt. Je einer der vollständigen Gargylen wurde von Goratrix, Virstania und Epistatia in Obhut genommen, die sie zu Kriegern, Wächtern und Späher ausbildeten und sie und ihre Nachkommen für diese Aufgabe mit nützlichen Ritualen belegte. Um möglichst starke Gargylen mit niedriger Generation zu haben wurde auch weiterhin das Ritual zur Erschaffung neuer Gargylen angewandt. Außerdem verschwand Chaundice, die Gründergargyle der Nosferatu-Tzimisce-Linie bereits im Jahr 1127 und man brauchte Ersatz. Diese Gargylen waren anfangs wie Tiere, mit nur einem Minimum an Selbsterkenntnis. Doch über die Jahre entwickelten sie zunehmend Intelligenz und schließlich probten 1476 einige von ihnen den Aufstand gegen ihre Erschaffer. Die Tremere mussten erkennen, dass eine Gargyle, die den Kuss von einer anderen Gargyle erhält viel schneller Intelligenz und unabhängiges Denken entwickelt, als diejenigen, die künstlich mit dem Ritual erschaffen wurden. Der Aufstand wurde schnell beendet und die überlebenden Gargylen flohen in die Berge. Doch seitdem wird den Gargylen nur noch in Ausnahmefällen gestattet den Kuss weiterzugeben.
In den modernen Zeiten haben sich die meisten der freien Gargylen in Paris und Hamburg niedergelassen, wobei unbekannt ist, wie viele sich immer noch in den Bergen und Höhlen verstecken. Besonders paranoide Tremere glauben, dass diese inzwischen einen natürlichen Weg der Fortpflanzung durch Eiablage entwickelt haben. In den letzten Jahren haben immer mehr der freien Gargylen die Mitgliedschaft in der Camarilla gesucht, wo sie sich als Leibwächter und Wachen verdingen.
Erschaffung von neuen Gargylen
Eine Gargyle kann auf zwei Wege erschaffen werden. Entweder erhält sie den Kuss von einer anderen Gargyle oder sie wird durch ein Ritual in eine Gargyle verwandelt.
Manche Gargylen haben die Fähigkeit den Kuss weiterzugeben. Sie können sowohl Menschen, als auch mit Ritualen vorbereiteten Tiere mit ihrem Blut in neue Gargylen verwandeln. Gargylen in der Obhut der Tremere wird dies nur Ausnahmesituationen gestattet, aber freie Gargylen machen regelmäßig von dieser Möglichkeit Gebrauch. Freiwillig würde aber eine freie Gargyle niemals den Kuss an ein Tier weitergeben. Bei manchen Tieren (Wölfen, Fledermäusen, Raben, Hunden, Katzen, Großkatzen und Bären) funktioniert die Verwandlung zur Tier-Gargyle problemlos. Im Zuge der Verwandlung wächst das Tier zu einem besonders großen Vertreter seiner Art heran, ist aber in keinem Fall fähig den Kuss weiterzugeben. Die Tier-Gargyle verfügt nur über Flugfähigkeit, wenn sie schon vorher fliegen konnte. Sie kann aber diese Fähigkeit wie jede Gargyle lernen (z.B. indem sie mehrfach irgendwo runter geworfen wird), wobei ihr dann Flügel wachsen. Die Tier-Gargyle gewöhnt sich dann sogar schneller als verwandelte Menschen an die neue Fortbewegungsmöglichkeit. Tier-Gargylen werden sofort nach ihrer Erschaffung an einen Tremere blutsgebunden. Anscheinend ist das Trauma der Verwandlung nicht so schlimm für sie, denn Tier-Gargylen scheinen instinktiv auch nach der Verwandlung ihre alten Herrchen wieder zu erkennen und mit der Zeit entwickeln sie fast so etwas wie Intelligenz, wenn auch keine Sprache.
Jede Gargyle, die den Kuss erhält, gehört einer der drei ursprünglichen Linien an: den Kriegern (Gangrel+Tzimisce), den Wächtern (Nosferatu+Tzimisce) oder den Spähern (Gangrel+Nosferatu).
Die andere Möglichkeit für die Erschaffung einer Gargyle ist ein aufwendiges thaumaturgisches Ritual. Das Ritual funktioniert bei Menschen und sogar bei Vampiren, aber nicht bei Tieren. Für das Ritual müssen zuerst alle Haare des Opfers gründlich abrasiert werden. Dann wird sämtliches Blut aus dem Körper der zukünftigen Gargyle entfernt. Als nächstes wird dem Opfer ein Mischung verschiedener Vitae und magischer Erde eingeflößt. Der Hauptbestandteil der Vitae muss Gangrel-, Nosferatu- oder Tzimisce-Blut sein oder das Opfer muss bereits einem dieser Clans angehören, ansonsten funktioniert das Ritual nicht. Der zweitgrößte Teil der Vitae-Mischung muss einem Mitglied aus einem anderen dieser drei Clans entnommen worden sein, sonst ist die Gargyle die entsteht erheblich schwächer und kann den Kuss nicht weitergeben. Die Generation der Gargyle ist um eine höher, als die höchste aus dem Vitae-Gemisch. Ein Vampir der verwandelt wird, behält seine Generation bei. Dieser Gargylen-Embryo wird dann in einen Ledersack geschnürt oder operativ einer riesigen Mutter-Gargyle eingesetzt. Seine Umgebung wird mit einem magischen Fruchtwasser aufgefüllt und danach wird das Behältnis verschlossen. Die Verwandlung dauert 3 Monate im Ledersack und 2 Monate in der Mutter-Gargyle. Wird das Behältnis vorher geöffnet, scheitert die Verwandlung automatisch und das Opfer stirbt qualvoll den endgültigen Tod. Eine Verwandlung in einer Mutter-Gargyle ist nicht nur schneller, sondern die Gargylen, die geboren werden, sind auch eigenständiger und geistig stabiler. Die einzig bekannte Mutter-Gargyle wurde aber nach dem Aufstand der Gargylen in Ceoris vernichtet. Es ist unbekannt ob im Sabbat oder von Virstania eine andere geschaffen wurde. Nachdem die Verwandlung abgeschlossen ist, bricht die fertige Gargyle aus ihrem Behältnis hervor. Diese bevorstehende „Geburt“ wird von allen Gargylen in etwa 100 km Umkreis wahrgenommen und wenn möglich eilen sie herbei, um den Neugeborenen zu begrüßen. Außerdem scheint das magische Fruchtwasser eine große Anziehungskraft auf sie auszuüben.
Gargylen die durch das Ritual verwandelt werden, haben keinerlei Erinnerungen an ihr früheres Leben. Gargylen, die von freien Gargylen den Kuss erhalten, verspüren manchmal vage Gefühle von Vertrautheit, aber auch ihnen fehlen richtige Erinnerungen an die Zeit vor der Verwandlung. Alle Gargylen behalten ihre körperlichen Fähigkeiten, die sie vor der Verwandlung hatten, verlieren aber mit ihrem Gedächtnis die geistigen. Wird ein Vampir verwandelt, so behält er alle körperlichen Disziplinen (Geschwindigkeit, Seelenstärke, Stärke).
Welche Vitae auch immer als Hauptbestandteil für die Erschaffung der Gargyle verwendet wurde, die Gargyle entwickelt schnell eine tiefe Abneigung gegen alle Mitglieder ihres „Spender-Clans“ und wird sie bei Gelegenheit bevorzugt angreifen.
Noch eine Anmerkung: Obwohl es theoretisch auch heute möglich ist, einen Vampir in eine Gargyle zu verwandeln, so wird das in der Camarilla überhaupt nicht gerne gesehen. Nosferatu und Gangrel könnten die Spur ihrer vermissten Verwandten zu den Tremere zurück verfolgen und wirklich keine Gargyle ist es wert, diese alten Feindschaften wieder aufbrechen zu lassen. Von der Idee zusätzliches Tzimisce-Blut in den Clan zu bringen, müssen wir gar nicht erst reden.
Eigenschaften der Gargylen
Jede Gargyle verfügt über die Kräfte der Stärke und der Seelenstärke. Das Fliegen können sie oft von Anfang an instinktiv, aber je weiter sie ihre Flugkünste verbessern, umso größer und kräftiger werden ihre Flügel. Früher wurden viele Gargylen noch zusätzlich mit einigen Ritualen belegt, die ihre Kräfte steigerten oder sie im ihren Aufgabenbereich als Krieger, Wächter oder Späher verbesserten. Mit der Zeit sind diese Rituale den Gargylen zur zweiten Natur geworden und sie haben die Disziplin Visceratika daraus entwickelt. Manche Tremere fürchten, dass diese Disziplin eine Mischung aus Gestaltwandel, Verdunklung und Fleischformen wäre und somit ein Erbe ihrer ehemaligen Clans. Tatsache ist jedoch, dass diese Disziplin alleine aus den Ritualen entstanden ist, die ähnliche Kräfte vermittelt haben.
Früher haben auch einige Gargyle thaumaturgische Rituale gelernt. Doch seit der Revolte können die Tremere ihnen selbstverständlich keine mehr beibringen. Hinzu kommt, dass heutige Gargyle oft viel zu dumm und willensschwach sind, um die Thaumaturgie zu meistern. Die einzigen Gargylen, die etwas Thaumaturgie gelernt haben, sind diejenigen, die noch direkt aus anderen Vampiren verwandelt wurden und nicht den Kuss erhalten haben. Von diesen mehr als 500 Jahre alten Gargylen gibt es heute vielleicht noch ein Dutzend im Dienste der Tremere.
Die größte Schwäche der Gargylen ist nicht ihr schwacher Wille und ihre geringe Intelligenz. Dies ist gewollt und macht sie zu guten Dienern. Vielmehr ist allein ihre äußere Erscheinung so abstoßend und dämonisch, dass man sie als wandelnde Maskeradebrüche bezeichnen muss. Dies kann zu Problemen bei ihrer Ernährung führen.
Spitzname: Klotzköpfe, Steingesichter, (Sklaven)
Status: Es gibt unter den Gargylen eine klare definierte Hackordnung, die fast so etwas wie Status darstellt. Es wurde beobachtet, das Gargylen niedriger Generation oder die einem Tremere niedriger Generation dienen, mehr Respekt zuteil wird, als anderen. In der normalen kainitischen Gesellschaft kommt ihnen bestenfalls der Status des Kanonenfutters oder der eines Caitiff zu.
Legendäre Gargylen
Chaundice, 7. Generation Erzeuger: nominell Virstania, Verwandlung: 1121, Vernichtet: 1127 Die erste überhaupt geschaffene Gargyle.
Ublo Satha, 7. Generation Erzeuger: Harlequin, Kuss: 963, Verwandlung: 1125 Die älteste noch existierende Gargyle. Angeblich ein Leibwächter eines Ratsherren.
Rock Lord, weitere Daten unbekannt Für die meisten ist der Rock Lord eine Legende, ähnlich der Vorsintflutlichen. Angeblich herrscht er seit dem Mittelalter über die Karpaten. Es gab Gerüchte, dass Chaundice der Rock Lord ist, aber vermutlich eher eines seiner Kinder. Wenn die Erzählungen über ihn stimmen, ist er auf jeden Fall eine Gargyle der ersten Stunde, der als erstes seine Unabhängigkeit fand.
Ferox, 8. Generation, Erzeuger: Rocin, Verwandlung: 1476 Ferox war ein Tremere Ghul, der eigenständigen Gargylen bei ihrer Flucht half. Als Strafe entzogen die Tremere ihm das Blut, das ihm am Leben hielt, doch eine Gargyle gab ihm aus Mitleid den Kuss und er half den Gargylen im Aufstand von 1476. Durch die Verwandlung hat er seine Vergangenheit vergessen, was blieb war nur eine vage Erinnerung der Abneigung gegen die Tremere. Am liebsten jagt er mit geradezu religiösem Eifer Nosferatu.
Saxum, 8. Generation, Verwandlung: 1123 Saxum war einst der Sklavenmeister und Anführer der Gargylen in Ceoris.
Luma, 9. Generation, Verwandlung: 1183 Sie wurde auch die steinerne Schönheit genannt. Obwohl sie mit allen typischen Merkmalen der Gargylen ausgestattet war, so hatte sie dennoch ansehnliche Proportionen und eine glatte (wenn auch steinharte) Haut. Das Experiment, das zu ihrer Erschaffung führte konnte aber nicht wiederholt werden.
Fidus, 10. Generation, Verwandlung: 1187 Fidus war die vielleicht intelligenteste Gargyle. Er schätzte Philosophie und konnte sogar die Grundzüge der Thaumaturgie meistern.
Rusticus, 10. Generation, Verwandlung: 1190, Vernichtet: 1561 Der ehemalige Tzimisce diente treu seinen Herrn bis zu seiner Vernichtung durch die Inquisition.
Erinyi, 11. Generaton, Erzeuger: unbekannt, Verwandlung: 1994 Es ist unbekannt, wie die Gargyle ihren Weg in den Sabbat gefunden hat. Vermutlich ist sie dort die einzige ihrer Art.
Verbruch, 12. Generation, Verwandlung: 1941 Ein erfahrener Kämpfer und Jäger der Tzimisce aus Transilvanien.

