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Domänen

Die Stadt ist ein Gefängnis.

Ein Käfig, zwar aus Gold, doch trotzdem ein Käfig. So lange es Städte gibt, haben die Kinder der Nacht stets dort ihre Zufluchten eingerichtet. Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig, als dort zu jagen, wo die Herde groß ist, und nicht bemerkt wird, wenn eines ihrer Mitglieder fehlt.

Einige Vampire versuchen, dem Käfig zu entkommen. Sie weichen aus in die kleineren Orte, nur um zu erkennen, dass ihr Wirken und Jagen zwischen Gartenzaun, Schützenverein und Nachbarschaftshilfe zu schnell bemerkt wird, zu schnell Aufmerksamkeit erregt. Einige wenige weichen gänzlich in die Wildnis aus, ernähren sich vom Blut der Tiere, doch der Fluch der Verdammnis ist tückisch, und bestimmt jedes Kind der Nacht dazu, irgendwann vom Menschen trinken zu müssen: Weil das Blut der Tiere ihn irgendwann nicht mehr zu nähren vermag.

Der Wildnis und der kleineren Orte als Jagdgrund beraubt, bleibt nur die Stadt. Und damit die bittere Auseinandersetzung mit jenen, die diese bereits als ihr Revier beanspruchen.

Gewiss könnte ein Vampir reisen, und somit Ärger aus dem Weg gehen, ehe sich dieser über ihm entlädt. Aber der „Makel des Raubtieres“ macht auch diese Variante unattraktiv: Wann immer zwei Vampire einander das erste Mal sehen, überkommt sie der starke innere Impuls, übereinander herzufallen. In jedem Kind der Nacht wohnt eine mörderische Bestie, ein Wesen so alt wie diese Welt, das blind ist in seinem Hunger, seinem Hass, seiner Gier. Diese innere Bestie ist es, die den Vampir in Raserei verfallen lässt. Die ihm Stärke gibt, auch seine Macht, aber die zugleich wie ein Krebs in seinem Inneren schwärt und ihn langsam, Sünde um Sünde, Jahr um Jahr, Leiche um Leiche aufzehrt. Bis nichts mehr von seinem früheren „Ich“ übrig ist.

Aber selbst wenn es diesen Makel nicht gäbe oder man eine jener Gaben beherrschen würde, ihn zu umgehen: Was soll das denn für eine Existenz sein, das ganze (Un-)Leben lang als unerwünschter Streuner zu reisen, den Gefahren der Landstraße ausgesetzt, in jeder Domäne ein Außenseiter, der sich versteckt am Rand der Domäne herumtreiben muss, bis er weiterzieht?

So abstrus es klingen mag: Aber das Intrigengeflecht des vampirischen Hofes und der mehr oder minder „zivilisierte“ Konflikt zwischen den Vampiren einer Domäne verschaffen dem Vampir Zerstreuung, Anregung und Beschäftigung. Ein Stimulus, ohne den er weitaus früher als sonst in Langeweile – und Starre – versinken würde.

So sind die Kinder der Nacht also Gefangene ihrer Domäne.

Darauf angewiesen, mit den anderen Blutsverwandten der Domäne auszukommen. Gezwungen, einen Platz in der Gesellschaft für sich zu erobern, um nicht an den Rand verdrängt zu werden. In die Unwichtigkeit. Die Entbehrlichkeit. Die Schutzlosigkeit. Dorthin, wo die Schatten lauern. Und wo jene jagen, denen das Blut der Erschaffenen allzu köstlich schmeckt.

Die Domänen der Vampire – auch die im OPUS Netzwerk verlinkten – sind in sich geschlossene Systeme, die durch keine „Überstruktur“ aneinander gebunden sind:

Es gibt unter den Vampiren keine überregionalen Herrscher, deutsche Großfürsten, Lancea-Päpste oder andere höhere Instanzen, an die man sich wenden könnte.

Soweit ein Austausch zwischen den Domänen überhaupt betrieben wird, erfolgt dieser zumeist über die Bünde der Vampire:

So kommt es durchaus vor, dass sich die Vertreter der Lancea Sancta zu einem überregionalen Konvent treffen, um Fragen des Glaubens zu diskutieren, dass zwei Häuser des Invictus regelmäßigen Briefkontakt haben, dass sich die Carthianer der Region über ein Online BBS dazu verabreden, in der Domäne X einen politischen Umsturz herbeizuführen oder dass sich mehrere Zirkel der Mutter auf dem Blocksberg versammeln, um ein großes heidnisches Fest zu feiern.

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