Gangrel
Spitzname: Wilde
Allgemeines
Die Gangrel verkörpern, was viele andere Kinder der Nacht am meisten fürchten: Die gnadenlose Wahrheit der inneren Bestie.
Anders als andere Kinder der Nacht, die komplizierte höfische Regeln etablieren, sich in theoretische Studien vergraben oder kulturellphilosophische Erklärungen (und Entschuldigungen) dafür finden, was sie sind, haben die meisten Gangrel die Wahrheit im Herzen des Blutes gesehen – und akzeptiert.
Verkörpern die Deava den perfekten sinnlichen Jäger, so verkörpern die Gangrel das perfekte Raubtier. Ihre Mächte über das Tierreich und die Gabe, die Gestalt von Tieren anzunehmen, verschaffen den Gangrel Einblicke in die Beziehungen zwischen Jäger und Beute, welche die aus zivilisierten Menschen erschaffenen, im Tode ebenso zivilisierten Vampire nie sehen und erfühlen können.
Erscheinungsbild:
Der gemeine Gangrel achtet zwar nicht sonderlich auf sein Äußeres, doch die meisten Wilden wissen, dass man die Herde täuschen muss, wenn man sich unbemerkt an ein Opfer heranpirschen und leichter Beute schlagen will. In den meisten Fällen sorgt diese Grundeinstellung für einen Kleidungsstil, bei dem Zweckmäßigkeit wichtiger als die Form ist. Kleidung und Schmuck, die die Beweglichkeit einschränken, sind unter den Wilden so gut wie unbekannt. Da sie stets auf ihre Instinkte vertrauen, lernen viele Gangrel im Lauf ihres Unlebens ein gewisses Mass an Verdunklung, um ihre Beute besser täuschen und sich vor ihren Feinden besser verborgen halten zu können.
Es existiert eine scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen den Tieren näher stehenden Gangrel und jener Mehrzahl der Vampire, die sich auch im Tode weiterhin als Kulturwesen betrachten. Kein Wunder, dass die zivilisierten Vampire auf die Gangrel hinab blicken und sie gleichzeitig um ihre Einblicke in die für sie fürchterliche Wahrheit des Raubtieres fürchten. Kein Wunder, ebenso, dass die meisten Gangrel den Spielen und Intrigen der vampirischen Höfe fern bleiben, oder mit wölfischem Grinsen jene Regeln und Konventionen brechen, die andere als Schutzmantel vor der Wahrheit um sich errichtet haben.
Hintergrund:
Gangrel kommen aus allen Gesellschaftsschichten, wobei nur wenige Wilde einen Sterblichen in die Nacht holen würden, der zuvor keinen ausgeprägten Überlebenswillen an den Tag gelegt hätte. Darüber hinaus suchen sich die Gangrel ihre Kinder anhand sehr unterschiedlicher Gesichtspunkte aus. Gangrel verabscheuen Schwächen und all jene Kinder des Tages, die physischen und psychischen Belastungen nicht gewachsen sind (wohl auch aufgrund ihrer eigenen Clanschwäche). Besondere Verachtung hegen sie allerdings für echte Sensibelchen und all solche Sterbliche, die keinen Sinn im Leben finden. Mitglieder des Clans wissen es sehr zu schätzen, wenn ein Sterblicher begreift, dass die größten und von den Wilden am meisten geachteten Stärken in ihm selbst liegen - Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstkenntnis. In seltenen Fällen kommt es zwar vor, dass ein Gangrel jemandem ohne solche Qualitäten den Kuss schenkt (meist als grausamer Test, der zeigen soll, ob die betroffene Person gestählt aus der traumatischen Erfahrung des Kusses hervorgeht), doch meist hält der Clan an seinen Standard fest, denn alles andere wäre den Aufwand nicht wert.
Bevorzugte Attribute:
Fassung und Widerstand
Clansdisziplinen:
Gestaltenwandeln, Tierhaftigkeit und Zähigkeit
Schwäche
Die Gangrel ersetzen das Theoretische durch das Praktische. Sie verzichten auf jedes Hätte Würde Könnte zugunsten des Seins. Und wenn sie eine Frage überhaupt beantworten, so tun sie dies meist mit erschütternder Direktheit. Solche Tierhaftigkeit im Denken ist natürlich nicht ohne Gefahr. Und solche Weisheit kommt zu einem Preis: Je älter ein Gangrel wird, desto mehr läuft er Gefahr, selbst zum Tier zu werden.
Damit ist nicht gemeint, dass er die äußeren Merkmale eines Tieres entwickelt. Aber seine Entfremdung von der Zivilisation und der menschlichen Art zu denken macht es ihm immer schwerer, menschliche (oder zivilisierte vampirische) Reaktionen abzuschätzen und „sozial korrekt“ darauf zu reagieren. Diese Schwäche bewirkt wiederum eine stärkere Isolation, die den Effekt der Entfremdung weiter verstärkt – ein Teufelskreis, der die Ahnen des Clanes zu fremdartigen, instinktgetriebenen Schrecken der Nacht werden lässt, vor denen die Blutsverwandten sich angstvoll verkriechen.
Bei Gangrel gilt die 10 er nochmal Regel bei Würfen auf Intelligenz und Geistesschärfe nicht. Ausgenommen sind davon Wahrnehmung und Reaktionswürfe.
Struktur
Die Gangrel haben die freieste Struktur unter allen Clans. Die meisten Gangrel sind wohl unter den Freien zu finden, doch wenn sie sich einem Bund anschließen, so ist es mehr als jeder andere der Zirkel der Mutter, der die tierhafte Seite der Gangrel anspricht. Eine gewisse Zahl der Gangrel kann sich auch für die Ideale der Carthianer erwärmen, auch wenn deren Lust zu theoretischen Debatten viele Gangrel im Laufe der Zeit wieder abschreckt. Die anderen Bünde üben nur auf vereinzelte Gangrel einen Reiz aus, aber wenn sie sich einem solchen anschließen, gehören sie zu den Furcht einflößendsten Mitgliedern ihrer Kabale


