Ventrue
Spitzname: Gebieter
Allgemeines:
Andere Clane mögen über einzelne, machtvolle Disziplinen gebieten. Mögen Geheimnisse entschlüsseln und altes Wissen horten, oder das Wesen der Bestie besser kennen als irgend ein anderer.
Aber die Ventrue sind es, die gewinnen. Immer.
Von allen Clanen sind die Ventrue die fokussiertesten. Sie überragen die anderen Blute nicht nur in ihrer Fähigkeit, Menschen und auch Tieren ihren lähmenden Willen aufzuzwingen, nein, sie scheinen mehr als sonst ein Blut in der Lage zu sein, ein Vorhaben bis zum Erfolg zu verfolgen, völlig egal, welche Hindernisse im Weg stehen oder welche Rückschläge temporär zu erdulden sind.
Der Clan strebt nach der absoluten Vorherrschaft. Und ist mächtig genug, dieses Vorhaben Schritt für Schritt, Domäne um Domäne, Bund um Bund zu erreichen.
Erscheinungsbild:
Viele Ventrue kleiden sich konservativ und schlicht, was sie als deutlichen Ausdruck ihres hohen Status verstehen, ohne diesen allzu aufdringlichen zu Schau zu stellen. Junge Gebieter bevorzugen oft einen „adretten“ Look – sprich, jene zeitlose Uniform der Geschäftswelt, die seit jeher aus Anzug und Krawatte besteht – oder (im Fall von Gebieterinnen) elegante Abendkleider oder den klassischen knielangen Rock zu Bluse und Blazer, wobei teurer, aber dezenter Schmuck nicht fehlen darf. Die Ahnen des Clans schätzen den Kleidungsstil ihrer Zeugungszeit und behalten ihn zumindest in ihrer Zuflucht gerne bei, doch auch in der Öffentlichkeit wirken viele von ihnen so, als sei ihre Kleidung schon ein paar Jahrzehnte aus der Mode. Selbst rebellische Ventrue tragen ihre nietenbesetzten Lederjacken wie eine Uniform, die ihre Dominanz zum Ausdruck bringt. Die Gebieter umgeben sich gern auch mit anderen Statussymbolen – vom teuren Auto in der Garage bis hin zum Weinkeller voller edler Tropfen, die der Besitzer selbst nie wieder kosten wird.
Hintergrund:
Die Ventrue erwählen ihre Kinder meist aus den Besten ihres Fachs oder aus den höchsten gesellschaftlichen Schichten. Manche Gebieter bevorzugen Kinder aus Familien, die „altes Geld“ besitzen, oder Sprösslinge politischer Dynastien, da diese Sippen in der modernen Welt am ehesten dem entsprechen, was in der Feudalzeit einmal der Adel war. Andere Ventrue bevorzugen Sterbliche, die sich selbst etwas erarbeitet haben wie etwa millionenschwere Gesellschafter, Politiker, Offiziere des Militärs oder sogar Unterweltgrößen. Immer, wenn sich neue Berufe und somit neue Ausprägungen der Macht entwickeln, holen die Ventrue Vertreter dieser Stände in ihren Clan. Der Aufstieg der Computerindustrie beispielsweise hat den Reihen der Gebieter eine wahre Flut von technikbegabten Kindern beschert.
Bevorzugte Attribute:
Präsenz und Entschlossenheit
Clansdisziplinen:
Beherrschung, Seelenstärke und Präsenz
Schwäche:
Macht verdirbt und aus diesem Grund erleiden Ventrue einen Abzug von 2 auf Menschlichkeitswürfe die nach einem missglückten Entartungswurf anstehen um darüber zu entscheiden, ob der Charakter eine Geistesstörung erleidet oder nicht.
Struktur:
Zu der langfristig angelegten Erfolgsstrategie des Blutes gehört es unbedingt, Stabilität zu schaffen. Je stabiler ein System ist – und es gibt in den Augen der älteren Ventrue wenige Systeme, die stabiler als die Feudalherrschaft wären – desto verlässlicher lässt sich auf dieser festen Basis eine Position aufbauen und von dieser ausgehend der nächste Schritt nach oben vorbereiten.
Es ist daher absolut kein Wunder, dass die meisten Ventrue im Invictus zu finden sind, welcher der Legende zufolge auch von diesem Clan gegründet wurde. Eine weitere große Zahl von Ventrue sind in der Orda Dracul zu finden, deren auf Kontrolle und Meistern des Schicksals ausgelegte Lehre eine formidable Übung an Selbstkontrolle ist, ebenso wie deren geheime Kräfte einem Ventrue eine entscheidende Bereicherung seines Waffenrepertoires versprechen. Auch die Lancea Sancta besitzt eine große Anziehungskraft für die Ventrue, besitzt die dunkle Kirche doch einen erfreulich stabilen, hierarchischen Aufbau, in dem ein Ventrue rasch zur Spitze gelangen kann. Andere Bünde mögen dem einzelnen Ventrue eine ideale Nische für seine persönlichen Ambitionen bieten, sprechen den Clan aber keineswegs auf breiter Basis an.
Von allen Clanen pflegen die Ventrue die engste und komplexeste innerclanliche Struktur. Zwei Ventrue, die sich das erste Mal vorstellen, vergleichen in aller Regel sehr ausführlich ihre Abstammung und Errungenschaften, um den Stand zueinander bestimmen zu können. Auch sind die Ventrue Meister darin, das Beziehungsgeflecht um ein Kind der Nacht nicht nur wahrzunehmen, sondern auch die richtigen Schlüsse aus diesem zu ziehen. Wehe dem Ventrue, der sich allzu offen mit Vampiren weit unter seinem Niveau abgibt oder ein Kind aus etwas anderem als kühler Berechnung erschafft.
In dieser sorgsamen Beobachtung der Beziehungs- und Machtgeflechte verbirgt sich zugleich auch der größte Makel des Blutes: Je älter ein Ventrue wird und je mehr Erfahrungen er über die Gesellschaft der Kinder der Nacht sammelt, desto feiner wird sein Gefahrensinn betreffs der offenen und verborgenen Aktivitäten seiner Gegenspieler. Die Grenze von „gut verborgenen“ hin zu „eingebildeten“ Feind- und Machenschaften ist im Blut der Gebieter fließend, und es ist ein offenes Geheimnis, dass jeder Gebieter nach einer Zeit der Blüte unweigerlich dazu verdammt sein wird, geistig zu degenerieren und verschiedene geistige Wahnzustände zu offenbaren. Die Gebieter selbst bestreiten dies natürlich vehement, ergriffen von einem unfassbaren Grauen, am Ende von dem einzigen Gegner besiegt zu werden, der eines Ventrue würdig ist: Dem eigenen Geist.


